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Nach den Sturmschäden werden Linden gepflanzt / In den vergangenen Jahren gab es 900 Natur-Waldbestattungen

Wie geht man im Ruh-Wald mit Sturmschäden um?

FLAKENHOLZ. Sturm „Friederike“ hat auch im Forst bei Flakenholz Schäden hinterlassen. Verschont blieb auch der dortige Ruh-Hain nicht. Aber wie geht man im Ruh-Wald mit Bäume um, die von Sturmschäden betroffen sind? Antwort: Es hängt davon ab, unter dem Baum bereits kemand bestattet wurde.

veröffentlicht am 23.11.2018 um 15:36 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 20:30 Uhr

Der Stumpf eines vom Sturm abgeknickte Baums im Ruh-Wald bei Flakenholz wurde zu einer Bank umgebaut. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin

Die Schäden, die die jüngsten Stürme, allen voran „Friederike“, in den heimischen Wäldern verursacht haben, sind nach wie vor unübersehbar. Noch sind die Forstgenossenschaften und Landesforsten überall damit beschäftigt, vor allem diese stark betroffenen Waldflächen vom Windwurf zu befreien und wieder aufzuforsten. Auch der beeindruckende, etwa 120 Jahre alte Buchenreinbestand der Forstgenossenschaft Lachem oberhalb von Flakenholz, der vor zehn Jahren zum Ruh-Wald und damit für einen Zeitraum von 99 Jahren zum Friedhof gewidmet wurde, blieb von Sturmschäden im Herbst 2017 sowie in diesem Frühjahr nicht verschont.

Zwar wurden in dem lichten Buchenbestand die Bäume nicht – wie beispielsweise am Rand des Aerzener Schierholzberges – wie Mikadostangen umgeweht, ganz vereinzelt sind aber doch Bäume entwurzelt beziehungsweise abgeknickt worden. Wie geht man im Ruh-Wald mit Bäumen um, die von Sturmschäden betroffen sind? Wird ein erworbener Baum auf einem Ruh-Hain durch Blitzschlag oder Sturm vernichtet und es ist noch niemand darunter beigesetzt worden, kann ein anderer Baum kostenlos ausgewählt werden. Wurde unter dem Baum aber bereits bestattet, erfolgt eine Neupflanzung in unmittelbarer Nähe zum Ursprungsbaum, erläutert Ruh-Wald-Initiator Volker Schmidt. „Natürlich wird erst einmal das Gespräch mit den betroffenen Familien gesucht. Eine Umbettung der Urnen ist nicht möglich, denn eine Natur-Waldbestattung erfolgt in einer speziellen, biologisch abbaubaren Urne“, erklärt Ruh-Wald-Mitarbeiter Ruben Tschiersch.

Bei der Neupflanzung wird allerdings nicht auf eine junge Buche zurückgegriffen. „Buchen können nur bis zu einem gewissen Alter und einer bestimmten Größe verpflanzt werden, sonst bekommen sie Schwierigkeiten beim Anwachsen. Wir wollen aber bereits stattliche Jungbäume nachpflanzen, sodass auf Empfehlung von Waldexperten statt Buchen Winterlinden zum Einsatz kommen“, erläutert Ruben Tschiersch weiter. Beim Gang durch den Ruhwald fällt auf, dass aus einem vom Sturm abgeknickten Baum eine Ruhbank entstanden ist. „Das ist auf Wunsch der Angehörigen geschehen. Unter diesem Baum war bereits bestattet worden und so haben sich die Angehörigen gewünscht, die in einigen Metern Höhe durch den Sturm abgeknickte Buche in eine Bank umarbeiten zu lassen, auf die sie sich setzten und dem Verstorbenen gedenken können“, erläutert der Ruh-Wald-Mitarbeiter den Hintergrund der Baumstumpf-Bank.

Junge Buchen können nur bis zu einer bestimmten Größe verpflanzt werden, darum wurden bereits im Frühjahr stattliche Winterlinden als Ersatz für vom Sturm gefällte Bäume im Ruh-Wald Flakenholz gepflanzt, erklärt Ruh-Wald-Mitarbeiter Ruben Tschiersch. Foto: sbr

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre erfolgten bisher über 900 Natur-Waldbestattungen im Ruh-Wald Flakenholz. Insgesamt wurde oberhalb von Flakenholz ein Buchenwaldbestand von zirka 15 Hektar in die Widmung genommen und zum Friedhof erklärt, sodass die Kapazität an Beisetzungsmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft ist. Etwa 80 Prozent des zurzeit fast vier Hektar umfassenden, für Bestattungen erschlossenen Baumbestands wurde bereits an Interessierte vergeben. Demnächst wird der Bereich, in dem Bestattungen stattfinden können, erneut erweitert. „Nicht nur die Bäume und die Natur drum herum sind in einem ständigen Wachstum, auch der Ruhwald wird bedarfsorientiert einer permanenten Erweiterung unterzogen und der naturnahe, schmale Rundweg, der den Bestattungsbereich durchzieht, weiter ausgebaut“, berichtet Ruben Tschiersch abschließend.



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