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Wann kommt die nächste Emmer-Flut? Und wie kann man sich davor schützen?

Wasser bis zum Hals

EMMERTHAL. Ein ähnlich verheerendes Hochwasser der Emmer wie im Jahr 1946 würde heutzutage nach Schätzungen in Kirchohsen und Emmern wohl zu einem Schaden von 8,9 Millionen Euro führen. Das gilt es zu verhindern, aber wie?

veröffentlicht am 01.06.2016 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 13:04 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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Das Ingenieurbüro Sönnichsen & Partner hatte dazu Ideen mit einem Gewässerentwicklungsplan vorgestellt. „Dazu ist aber noch nichts entschieden. Wir sollten in den nächsten ein, zwei Jahren ein Konzept erarbeiten in Übereinstimmung mit den Anwohnern. Dazu müssen wie alle ins Gespräch kommen“, erklärte Emmerthals Ortsbürgermeister Rudolf Welzhofer.

Eine erste Möglichkeit dazu bot jetzt eine Ortsratssitzung, in der auch Emmerthaler Bürger zu Wort kamen. Dort stellte Welzhofer fest, dass man sich nicht darauf verlassen könne, dass ein Jahrhunderthochwasser nur alle 100 Jahre kommt: „An der Oder gab es jetzt schon fünfmal ein Jahrhunderthochwasser. Das letzte große Hochwasser bei uns war vor 70 Jahren. Damit könnte das nächste erst in 30 Jahren kommen – oder auch nicht.“ Der Erste Gemeinderat Elmar Günzel machte anhand von Plänen deutlich, welches große Gebiet bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ 100) im Bereich der Meinte und „Auf dem Risch“ von der Überflutung betroffen wäre, von einem Extrem-Hochwasser (HQ extrem) ganz zu schweigen. Er stellte in Kurzform nochmals die Pläne des Ingenieurbüros vor, das einen Schwerpunkt auf ökologische Verbesserung der Emmer in den Vordergrund stellte, um möglichst viele Fördergelder zu bekommen. „Das Land Niedersachsen fördert vor allem den Küstenschutz. Da müssen wir sehen, wie wir an andere Gelder kommen“, erklärte Günzel.

Eine der Ideen ist, das Einmündungsgebiet der Emmer in die Weser naturnaher zu gestalten, etwa in Form eines Deltas. Außerdem brauche die Emmer mehr Platz, sich auszudehnen. Dazu könnten neue Hochwasserdämme und somit Überschwemmungsflächen errichtet werden, etwa in der Meinte zurückverlagert bis an die Kleingärten. Günzel betonte, dass die bisherigen Dämme nur landwirtschaftliche Schutzdämme sind, aber eben keine Hochwasserdämme. Zudem seien sie schadhaft, teilweise wüchsen sogar Bäume darauf. „Weiterhin soll etwa der Bahndamm einen Hochwasserschutz darstellen, von dem keiner sagen kann, welchen Schutz er bietet“, so Günzel. Mithilfe der Vorschläge der Ingenieurbüros solle ein Konzept erstellt werden, das die Emmer auch schöner werden lasse, sie nach dem Beispiel der Lügder Emmerauen etwa für die Bürger zugänglicher mache, sie naturnaher gestalte – aber eben vor dem Hintergrund eines verbesserten Hochwasserschutzes, so Günzel.

Die Einwohner aus Emmern und Kirchohsen sehen die Pläne durchaus mit gewisser Skepsis. Friedrich Isenbart bemängelte etwa, dass der Bachlauf mit Büschen und Bäume viel zu sehr zugewachsen sei. Bei Hochwasser verfange sich dort Treibgut, das wiederum den freien Ablauf behindert. Auch der Schieder-Stausee bereitet weiter Sorgen, trotz der neuen Umflut. Jörg Kutzsche vermutet, das Hochwasser sei jetzt wohl berechenbarer geworden sei. Doch so richtig habe man noch keine Erfahrungen sammeln können. „Und es kann nicht sein, dass Dinge bei uns einfach umgesetzt werden, ohne mit den Grundstücksbesitzern zu sprechen“, mahnte der Emmerthaler an. Auch tauchte immer die Frage auf, was denn passiert, wenn am Schieder-Stausee wieder mal die Fluttore geöffnet werden, wie das Helene Steinmann 1998 nachts ohne jegliche Vorwarnung erlebt haben will. Die Seniorin besitzt eine umfassende Dokumentation zum Thema Emmer-Hochwasser, auch mit Fotos und auch vom großen Hochwasser 1946, die sie der Gemeinde „gerne zur Verfügung“ stelle. In Bezug auf neue Dämme fragt sie sich, was für Auswirkungen die dann auf andere Anwohner haben könnten.

Ernst Nitschke (FWE) sah in alle diesen Wortbeiträgen wertvolle Hinweise, die es nun gelte zusammenzuführen, um vernünftige Maßnahmen zu finden. Welzhofer möchte daher ein Projekt „Hochwasserschutz Emmern“ ins Leben rufen, in dem die Ortsräte Emmerthal und Amelgatzen, die Verwaltung, der Emmer-Humme-Verband, die Bürgerschaft und das Ingenieurbüro unter der Leitung des Ortsbürgermeisters Emmerthal mit den Stichworten Hochwasserschutz, ökologische Verbesserung und „Schöne Emmer“ Aufgaben und Ziele für einen Gewässerentwicklungsplan erarbeiten -–und das noch im Sommer.



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