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Mehrere Bürger- und Investorenprojekte im Bereich Aerzen und Emmerthal warten auf Entscheidungen

Windenergie-Planer hoffen auf Aufwind

Emmerthal/Aerzen (cb). Der schnellere Ausbau der Windkraft gehört mit zu den Eckpunkten der durch die Bundesregierung eingeläuteten Energiewende – und darauf spekulieren Einwohner und Investoren, die weitere Anlagen in Aerzen und Emmerthal finanzieren wollen. Noch halten sich Verwaltung und Politik der beiden Kommunen zurück. Sie gehörten vor mehr als zehn Jahren zu den Vorreitern, als die Gemeinden Vorranggebiete für Windkraftanlagen auswiesen, um damit die Standorte festzulegen. Interessenten für weitere Anlagen stehen nun in den Startlöchern, hoffen, dass die Kommunen zusätzliche Standorte ausweisen. Jüngst befasste sich die Emmerthaler Politik mit drei Anträgen, um schließlich die Entscheidung zu vertagen. Für den Bereich Aerzen melden bislang zwei heimische Projektierer Interesse an.

veröffentlicht am 04.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:41 Uhr

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Bereits seit gut drei Jahren bemühen sich die beiden Aerzener Dieter Kropp als Initiator und Ernst Podewski um zusätzliche Standorte für sogenannte Bürger-Windkraftanlagen, an denen sich Einwohner der Gemeinde finanziell beteiligen können. Über 170 Aerzener hätten schon damals, lange vor der Atomkatastrophe von Fukushima in Aussicht gestellt, Geld in die erneuerbaren Energien zu investieren, ruft Kropp in Erinnerung. Und das ohne große Werbung, wie er meint – die Resonanz dürfte nun wesentlich höher sein. Ursprüngliche Pläne sahen Rotoren im Bereich „Kalte Nase“ am Pyrmonter Berg vor. Da es sich um ein Waldgebiet handelt, wurde der Standort bald verworfen – die Landesregierung verweigerte die Zustimmung. Nun wittern die heimischen Investoren neue Chancen, nachdem Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinric Sander kürzlich Ausnahmen in Wäldern in Aussicht gestellt hatte. Danach könnten gegebenenfalls Windräder errichtet werden, wenn es sich um vorbelastete Flächen handelt, beispielsweise auf ehemaligen militärischen Anlagen oder in durch Stürme beschädigten Waldgebieten. „Wenn es so kommt, dann ist die Politik in Aerzen in der Pflicht“, meint Kropp und erinnert daran, dass die Kommunen in Nordrhein-Westfalen schon weiter vorangekommen seien. „Die Gemeinde sollte mit uns zusammenarbeiten. Es ist nicht einzusehen, dass auswärtige Investoren dann investieren.“

Kropp und Podewski verfolgen weiter das Ziel, dass sich nur Aerzener an der Finanzierung beteiligen sollen. Dadurch solle die Akzeptanz für die Anlagen erhöht werden. Und das scheint auch wichtig – immerhin sind moderne Windräder nicht nur leistungsfähiger, sondern auch höher. Favorisiert werden drei bis vier Anlagen mit jeweils rund drei Megawatt Nennleistung. Vorstellbar seien Standorte am Schierholzberg, Saalberg oder in der Lachemer Forst in Nachbarschaft der bislang bestehenden drei 1,5-Megawatt-Anlagen bei Poste- holz. „Wenn Atomstrom nun endlich ein Auslaufmodell ist, benötigen wir exponierte und abgelegene Standorte mit einer gewissen Höhe, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, sagt Podewski.

Noch relativ unbekannt in Aerzen sind die Pläne von Rudi Sonnemann aus Dehmke. Der heimische Kommunalpolitiker bestätigte auf Nachfrage, dass er den Bau von zwei bis drei 4-MW-Anlagen mit einer Nabenhöhe von 145 Metern in Dehrenberg vorantreiben möchte. Ein Windgutachten habe er dafür bereits in Auftrag gegeben. „Der Standort würde sich optimal eignen“, sagt Sonnemann, der dort über drei Hektar Eigenbesitz verfügt. Die Gemeinde komme nicht umhin, weitere Vorrangflächen auszuweisen, begründet er mit der Energiewende. Wenn der entsprechende Flächennutzungsplan geändert werden sollte, müsse dieser Bereich in Dehrenberg mitberücksichtigt werden. „Dann geht es in die konkreten Planungen“, kündigt er weitere Schritte an. Zwar würde er das Modell Bürgerwindkraftanlagen bevorzugen, dennoch könne er sich aber andere Finanzierungsformen vorstellen. Sonnemann: „Ich habe die Fühler bereits ausgestreckt – das Interesse ist riesig.“

In Emmerthal bemüht sich seit Jahren schon Wilhelm Siekmann aus Voremberg um eine Anlage vor Ort. Immer wieder seien seine Anfragen vertagt worden. „Bis ich richtig sauer geworden bin“, so Siekmann, der bereits in eine 70-kWp-Photovoltaikanlage investiert hat. Nun endlich sei der Antrag in die Politik gekommen. „Ich hätte mir aber eine Entscheidung vor der Wahl gewünscht“, drängelt er. „Ich hoffe stark auf ein Umdenken. Die Politiker müssen Farbe bekennen.“ Siekmann, der eine 2-MW-Anlage mit 90 Meter Nabenhöhe plant, wünscht sich für die Investition nur Kommanditisten aus Voremberg und Völkerhausen. „Es gibt einige, die würden mit einsteigen“, sagt er. „Aber ich kann ja nicht schon vor einer Entscheidung durchs Dorf laufen.“ Im selben Ort wohnt auch Cord Mönnig, der auf seinem Ackerland bis zu zwei Windkrafträder errichten lassen möchte. Seit Jahren befasse er sich bereits mit erneuerbaren Energien, verfüge über eine Photovoltaikanlage und heize mit Holz. „Wenn wir nicht Atomstrom aus Frankreich wollen, dann ist es naheliegend, auf die Windkraft zu setzen“, argumentiert Mönnig. Zwar habe er bereits erste Gespräche geführt, doch stehe er mit seinen Planungen noch ganz am Anfang.

Der bislang einzige öffentlich bekannte Antrag eines Unternehmens liegt von der Juwi Wind GmbH vor, die sich als führender Spezialist für erneuerbare Energien bezeichnet. Das Unternehmen plant zwei Windenergieanlagen neuesten Typs mit einer Gesamthöhe von 150 Metern, die rein rechnerisch bis zu 3000 Haushalte mit Strom versorgen könnten. Die Projektentwickler haben ein Vorranggebiet südöstlich von Esperde beantragt. Nach eigenen Angaben haben Gespräche mit den Grundstückseigentümern positive Rückmeldungen ergeben. In Kürze würden erste Nutzungsverträge abgeschlossen, hieß es in dem Antrag von Ende April. Die Juwi Wind GmbH wirbt übrigens für das Projekt mit dem Argument, dass auch die Gemeinde Emmerthal finanziell davon profitieren würde. „Die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde werden auf circa 10 000 Euro pro Windenergieanlage und Jahr geschätzt“, stellt das Unternehmen in Aussicht.



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