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Werbung in eigener Sache

Was sich hinter den Plakaten an Äckern verbirgt

AERZEN. Einige Unternehmen in der Region machen mit großen Bannern Werbung in eigener Sache. Ziel ist eine positive Außendarstellung. Wir haben einige Beispiele unter die Lupe genommen.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 16:27 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:30 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Diese Äußerung wird neben Wilhelm Busch auch Bertolt Brecht zugeschrieben. Tatsächlich soll das Zitat aber vom Kabarettisten Werner Kroll stammen. Egal! Einigen Unternehmen in der Region scheint ihr Ruf dann doch nicht ganz so egal zu sein. Sie machen mit großen Bannern Werbung in eigener Sache und sind um eine positive Außendarstellung bemüht. Der regionale Energiedienstleister Westfalen Weser Energie beispielsweise wird in der Öffentlichkeit noch immer als Unternehmen des Eon-Konzerns angesehen und das, obwohl die Trennung vom Energieriesen und die anschließende Rekommunalisierung des Unternehmens bereits drei Jahre zurückliegen. Dass der rote Eon-Schriftzug an den Liegenschaften durch das blau-grüne Westfalen Weser Energie-Logo ersetzt wurde, wurde ebenso wenig registriert, schließlich hat es seit der Jahrtausendwende und dem Wesertal Verkauf schon etliche Veränderungen gegeben. Die neuen Werbetafeln mit Figuren, die ein wenig an das HB-Männchen aus der Zigarettenwerbung erinnern, sind dagegen nicht zu übersehen. „Rund zwei Jahre nach der Rekommunalisierung war die Unternehmensgruppe nach Einschätzung der Verantwortlichen zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt. Daher startete im vergangenen Herbst eine Kommunikationsoffensive für die gesamte Westfalen Weser Energie-Gruppe, um über die Kernaufgaben und -kompetenzen aufzuklären, das erfolgreiche kommunale Beteiligungsmodell bekannt zu machen und den Nutzen für die Region herauszustellen“, erklärt Pressesprecher Edgar Schroeren auf Anfrage. Neben einem Imagefilm und einem Film der Auszubildenden für interessierte Schulabgänger wurde eine Kampagne entwickelt, in der die drei Figuren eine Schlüsselrolle spielen. Sie stehen für die Westfalen Weser Energie-Gruppe: der tatkräftige Norbert Netz für Westfalen Weser Netz, der freundliche Erwin Energie mit Krawatte für Westfalen Weser Energie und die schlaue Sonja Service für Energieservice Westfalen Weser. „Alle drei Figuren sprechen ihr Gegenüber direkt und persönlich an. In einfachen Worten erklären sie, wofür die Unternehmen stehen und was sie leisten“, so Schroeren. Die Figuren werden jetzt nach und nach auf eigenen Liegenschaften wie Umspannwerken oder Ortsnetzstationen im gesamten Netzgebiet auftauchen – so wie beispielsweise in Reher.

„Wir machen euch satt!“ steht seit etwa einem Vierteljahr am Zaun der Aerzener Ferkel GmbH an der Gellerser Straße in großen Lettern geschrieben. „Wir haben die Nase voll“, möchten hingegen viele Bewohner der angrenzenden Wohngebiete dagegenhalten. Die Geruchsbelästigung ist an manchen Tagen immens und der Verursacher lässt sich meist nicht klar lokalisieren: Die Ferkelerzeugung oder doch die Biogasanlage? Auch die macht mittlerweile Werbung in eigener Sache. An den mit Sonnenblumen und anderen floralen Farbtupfern eingefassten Maisfeldern erklären Schilder in Wort und Bild, wie eine Biogasanlage funktioniert. Mit dem Zusatz „Dieses Feld liefert Energie und schützt das Klima“ will die Landwirtschaft dem Eindruck einer zunehmenden Vermaisung ganzer Landstriche entgegentreten. Was wollen die Landwirte mit solchen plakativen Aktionen erreichen?

„Unsere Kampagne dient unter anderem dazu, dass Landwirte in der Öffentlichkeit wieder direkt und authentisch wahrgenommen werden“, erklärt Friedrich Wilhelm Bisanz von der Aerzener Ferkel GmbH. Die Wertschöpfung der Landwirtschaft sei in diesem Zusammenhang ein wichtiger Aspekt. Und: „Es wird oft über uns geredet, aber nicht mit uns!“, bedauert der Landwirt. Auch das soll sich durch die Plakatierung ändern. Bisanz möchte auch Branchenfremde dazu einladen, einen Blick hinter die Kulissen seiner Ferkelerzeugung zu werfen. Nur so sei es möglich, dass sich der Besucher eine eigene Meinung bildet. Natürlich weiß Bisanz, dass er trotz der Transparenz nicht alle Skeptiker überzeugen kann. Das will er auch gar nicht, wie er sagt. Aber der Landwirt möchte den Dialog fördern und dazu leistet das große Plakat am Zaun einen nicht unerheblichen Beitrag. „Es wird gesehen. Ich bin schon mehrfach darauf angesprochen worden“, so Bisanz zufrieden.

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Die Westfalen Weser Energie-Gruppe wirbt an ihren Liegenschaften – wie an der Ortsnetzstation in Reher. Foto: sbr

Aufklärung betreiben, das möchte auch Friedrich Meier von der Biogasanlage Schalkshof GbR. Dazu hat er an zwei Standorten Schilder an seinen Maisfeldern aufgestellt. „Sie sollen zum einen über die Gewinnung von Energie in Biogasanlagen informieren, zum anderen aber auch um Verständnis in der Bevölkerung werben, wenn beispielsweise Nachtfahrten zur Anlieferung notwendig sind“, erklärt Meier. Die Standorte der Schilder hat der Landwirt vom Schalkshof nicht ohne Grund gewählt: Am Radweg entlang der L 432 zwischen Königsförde und Grupenhagen wird es von Passanten gut gesehen.



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