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Mitten im Hochsommer: Skurrile Sammlung aus Grupenhagen unterwegs nach Osnabrück

Wenn 1000 Weihnachtsmänner umziehen

Grupenhagen. Der Kalender zeigt Mitte August an, das Thermometer pendelt um die 30-Grad-Marke, dennoch: Ulrike Geyer, Peter Kluwe und Winfried Bornemann haben nichts Besseres zu tun, als sich an diesem Hochsommer-Nachmittag mit unzähligen Weihnachtsmännern zu beschäftigen. Klingt etwas skurril, ist aber schweißtreibende Schwerstarbeit: Etwa 1000 Weihnachtsmänner gilt es in Kartons zu verstauen, um sie auf ihren Umzug von Grupenhagen nach Osnabrück vorzubereiten.

veröffentlicht am 14.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

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Autor:

sabine Brakhan
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Lange haben die beiden Studienfreunde und die Witwe von Ronald Geyer, dem bereits verstorbenen Dritten im Sammler-Bunde, nach einer Bleibe für ihre Sammlung weißhaariger Männer in roten Gewändern gesucht. Vorübergehend hatten sie Asyl in einem leer stehenden Laden in Grupenhagen, dem Wohnort von Peter Kluwe, gefunden. Da die Immobilie nun einen neuen Besitzer gefunden hat, nahmen die Weihnachtsmannsammler den Eigentümerwechsel zum Anlass, erneut nach einem neuen Domizil zu suchen.

Sie packen ihre bärtigen Schätze, die überwiegend aus Keramik gefertigt sind, sorgfältig in Zeitungspapier ein und betten sie anschließend in Plastikkisten, Wäschekörbe und Umzugskartons, damit die zwischen zehn Zentimeter und drei Meter großen Kerle auch heil in Osnabrück ankommen. Sorgfalt ist gefragt, schließlich ist die umfangreiche Sammlung eine kleine fünfstellige Summe wert, schätzen Bornemann und Kluwe. Alle Bemühungen um ein Museum oder ein Café, in dem die Herren mit weißem Bart als Ausstellungsstücke ein dauerhaftes Dach über den mit roten Zipfelmützen versehenen Köpfen hätten, scheiterten bisher.

Doch die beiden Sammler geben nicht auf. Mehr als einmal waren sie ihrem Ziel schon ganz nah: „In Dassel im Kreis Northeim waren wir zunächst fündig geworden, doch der Traum von einem dauerhaften Standort für die Weihnachtsmann-Sammlung platzte wie eine Seifenblase, weil ein Landwirt, dem neben dem anvisierten Museumsgebäude ein angrenzendes Grundstück gehörte, nicht mit dessen Nutzung für ein Café einverstanden war. Und auch in Sievershagen, ebenfalls in der Nähe von Northeim gelegen, gab es für ein Café in der dortigen alten Schule samt Weihnachtsmann-Dauerausstellung schon ganz konkrete Pläne, die aber ebenfalls letztendlich scheiterten, weil sich die zukünftigen Betreiber beruflich umorientierten“, berichten die beiden 70-Jährigen.

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  • Bis vor kurzer Zeit ein ungewöhnlicher Blickfang in Grupenhagen: Weihnachtsmänner in allen Größen waren im Schaufenster eines Ladengeschäfts zu sehen. nin

Vor etwa 40 Jahren hatten Winfried Bornemann, der durch seine Bücher mit den Briefmacken-Juxbriefen bekannt wurde, und seine beiden Studienfreunde Peter Kluwe und Ronald Geyer die Schnapsidee, auf eine Sammel-Expedition in die Welt der Weihnachtsmänner aufzubrechen. „Wir haben gestaunt, wie viele skurrile Typen uns in die Hände fielen“, erzählen Bornemann und Kluwe. „Das hat anfangs alles ganz harmlos angefangen mit ein paar mitgebrachten Exemplaren von irgendeinem Weihnachtsmarkt und wurde dann zu einem echten Wettstreit, wer von uns dreien wohl die meisten anschleppt“, gestehen die beiden mit einem Schmunzeln.

Irgendwann wurde man sich der Masse bewusst, die man da über die Jahre zusammengetragen hatte – und da habe sich erstmals die Frage nach dem Verbleib aufgedrängt, räumen Kluwe und Bornemann ernüchtert ein. So ist das eben mit Schnapsideen: Die Folgen werden im (Sammel-)Rausch nicht bedacht oder einfach verdrängt. Doch die Weihnachtsmänner haben bisher nicht nur ein Mauerblümchen-Dasein in irgendwelchen Notunterkünften gefristet, sie durften sich auch mehrfach schon hübsch aufgereiht einem interessierten Publikum zeigen. „Ganz besondere Projekte waren beispielsweise die Ausstellung im Kurpark von Bad Oeynhausen parallel zum dortigen Weihnachtsmarkt, der Weihnachtsmannwanderweg in Northeim oder auch unser Buch über die Sammlung“, resümieren Bornemann und Kluwe.

Eigentlich sollte die Sammlung nach dem Tod von Ronald Geyer im Jahr 2009 verkauft werden, weil „die Luft raus, der Spaß vorbei und der Sammeltrieb ausgelebt war“, wie Bornemann und Kluwe sagen. Doch dass es so schwer sein würde, die Saisonware an den Mann oder die Frau zu bringen oder wenigstens in gute Hände abzugeben, das hätten sich die beiden Sammler nicht träumen lassen.

Jetzt werden die nicht mehr ganz 1000 Weihnachtsmänner – einige gingen nämlich trotz größter Sorgfalt bei der Packaktion zu Bruch – erst einmal in einem geräumigen Osnabrücker Keller, den Bornemann angemietet hat, vorübergehend untergebracht. Die Hoffnung, vielleicht irgendwann einen Daueraufenthaltsplatz für ihre Sammlung zu finden, haben Bornemann und Kluwe sowie Ulrike Geyer noch nicht aufgegeben: „Wir suchen weiter!“



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