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Gedenken an den großen Brand von 1642

Wiederaufbau hat Tradition

AERZEN. Mit einem bunten Programm, spektakulären Vorführungen, launigen Führungen und einem Gedenkgottesdienst erinnerte jetzt die Gemeinde Aerzen an den großen Brand von 1642. Bei strahlendem Sonnenschein kamen die Besucher voll auf ihre Kosten.

veröffentlicht am 16.10.2017 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 16.10.2017 um 17:52 Uhr

Modernste Löschtechnik im Einsatz: die Freiwillige Feuerwehr Aerzen mit dem Cobra-Löschsystem. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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„Die Menschen in Aerzen standen vor der Entscheidung, den Ort zu verlassen und ihn wüst fallen zu lassen oder die Ärmel hochzukrempeln, an die Zukunft zu glauben und den nach dem großen Brand am 16. Oktober 1642 eingeäscherten Flecken wieder aufzubauen. Sie entschieden sich für die zweite Möglichkeit, schließlich lag das Dorf nicht irgendwo, sondern direkt an einem bedeutenden Handelsweg“, führte Bürgermeister Bernhard Wagner im Anschluss an den Gedenkgottesdienst zum 375. Jahrestag des verheerenden Großbrandes aus.

„Am Tage Galli anno 1642 morgens um 3 Uhr“ hatten französisch-weimarische Truppen unter der Führung von Generalmajor Rosen den Ort gebrandschatzt und nahezu vollständig zerstört. Gemeinsam erinnerten Kirche, der Aerzener Ortsrat und der Feuerschutzausschuss der Gemeinde sowie die örtliche Feuerwehr mit einer gemeinsamen Veranstaltung an dieses Ereignis. Bei goldenem Oktoberwetter nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich von der Freiwilligen Feuerwehr Aerzen auf dem Kirchplatz demonstrieren zu lassen, wie moderne Lösch- und Rettungstechnik heute eingesetzt wird. Dem großen Brand standen die Menschen vor 375 Jahren hingegen schutzlos gegenüber. Die Bevorratung und Benutzung von Löscheimern, beispielsweise aus Leder und Holzgeflecht, wurde erst ab dem 18. Jahrhundert zur Pflicht. Während draußen auf dem Platz die Feuerwehr das neueste Cobra-Löschsystem in Stellung brachte, zeigten zwei antike lederne Löscheimer (Ausstellungsstücke aus dem Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont in Kirchohsen) in der Marienkirche auf, welche bescheidenen Mittel den Menschen vor 375 Jahren zur Verfügung standen, um einem Entstehungsbrand Einhalt zu bieten.

Auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert nahm auch Gäste- und Kirchenführerin Magdalena Danger die Besucher mit. In der Rolle der Anna Dorothea von Kerssenbrock berichtete sie unter anderem aus ihrem Leben an der Seite ihres Ehemanns, Liborius „Börries“ von Münchhausen. „Stellt euch vor, auf der neuen Kirchenempore saßen die Bauern plötzlich mit dem Adel auf einer Ebene – ist das nicht die Höhe! Das ging ja gar nicht, und so ließ mein Liborius unsere Schwöbber-Prieche erhöhen“, brachte sie die Geschichte der Marienkirche den Besuchern auf unterhaltsame Art näher.

Feuerschutz anno dazumal: Alte Löscheimer waren im 17. Jahrhundert die einzige Möglichkeit, einen Entstehungsbrand zu bekämpfen. Foto: sbr
  • Feuerschutz anno dazumal: Alte Löscheimer waren im 17. Jahrhundert die einzige Möglichkeit, einen Entstehungsbrand zu bekämpfen. Foto: sbr

Ins lockere Gespräch mit den Besuchern kamen auch die Mitglieder des Ortsrates und des Feuerschutzausschusses, die einen Teil des Caterings übernommen hatten. „Die Sache mit dem Wiederaufbau nach einem Großbrand hat in Aerzen offenbar bis heute Tradition“, machte Feuerschutzausschuss-Mitglied Dietmar zur Mühlen deutlich und erinnerte an die Wiedereröffnung des Aerzener Freibades, das ebenfalls durch einen Großbrand zerstört worden war.

Ein glückliches Ende nahm der Ausflug nach Aerzen für ein Damen-Trio aus Salzhemmendorf. Eine der drei Seniorinnen hatte auf der Veranstaltung, zunächst von ihr unbemerkt, ihre Handtasche verloren. Erst auf dem Heimweg bemerkte sie den Verlust. Zwischenzeitlich war das gute Stück beim Aufräumen aber gefunden und im Aerzener Rathaus abgegeben worden. Wie gut, dass aufgrund der Wahl der Empfang auch am Sonntag besetzt war. Dort konnten dann Tasche und Besitzerin wieder zusammengeführt werden.

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