weather-image
Expertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht Hausbewohner im Recht

„Willkür“: Kabel Deutschland kündigt Internetverträge der Mieter

Groß Berkel (ch). „Die Ampel steht auf Rot“ – nicht auf der Straße, sondern unterirdisch. Für ihre Internet- und Telefonverbindung bekommen Christian Sprenger und Irina Rompf aus Groß Berkel von ihrem ehemaligen Vertragsanbieter Kabel Deutschland kein grünes Licht mehr. Das Unternehmen hat ihnen den Vertrag gekündigt und das Mietshaus, in dem sie wohnen, „abgehängt“. Und dass nur, weil ihr Vermieter einen separat geschlossenen Kabelanschluss für das Haus gekündigt hatte.

veröffentlicht am 30.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:41 Uhr

270_008_5781854_lkae_3008_kabel01.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Hintergrund: Anfang des Jahres entschied Adrian Mantke, Vermieter eines Mehrparteien-Hauses im Ginsterweg 5 in Groß Berkel, den Kabelanschluss zu kündigen und stattdessen eine Satellitenschüssel installieren zu lassen. Ein Entschluss, den er heute bereut. Denn nachdem im Mai die Anlage von Radio Schulz, Vertragspartner von Kabel Deutschland vor Ort, installiert und der Kabelvertrag gekündigt worden war, erhielten vier seiner Mieter ihrerseits Kündigungsschreiben von Kabel Deutschland. Für ihre Telefon- und Internetverträge, die sie jeweils separat mit dem Unternehmen abgeschlossen hatten. „Es tut uns leid: Wir können Ihnen unsere Zusatzprodukte nicht mehr anbieten“, hieß es in einem standardisierten Schreiben an die Mieter, die Kunden bei Kabel Deutschland waren. Als Begründung hieß es, man dürfe ihnen die Produkte nicht mehr anbieten, da ihr Vermieter den Vertrag mit Kabel Deutschland gekündigt habe. Gekündigt hatte dieser aber nicht den Internet- und Telefonvertrag des Pärchens, sondern nur den Kabelfernsehanschluss für das ganze Haus. In der Angebotspalette des Unternehmens gibt es durchaus die Option, nur Internet und Telefon, sogar beides einzeln, ganz unabhängig von einem Kabelfernsehvertrag, zu buchen. Doch, wie es scheint, nur, solange nicht ein bestehender Vertrag gekündigt wird.

Das junge Pärchen wollte sich mit der Kündigung nicht abfinden, versuchte telefonisch, per E-Mail und über die Unternehmens-Homepage, eine Erklärung zu bekommen. „Es gab nie einen richtigen Ansprechpartner, der zuständig war, wir sind immer weitergereicht worden“, erzählt Sprenger. Kurze Zeit wähnen sie sich, etwas erreicht zu haben, als die Kündigung schriftlich zurückgenommen wird, mit der verwirrenden Begründung: „Bitte entschuldigen Sie unseren Irrtum! Leider ist uns in der Bearbeitung Ihres Vertrages ein Fehler unterlaufen – wir haben Ihnen versehentlich eine Kündigungsbestätigung zugeschickt. Das tut uns sehr leid.“ Es folgt eine neue Vertragsnummer – und dann ein erneutes Kündigungsschreiben. Viermal wurde dem Pärchen gekündigt, dreimal wurde die Kündigung wieder zurückgenommen, die letzte scheint jedoch Bestand zu haben: Der „Übergabepunkt“ sei gesperrt worden, heißt es von Kabel Deutschlands auf Anfrage der Dewezet. Der Übergabepunkt ist der Schnittpunkt zwischen dem Netz von Kabel Deutschland und dem Hausverteilnetz. „Mit der Sperrung des Übergabepunktes bietet unser Unternehmen im Ginsterweg 5 keine Internet- und Telefonversorgung mehr an. Die bestehenden Internet- und Festnetz-Telefonverträge mit den Mietern wurden deshalb gekündigt.“ Warum der Übergabepunkt gesperrt wurde, dazu äußert sich das Unternehmen gegenüber der Dewezet nicht.

„Die Ampel steht auf Rot“, bekamen Rompf und Sprenger zu hören, immer wieder wurde ihnen erklärt, die Kündigung habe „technische Gründe“. Nachfragen bei Radio Schulz ergaben jedoch, dass es technisch in dem Haus auch ohne Kabelfernsehen und trotz der Satellitenanlage kein Problem sei, Internet und Telefon weiter über Kabel Deutschland zu empfangen. „Unbegreiflich“, sagt darum Jens Bönning von Radio Schulz, der wieder und wieder mit Sprenger und mit verschiedenen Ansprechpartnern bei Kabel Deutschland telefoniert hat. Es sei „Willkür“, dass sich das Unternehmen weigere, die Verträge bestehen zu lassen. Und ärgerlich für den Elektrotechnik-Betrieb, der den Kunden gerne helfen würde, den Kabelanbieter jedoch nicht überzeugen kann. „Das nächste Mal werden wir die Kunden vorwarnen“, sagt er. Irina Rompf und Christian Sprenger hilft das nichts mehr. Sie werden den Mietvertrag vermutlich kündigen und aus der Wohnung ausziehen. Denn eine schnelle Internetverbindung kann ihnen in der Wohnung kein anderer Anbieter anbieten und sie sind beruflich darauf angewiesen. Nicht nur für sie, sondern auch für den Vermieter Adrian Mantke eine schwierige Situation. Er bereut es, die teure Anlage installiert zu haben, würde überlegen, sie wieder abzubauen, doch einige der Mieter haben sich extra einen neuen Receiver gekauft, Geld für die Anlage ausgegeben. Für die Dachgeschosswohnung neue Mieter zu finden, die ohne oder nur mit einer sehr langsamen Internetverbindung klarkommen, werde sehr schwer werden, befürchtet er. „Ich bin aber froh, wenn jetzt andere Mieter und Vermieter vorgewarnt werden, damit ihnen nicht auch so etwas passiert“, sagt er.

Auch die Verbraucherzentrale sieht die Mieter klar im Recht. „Die Telefon- und Internetverträge sind vom Rahmenvertrag mit dem Vermieter losgelöst“, erklärt Kathrin Körber, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale in Göttingen. Was ein Mieter in einem Individualvertrag vereinbare, dürfe nicht einfach aufgekündigt werden, so die Juristin.

Bewohner eines Groß Ber-keler Mehrfamilienhauses müssen ohne Telefon und Internet auskommen.

Foto: Bilderbox



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt