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In Dehmkerbrock wechselte der Ort für die Erinnerung an die Gefallenen gleich mehrfach

Wie ein Denkmal mehrfach umzog

DEHMKERBROCK. Fünf Jahre nach Kriegsende errichtete man 1923 in Dehmkerbrock zu Ehren der heimischen Soldaten, die den Ersten Weltkrieg mutmaßlich nicht überlebt hatten, ein Kriegerdenkmal. Es wechselte mehrfach den Standort. In einer Sammlung von Schüleraufsätzen unter dem Titel „Heimatgeschichten“ aus dem Jahr 1950 findet sich die Arbeit von Heinz Deiters, der beschreibt, dass auch in Dehmkerbrock die Frage nach dem richtigen Standort eines Kriegerdenkmals schon sehr früh diskutiert wurde.

veröffentlicht am 16.11.2018 um 17:13 Uhr

Das Kriegerdenkmal in Dehmkerbrock: Nach Feindbeschuss musste das Schwert abgefeilt werden, wie aus einem Schüleraufsatz aus dem Jahr 1950 hervorgeht. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Wo ist der richtige Standort für ein Kriegerdenkmal? Der Mittelpunkt eines Ortes vielleicht, die Nähe zur Kirche, zu einem öffentlichen Gebäude wie beispielsweise dem Rathaus oder der Schule? Oder doch besser der Friedhof? Vor 100 Jahre ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Deutschland hatte über zwei Millionen Gefallene zu beklagen. Unzählige Soldaten wurden vermisst, warteten in Kriegsgefangenschaft darauf, wieder zu ihren Familien zurückkehren zu dürfen.

In der Dehmkerbrocker Chronik von Friedel Rekate heißt es dazu: „Im Laufe des unseligen Krieges wurden 86 männliche Dorfbewohner in den Strudel der ungeheuren Material- und Vernichtungsschlachten gezogen. Die Männer zwischen 17 und 45 Jahren, fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung, kämpften und bluteten in Flandern, Nordfrankreich, in Russland-Polen und sogar am Bosporus.“ Und weiter berichtet Rekate: „Einen relativ hohen Blutzoll forderte der mörderische, sinnlose Krieg von unserer kleinen Berggemeinde. 30 junge, hoffnungsvolle Burschen, über ein Drittel der ausgezogenen Krieger, kehrte nicht in die Heimat zurück.“

In einer Sammlung von Schüleraufsätzen unter dem Titel „Heimatgeschichten“ aus dem Jahr 1950 findet sich die Arbeit von Heinz Deiters, der beschreibt, dass auch in Dehmkerbrock die Frage nach dem richtigen Standort eines Kriegerdenkmals schon sehr früh diskutiert wurde. Der Rodenbecker, der heute in Hannover lebt, schreibt unter der Überschrift „Unser Kriegerdenkmal“, dass „1923 das erste Dehmkerbrocker Kriegerdenkmal bei der Birke, dicht neben dem Schulgebäude errichtet wurde.“ „Dort hatte es keinen guten Platz und gefiel den meisten Bewohnern nicht“, ist aus dem Schüleraufsatz des heute 79-Jährigen weiter zu erfahren. Der Abriss ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 1924 wurde ein neues Denkmal erbaut – schräg gegenüber des ursprünglichen Standortes auf der anderen Seite der heutigen Dehmkerbrocker Straße. „Das hat einen besseren Platz“, so auch die Ansicht des Schülers damals.

Und aus Deiters Beschreibung des Denkmals geht noch etwas hervor, das bereits auf die nächste Tragödie der Deutschen Geschichte zurückzuführen war: den Zweiten Weltkrieg. „Oben auf dem Denkmal ist ein sterbender Krieger aus Stein, dessen Schwert wahrscheinlich durch feindlichen Beschuss beschädigt wurde. Jetzt ist es wohl wieder spitz gefeilt, aber es ist sehr kurz“, schreibt der Schüler. Anders als in Rekates Chronik aus dem Jahr 1986 berichtet Heinz Deiters detailliert, dass die Ehrentafel 23 von 1914 bis 1918 gefallene Männer ausweist, ebenso wie drei Vermisste und sechs, die an kriegsbedingten Krankheiten verstorben waren. Und dann berichtet der Dehmkerbrocker Schüler fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass auf Holztafeln die Namen der Soldaten vermerkt seien, die im letzten Weltkrieg fielen, die Vermissten allerdings noch nicht angegeben sind. Mit dem Satz „immer, wenn wir an dem Denkmal vorübergehen, sollen wir uns an die Gefallenen erinnern“, schließt der Schüleraufsatz. Darin erwähnt Deiters indes nicht, dass der Zweite Weltkrieg noch deutlich höhere Verlustzahlen mit sich gebracht hat. Allein 57 gefallene, vermisste und verstorbene Soldaten hat Dehmkerbrock zu beklagen.

Heute geht man nicht mehr einfach so auf dem Weg durchs Dorf am Kriegerdenkmal vorbei, denn es ist 1971 abermals umgezogen – von der Ortsmitte auf den Friedhof. An der Nordseite der damals neu erbauten Friedhofskapelle wurden die Namen der Gefallenen beider Weltkriege in Steinplatten gemeißelt, die Skulptur des sterbenden Soldat von seinem Sockel gehoben und ebenerdig in einer Anlage davor aufgestellt.



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