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Gruppe alter Höfe in Deitlevsen bietet viel Platz für raumfordernde Hobbys und gestresste Manager

Wer hier wohnt, liebt die Abgeschiedenheit

Deitlevsen (ag). Einen Einkaufsladen oder gar eine Kneipe sucht man in Deitlevsen, am Fuße der Ottensteiner Hochebene, vergebens. Dafür gibt es saftige, grüne Wiesen, ausgedehnte Wälder und viel Ruhe im Seitental der Emmer, in dem nur fünf Hofstellen und ein kleiner Friedhof liegen. Dass Deitlevsen trotz seiner Abgeschiedenheit dennoch ein Dorf mit Zukunft ist, zeigt das Leben, das in den letzten Jahren auf einer der fünf Hofstellen eingezogen ist. Auf dem früheren Hof Gerlach, Deitlevsen 1, leben und wirken heute Dieter und Claudia Timm, die den Hof im Jahr 2001 über eine Chiffre-Anzeige in der Zeitung gekauft haben. Mit viel Enthusiasmus hat Dieter Timm seitdem das große Wohnhaus, die früheren Ställe und Nebengebäude so ausgebaut. Hier sind sieben weitere Menschen aufs Land gezogen und fühlen sich hier überaus wohl.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 24.11.2017 um 12:53 Uhr

Dieter Timm (2. von links) zeigt den Bewohnern der anderen Höfe Bilder aus der Zeit vor dem Umbau. Foto: ag
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„Eigentlich war geplant, nur das Wohnhaus zu erhalten und den Rest abzureißen. Aber wer reißt schon gerne etwas ab und so haben wir angefangen, erst etwas zu renovieren, dann immer weiter, und so machen wir das schon über zehn Jahre“, erzählt Dieter Timm, der als gelernter Radio- und Fernsehmechaniker inzwischen alles kann, was beim Renovieren zu tun ist. Während er erzählt, montiert er die Dunstabzugshaube in der gerade fertiggestellten Wohnung seines Schwiegervaters Adolf, der in wenigen Tagen aus Ohr nach Deitlevsen zieht und aus dessen zukünftigem Küchenfenster man auf Stall und Weide von Islandpferd Skania und Shetlandpony Marina schaut.

Schon lange wohnt Ulrich Weber auf dem Hof. Erst in einer 200 Quadratmeter großen Wohnung, die ihm aber zu groß wurde. Timms haben ihm kurzerhand eine 60 Quadratmeter große Wohnung mit Terrasse ausgebaut, denn weg wollte der Verwaltungsdirektor der Pyrmonter m&i-Klinik hier auf keinen Fall mehr. „Das Wohnen hier ist angenehm, weil es einsam ist, schön einsam. Einfach ein schönes Fleckchen Erde“, schwärmt Ulrich Weber, für den auch der zehn Kilometer lange Weg zur Arbeit kein Thema ist. „Wenn man einen anstrengenden Tag hinter sich hat, sind das schöne zehn Kilometer zum Entspannen.“

So sehen es auch Carsten Nitzsche und seine Frau Susanne, die in Hameln und Hannover arbeiten. „Ich bin Urhamelner und meine Frau kommt aus Bonn. Wir wollten aufs Land ziehen und haben hier eine tolle Gemeinschaft auf dem Hof vorgefunden. Wir wohnen in einem eigenständigen Haus mit offenem Fachwerk, hochmodern, technisch auf dem neuesten Stand, aber optisch 200 Jahre alt und einfach schön“, freut sich der Personalreferent bei der Postbank, dessen Frau an der Hochschule Hannover arbeitet. „Ich habe mit dem Auto acht Minuten zum Bahnhof und bin dann mit der S-Bahn ohne Umsteigen in 45 Minuten im Job. Früher in Bonn habe ich oft für acht Kilometer zur Arbeit mit dem Auto eine Dreiviertelstunde gebraucht“, widerlegt Susanne Nitzsche das Vorurteil der langen Arbeitswege.

Alt von außen, modern von innen: Die Gebäude sind allesamt hochmodern eingerichtet. Handwerkliches Arbeiten hat Timm auf dem Hof gelernt. Foto: ag
  • Alt von außen, modern von innen: Die Gebäude sind allesamt hochmodern eingerichtet. Handwerkliches Arbeiten hat Timm auf dem Hof gelernt. Foto: ag

Aber nicht nur schön wohnen kann man auf Timms Hof. Carsten Nitzsche, Vorsitzender des Hamelner Treser-Clubs, schätzt auch den Platz für seine Autos. Platz für seine Passion war es auch, den Buchkünstler Hans Witte vor fünf Jahren gesucht und im ehemaligen Schweinestall gefunden hat. Hier residiert nun die Galerie für Buchdruckkunst Edition Einstein, ein Handpressen-Verlag, der die alte Kunst des Handbuchdruckes fortleben lässt. Fotografin Carla Hürzeler wohnt im Erdgeschoss des früheren Wohnhauses und komplettiert mit ihrem Partner die Hofgemeinschaft auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal aus Rasenflächen, Gebäuden und Garten.

Einmal im Jahr laden die Bewohner zum Hoffest ein, und bei Wildbratwurst, Kaffee und Kuchen kann sich jeder davon überzeugen, wie schön und zukunftsorientiert Leben auf dem Land sein kann. Am 25. und 26. August, jeweils von 12 bis 17 Uhr, treffen sich Bildhauer, Kunsthandwerker und Künstler, denen man über die Schulter schauen kann. Dazu gibt es eine Oldtimer-Show des Treser Clubs.



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