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Er hat den Laden seit Jahrzehnten

Warum Kioskbetreiber Norbert Meisoll jetzt Schwedisch lernt

AERZEN. Zigaretten, Zeitschriften, Lottoscheine: Das verkauft Norbert Meisoll in seinem Kiosk. Wenn Kunden fragen, gibt es auch Kaffee. Den Laden in Aerzen hat er seit 35 Jahren. „Hier wird immer viel getratscht und gequatscht“, sagt er. Wenn Meisoll zwischendurch Zeit hat, lernt er Schwedisch. Ein Besuch im Kiosk.

veröffentlicht am 07.09.2018 um 10:16 Uhr

So kennen ihn seine Kunden: Norbert Meisoll steht an der Kasse in seinem Kiosk. Foto: mo
Muschik, Moritz

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„Sag mal, hast du noch schwarzes Wasser?“, fragt Detlef Gaulke – und legt einen Euro auf den Tisch. Ab und zu ist er hier im Kiosk, kennt Norbert Meisoll, trinkt mit dem Inhaber gern einen Kaffee. Oder wie er sagt: schwarzes Wasser. Meisoll schmeißt die Kaffeemaschine an. Sie dröhnt. Eigentlich hat er sich auf Zeitschriften, Zigaretten und Lottoscheine spezialisiert. Aber wenn Kunden fragen, gibt es auch Kaffee.

Seit inzwischen 35 Jahren betreibt Meisoll den Kiosk in der Bahnhofstraße in Aerzen. „Ich musste selbst erst nachrechnen“, sagt er schmunzelnd und erzählt davon, wie alles anfing. In den 1980er Jahren wollte er etwas in seinem Leben verändern. Er war Industriekaufmann, zehn Jahre in Bad Pyrmont beschäftigt, aber unzufrieden. „Ich habe zu der Zeit meinen Chef gefragt, wie es mit mehr Geld aussieht. Er meinte: ‚Wenn Sie mit dem Geld nicht auskommen, müssen Sie sich das besser einteilen.‘“

Wenn ich unterwegs bin, dann auf dem Fahrrad. Meistens drehe ich abends eine Runde. Das brauche ich.

Norbert Meisoll, Kioskinhaber

Dann sah Meisoll die Anzeige mit dem freien Geschäft in der Zeitung, meldete sich beim Anbieter. Nach vier Wochen war alles in trockenen Tüchern. In über drei Jahrzehnten hat sich seitdem einiges im Laden an der Bahnhofstraße geändert. „Das Geschäft war zu Beginn nur halb so groß. Hier stand früher noch eine Wand“, sagt der 59-Jährige und deutet auf die Ecke mit den Glückwunsch- und Geburtstagskarten. Zwischenzeitlich verkaufte er auch Spirituosen. „Das habe ich aber eingeschränkt, weil mir die entsprechende Klientel nicht gefallen hat.“

Meisoll vor dem Laden in der Bahnhofstraße in Aerzen. Foto: mo
  • Meisoll vor dem Laden in der Bahnhofstraße in Aerzen. Foto: mo
Wenn er zwischendurch mal Zeit hat, blättert er selbst in Zeitschriften. Foto: mo
  • Wenn er zwischendurch mal Zeit hat, blättert er selbst in Zeitschriften. Foto: mo

Gut 60 Prozent seiner Kunden sind über 60 Jahre alt, schätzt er

Meisoll kennt seine Kunden. Die meisten von ihnen kommen aus dem Dorf oder der direkten Nachbarschaft, sind häufiger hier. „Hier wird immer viel getratscht und gequatscht. Gerüchteküche gibt es hier jeden Tag“, meint er und schätzt, dass 60 Prozent seiner Kunden auch über 60 Jahre alt sind. Hin und wieder versammelt sich eine Gruppe von bis zu sieben Leuten im kleinen Kiosk. „Dann wird es schon mal laut“, sagt Meisoll, der sich gern eine Zeitschrift schnappt, wenn gerade nicht viel los ist.

Den Wandel im Handel könne er spüren. „Die Leute shoppen viel im Internet und die Einkaufszentren werden gut angenommen“, sagt er. Von Montag bis Samstag ist sein Kiosk geöffnet. Auf die Mittagspause verzichtet er nicht. Und wenn zwischendrin mal Zeit ist, lernt er Schwedisch. Eine seiner Töchter wohnt in Karlsruhe, die andere in der schwedischen Metropole Göteborg. Die Sprache sei „ein gutes Konglomerat zwischen Englisch und Plattdeutsch“, meint er. Und sie werde immer wichtiger für ihn. Wenn er seine Tochter in Schweden besucht, möchte er sich verständigen können.

Nicht nur im Urlaub fährt er am liebsten Rad. „Wenn ich unterwegs bin, dann auf dem Fahrrad“, meint er. Meistens dreht er abends eine Runde: „Das brauche ich.“ Manchmal ist er froh, wenn er am Abend Zeit für sich hat. Obwohl er die Arbeit im Kiosk schätzt – und die Gespräche mit seinen Kunden. Schwarzes Wasser ist zumindest immer da.



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