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Einwohner sorgen sich – jedoch angeblich unnötig

Wenn die Polizei früher Feierabend macht

Emmerthal/Aerzen. Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden will im Emmer- und im Hummetal Personal abzuziehen und Öffnungszeiten der Stationen verkürzen. Die Einwohner sorgen sich um die Sicherheit in den ländlichen Gebieten.

veröffentlicht am 16.02.2016 um 12:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Emmerthal/Aerzen. Die Polizei bündelt ihre Kräfte – haben ländliche Gebiete dabei das Nachsehen? Werden Ganoven rund um Emmerthal und Aerzen bald stressfreier einbrechen können und Unfallopfer länger auf das Eintreffen von „Freund und Helfer“ warten müssen? Das befürchten Bewohner, nachdem sie von den Plänen der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden erfahren haben, im Emmer- und im Hummetal Personal abzuziehen und die Öffnungszeiten der Polizeistationen zu verkürzen. Auf der Facebook-Seite der Dewezet schreibt zum Beispiel Carsten Strasdat: „Diese Entscheidung (in Bezug auf Aerzen) kann ich nicht nachvollziehen.“ Ulrike Sauermann meint, „es dauert jetzt schon lange, wenn mal was ist. Wie soll es dann werden?“ Marc Scholz betont: „In Emmerthal ist die Wache wichtig. Oder sollen wir Bürger das jetzt selbst in die Hand nehmen?“ Und Dustin Kulka bemerkt mit einem Kopfschütteln: „Am Ende wird die Polizei wieder als Sündenbock hingestellt, wenn’s irgendwo eskaliert und man nicht rechtzeitig vor Ort war!“

Spätestens in

20 Minuten sollte der Einsatzort erreicht sein

Der Staat ist für die Sicherheit seiner Bürger verantwortlich. Er gibt zwar keine festen Zusagen, binnen welcher Frist im Fall des Falles ein Streifenwagen eintrifft. Der Sprecher der Inspektion, Polizeioberkommissar Jens Petersen, betont aber: „Unser Ziel ist es, jeden Einsatzort in maximal 20 Minuten zu erreichen.“ Und dieser Rahmen werde „in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle nicht ausgeschöpft“. Für den Raum Emmerthal lasse sich schon jetzt sogar eine Verbesserung absehen. Denn im Zuge der Umstrukturierung, die spätestens zum Oktober greifen soll, werde der polizeiliche Rund-um-die-Uhr-Dienst von Stadtoldendorf nach Bodenwerder verlagert. „Zukünftig kann in dringenden Fällen oder bei erhöhtem Personalbedarf insbesondere zur Nachtzeit und an den Wochenenden zusätzlich zu den Streifenwagen aus Hameln auch ein Streifenwagen aus Bodenwerder hinzugezogen werden.“ Von Stadtoldendorf aus sei dies nicht ohne Weiteres möglich. Der Polizeinotruf 110 läuft auch schon bisher in der Hamelner Leitstelle auf; von dort aus werden zudem die Feuerwehr und der Rettungsdienst im gesamten Inspektionsbereich koordiniert.

„Die tägliche Präsenz und Ansprechbarkeit an Werktagen, im Einzelfall auch darüber hinaus, wird an beiden Standorten erhalten bleiben“, versichert der Inspektionsleiter, Kriminaldirektor Ralf Leopold. Die Polizeistation in Emmerthal ist bisher werktags von 7 bis 20 Uhr besetzt, die in Aerzen bis 21 Uhr und außerdem alle 14 Tage samstags von 20 bis 2 Uhr. Darüber hinaus sind die dortigen Polizisten bei besonderen Anlässen auch außerhalb dieser Zeiten im Einsatz, etwa zur Begleitung des Emmerthaler Silvesterlaufes oder des Karnevalsumzuges in Lüntorf. Über die künftigen „Öffnungszeiten“ der Stationen Emmerthal und Aerzen ist nach Worten Petersens noch nicht entschieden worden; es fänden auch noch Gespräche mit den Gemeindeverwaltungen statt. Zunächst werde nun analysiert, wie das reduzierte Personal optimal präsent sein könne – „im Sinne einer bestmöglichen Aufgabenerledigung sowie einer größtmöglichen Ansprechbarkeit für die Bürgerinnen und Bürger“.

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Heutzutage ist die Wache in Emmerthal mit fünf Mitarbeitern besetzt, aufgeteilt in einen Früh- und einen Spätdienst. Künftig werden es nur noch drei Köpfe sein. In Aerzen wird die Zahl der Polizeibeamten von fünf auf vier verringert. Die akuten Einsätze übernimmt dann in Emmertal der Hamelner Einsatz- und Streifendienst – so wie es schon jetzt geschieht, wenn die Station unbesetzt ist. Für Aerzen sind die Streifenwagenbesatzungen aus Bad Pyrmont künftig auch tagsüber zuständig, beispielsweise bei Verkehrsunfällen. „Sofern es sich um besonders dringende Einsätze handelt, werden die Beamtinnen und Beamten der Polizeistation Emmerthal und Aerzen selbstverständlich aber auch in Zukunft in die Einsatzbewältigung eingebunden“, kündigt Petersen an.

Im Emmerthal fallen Ermittlungen zu jährlich etwa 250 Straftaten an, in Aerzen sind es rund 300. Diese Aufgaben werden auch weiterhin vor Ort erledigt. „Niemand muss zukünftig für eine Vernehmung nach Hameln oder Bad Pyrmont fahren, die bisher in Emmerthal oder Aerzen durchgeführt worden wäre“, verspricht Petersen. Darüber hinaus sind die Emmerthaler Ordnungshüter auch weiterhin für Aufgaben in der Jugendanstalt Hameln zuständig.

Die Polizeiführung versichert, alles im Griff zu haben. Auch nach den „Organisationsanpassungen“ bewege sich das Sicherheitsniveau in den Gemeinden Emmerthal und Aerzen „auf dem bekannt hohen Niveau“. Es gebe bei der Sicherheit auch keine Unterschiede zwischen Stadt und Land. Unabhängig davon sei aber jedem Hauseigentümer oder Gewerbetreibenden empfohlen, sein Eigentum durch technische Vorrichtungen zu sichern. „Wir empfehlen grundsätzlich, sich in puncto Sicherheit beraten zu lassen“, sagt Petersen.

Info: Polizisten unter Druck

Die Polizeidirektion Göttingen hat im Rahmen der „Strategie 2020“ ihre Organisationsstruktur untersucht. Es geht darum, den Personaleinsatz vor dem Hintergrund aktueller Handlungsfelder wie Terrorismus, Zuwanderung sowie neuer Phänomene wie der Internetkriminalität zu überdenken. „Wir schließen keine einzige Dienststelle. Wir sind und bleiben eine Bürgerpolizei“, sagt Polizeipräsident Uwe Lührig. Die „Rund-um-die-Uhr-Dienste“ sollen gestärkt und dort konzentriert werden, von wo aus sie am sinnvollsten eingesetzt werden können.

Bund und Länder haben seit der Jahrtausendwende rund 16 000 Stellen bei der Polizei abgebaut. „Die Polizei wird auf Verschleiß gefahren“, beklagt die Deutsche Polizeigewerkschaft. Dabei werde die Zahl der Aufgaben immer größer. Die Gewerkschaft der Polizei verweist auf eine „unangemessene und unverhältnismäßige Sparpolitik“. Es sei nur eine Frage der Zeit, „wann der Bogen bricht und die Gewährleistung der Inneren Sicherheit von immer mehr Zufällen abhängig wird“. Das nur zurückhaltende Einschreiten der Polizei bei den massenhaften sexuellen Übergriffen in Köln und anderen Städten an Silvester wird auch mit den personellen Engpässen begründet. Im Weserbergland beklagen Polizisten ebenfalls eine dünne Personaldecke und einen gestiegenen Arbeitsdruck.mafi



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