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Bürger-Energie-Genossenschaft Hummetal plant fünf Anlagen bei Grießem

Windpark in Regie der Einwohner

AERZEN. Die Gemeinde Aerzen gehörte einst mit zu den Vorreitern im Landkreis, um Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen. Doch nach Expertenmeinung dürften sie nicht ausreichen. Statt auswärtiger Investoren sind es nun heimische Befürworter von erneuerbaren Energien, die fünf Windkraftanlagen bei Grießem planen.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 15:35 Uhr

Südwestlich von Grießem möchte die Bürger-Energie Hummetal eG einen Windpark mit fünf Anlagen errichten. Fotos (3): sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Nicht nur die Stadt Hameln sucht nach neuen Flächen für den Bau von Windenergieanlagen, auch die Gemeinde Aerzen muss tätig werden, will man vonseiten der Kommune bis 2050 die Zielvorgaben für den Ausbau der Windenergie in Niedersachsen erfüllen. Um diesem Ziel einen Schritt näherzukommen, wurde von der Bürger-Energie-Genossenschaft Hummetal der Bürger-Windpark Grießem ins Gespräch gebracht. Dem Bauausschuss des Gemeinderates und auch den Grießemer Forstgenossen hat der Bürgerenergiegenossenschafts-Vorstand das geplante Projekt, das den Bau von fünf Windenergieanlagen umfasst, im Vorfeld bereits vorgestellt, da eventuell ein geringer Teil der Waldfläche bei einer Realisierung des Windparks mit einer Baulast belegt werden könnte. Im Rahmen der kommenden Sitzung des Ausschusses für Bau-, Straßen-, Verkehrs- und Umweltangelegenheiten am Dienstag, 25. April, ab 18 Uhr im Rathaus wird nun der von der Gemeindeverwaltung beauftragte Gutachter seine Pläne und Ideen diesbezüglich erstmals öffentlich vorstellen.

Mittlerweile ist es fast 20 Jahre her, dass im Bereich Aerzen vier Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen und zum Teil auch bebaut wurden. Während für die Vorrangfläche „Lachemer Forst“ ein sogenanntes Repowering der vorhandenen drei Anlagen beantragt, genehmigt und für das kommende Jahr vorgesehen ist, stellt sich die Situation östlich von Reinerbeck anders dar. Für die Vorrangfläche „Im unteren Felde – Heerstraßenbreite“ ist noch nicht beantragt worden, die drei vorhandenen jeweils 1,5-Megawatt-Anlagen durch leistungsstärkere und höhere Windräder zu ersetzen.

Sollte die Gemeinde ihren Flächennutzungsplan nicht überarbeiten, ist auch hier eine Aufrüstung der Anlagen nicht ausgeschlossen. Anders als bei der Windenergiegewinnung im Lachemer Forst wären dann hier verstärkt Probleme durch Bedrängungswirkung, Schallemission und Schattenwurf zu erwarten. Die Vorrangfläche „Am Berge“, östlich von Reinerbeck-Bruch gelegen, scheint hingegen ausgereizt. Sollte diese Einzelanlage irgendwann in den kommenden Jahren vom Netz gehen, ist hier kein Repowering zu erwarten, da die Nabenhöhe durch den Bebauungsplan auf 65 Meter begrenzt ist, wie Hartmut Hahn von der Bürgerenergiegenossenschaft Hummetal in seiner Einschätzung der aktuellen Situation erklärt.

B. Cramer
  • B. Cramer
H. Hahn
  • H. Hahn

Die vierte ausgewiesene Vorrangfläche „Scharben“ östlich von Schevelstein wurde noch nicht genutzt. „Allerdings handelt es sich hierbei um einen Einzelstandort. Heute geht der allgemeine Trend zum Bau von Windparks“, erklärt Burkhard Cramer, der Vorsitzende der Bürger-Energie Hummetal eG. „Auch mit einem maximal möglichen Repowering aller vorhandenen Anlagen, mit dem dann eine Anlagenleistung von 10 bis 20 Megawatt erreicht werden könnte, werden die Zielvorgaben des Windenergieerlasses von etwa 40 Megawatt weit verfehlt“, lautet die Einschätzung von Hartmut Hahn. Weiterhin vertritt er die Ansicht, dass die Gemeinde „jetzt die Gelegenheit nutzen und den weiteren Ausbau proaktiv gestalten sollte“.

Am Beispiel von Coppenbrügge machte Burkhard Cramer deutlich, wie Windenergieausbau verlaufen kann, wenn eine Kommune sich die Fäden per Gerichtsbeschluss aus den Händen nehmen lässt. „Im Ostkreis hat sich gezeigt, dass Bauvorhaben auch mit guten Erfolgsaussichten auf dem Klageweg durchgesetzt werden können“, meint Cramer.

Anhand der Hinweise des Klimaschutz-Teilkonzeptes des Landkreises hat sich die Genossenschaft im Vorfeld auf die Suche nach möglichen Standorten für einen Windpark im Bereich Aerzen gemacht. Dabei wurde deutlich, dass für Windenergiegewinnung geeignete, zusammenhängende Flächen rar sind. Die in einer Flächenanalyse beispielsweise südlich und nordwestlich von Groß Berkel gefundenen Flächen liegen zu nah an der Tiefflugstrecke der Heeresflieger, als dass dort ein Windpark entstehen könnte.

Südwestlich von Grießem sieht die Bürger-Energie Hummetal eG hingegen eine größere mögliche Vorrangfläche. Der erste Planentwurf umfasst einen Umfang von insgesamt rund 70 Hektar für den Bau von fünf jeweils 200 Meter hohen Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 16,5 Megawatt. „Damit wären die Vorgaben zum Ausbau der Windenergie zumindest für die nächsten 20 Jahre erfüllbar“, sagt Hahn.

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