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Jochen Malmsheimer überzeugt im Lenze-Forum / Anspruchsvoller und unterhaltsamer Abend

Wie Sprache beeindrucken kann – ein Genuss

veröffentlicht am 13.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Andrea Gerstenberger
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Groß Berkel. „Flieg Fisch, lies und gesunde! Oder: Glück, wo ist Dein Stachel?“– Dieser geheimnisvoll anmutende und doch etwas verwirrende Titel des Kabarettprogramms, das Jochen Malms-heimer am Donnerstagabend im Groß Berkeler „Lenze Forum“ präsentierte, konnte nicht verhindern, dass der Saal ausverkauft war. Und die Gäste, die in Erwartung eines unterhaltsamen Abends gekommen waren, wurden nicht enttäuscht. Schon die organisatorische Einordnung, wie man sich denn verhalten sollte, um den Künstler wohlzustimmen, und dass man die Pause zur toxikologischen Marinierung des Inneren und lustvollen Entschlackung nutzen sollte, ließ eine gewisse Erwartungshaltung entstehen, dass dies kein seichter Abend werden würde.

Das bewahrheitete sich denn auch schon beim ersten Thema, der Kindererziehung. Dass die lieben Kleinen in Sachen „Spielgefährte Haustier“ für logische Argumente nicht immer empfänglich sind, dürfte manchem ja bekannt vorgekommen sein. Malms-heimers Kompromissversuch, sich Kleinnager im Haus durchaus vorstellen zu können, aber halt bevorzugt in Sahnesoße und mit leckeren Beilagen, war dann doch etwas ausgefallen. Herrlich die philosophischen Betrachten eines Zoobesuches, der dazu beitragen sollte, den Familienfrieden wieder herzustellen. Passend danach die Reminiszenz an den Kollegen Jürgen Becker: „Kabarett hin oder her, man muss auch mal einen Witz machen.“

Damit hatte der 47-jährige Essener, der bekennender Ruhrpottler ist, sich dann auch warmgelaufen, und es ging ans intellektuell Eingemachte. Was folgte, kam aus einem rhetorischtechnisch perfekten, verbalen Schnellfeuergewehr. Temporeiche und dennoch inhaltsschwere Salven, kunstvollen Feuerpausen, Stimme mal einlullend streichelnd und dann wieder wie ein Donnerschlag. Ein Genuss zu erleben, wie man mit Sprache beeindrucken kann. Thema: Der morgendliche Blick des der Jugend entwachsenden Mannes in den Spiegel. Theatralisch in Szene gesetzt, in letzter Konsequenz endend, mit dem eiskalten Hauch, den man wohl spürt, wenn der Sensenmann vor der Tür steht und der Sand durch die schmale Taille des Stundenglases rauscht.

Wer dachte, das war nicht mehr zu toppen – weit gefehlt. Der gelernte Buchhändler verstand seine Liebe zum gedruckten und gebundenen Wort noch gekonnter darzustellen. Ein nächtlicher Besuch in seiner Bibliothek ließ lange Geahntes zur Wirklichkeit werden. Da stritt sich Thomas Manns „Buddenbrocks“ mit Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, und Günter Grass „Der Butt“ diskutierte mit frisch Dazugekauften und Alteinsortierten. Zudem führte der alle anderen ignorierende Goethe tief schürfende Selbstgespräche.

Was für anspruchsvoll-unterhaltsame Stunden, die verstehen lassen, dass Jochen Malmsheimer in diesem Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis erhält.

Jochen Malmsheimer hatte sich schnell in seinem Programm warmgelaufen – und dann ging es ans intellektuell Eingemachte. Sein Publikum war begeistert. Foto: ag



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