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Kiesunternehmen setzen auf Bahntransporte / Landkreis hält sich mit Bewertung zurück

Vorfahrt für Güterzüge?

Emmerthal. Noch wird zwischen Ohr und Emmern kein Kies abgebaut, doch schon im Vorfeld wiederholten Politiker aus dem Kernort frühere Argumente, dass der Transport der Rohstoffe über die Weser erfolgen muss. Schwerlastverkehr nach Tündern führe zu einer Belastung der Einwohner, und nur schwer vorstellbar sei, dass später, wie nunmehr geplant, der Kies über ein langes Förderband bis nahe der Jugendanstalt transportiert werden solle, um dort auf Züge verladen zu werden, wie es im Ortsrat hieß. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde für das Abbaugebiet zeigt sich zurückhaltend. Er verweist auf das laufende Verfahren, nach dem mehrere Firmen eine zentrale Kiesaufbereitungsanlage mit Bahnanschluss und -verladung beantragt haben. „Das Ergebnis bleibt abzuwarten“, teilt Landkreissprecherin Sandra Lummitsch mit.

veröffentlicht am 14.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 09:41 Uhr

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Unabhängig davon muss das Unternehmen Kieswerke Gericke, das nun in die Mineral Baustoff GmbH als Tochter der Strabag AG aufgehen wird, ein Jahr nach Abbaubeginn in Emmerthal dem Landkreis eine erneute Machbarkeitsstudie für den Abtransport der Rohstoffe über die Weser vorlegen. Allerdings, so heißt es von ihm weiter: Nach gegenwärtigem Kenntnisstand komme für den Raum Hameln als Verkehrsmittel nur die Bahn in Frage. Als Gründe nennt das Unternehmen die Wasserführung und geringe Tiefe des Flusses.

Zum Verfahrensstand gibt der Landkreis zumindest einen Überblick über die Pläne der Firmen Mineral Baustoff GmbH, Cemex und LKU, für ihre Kieswerke südöstlich der JVA Tündern eine gemeinsame Aufbereitungsanlage mit Bahnanschluss zu errichten. Bereits im Februar habe dazu beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover eine Antragskonferenz stattgefunden. Verfahrensführende Behörde für den Bau der Gleisanlagen ist das Straßenverkehrsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont. Für die gemeinsame Aufbereitungsanlage, die Verladung und die Errichtung von Bandstraßen ist ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen, das dem Gewerbeaufsichtsamt Hannover obliegt. „Derzeit erfolgen – durch die von den Kieswerken beauftragten Planer – Vorabstimmungen mit den betroffenen Fachbehörden, um rechtzeitig erforderliche Untersuchungen und Gutachten für die Genehmigungsverfahren zu veranlassen“, teilt Sandra Lummitsch mit, ohne dass es eine wertende Äußerung des Landkreises zu dem Vorhaben gibt.

Ob Weser oder Bahngleise – der weitere Weg für die Transportfrage bleibt also noch offen. Im Emmerthaler Ortsrat wurden Argumente angeführt, dass an der Oberweser durchaus Unternehmen den Fluss als Transportweg nutzen. Und jüngst gab es Berichte über ein Kieswerk bei Rinteln, das ein neues Schubschiff in Auftrag gegeben hat, das bei geringem Tiefgang bis zu 600 Tonnen trägt. Laut Lummitsch stellt sich die Situation dort aber anders dar als in Emmerthal. Das Unternehmen könne den Rohkies nur über den Fluss mittels flacher Schuten zum Kieswerk, unmittelbar an der Weser gelegen, bringen.

Am Bahntransport auf dem Gebiet der Gemeinde Emmerthal hält das Kieswerk Ernst Müller GmbH & Co. KG fest, das den Rohstoff in Bodenwerder-Kemnade abbaut. Das bestätigt ihr Geschäftsführer Eckhard Henke, nachdem es zuletzt ruhig um die Pläne geworden war. Die Firma hatte im vergangenen Herbst Überlegungen vorgestellt, eine Verladestation in Grohnde zu nutzen. Lkw sollten danach den Rohstoff von Bodenwerder bis Grohnde bringen, um dann dort aus ökonomischen und ökologischen Gründen für den Weitertransport auf Güterzüge verladen zu werden. Mit Interesse verfolgt Henke nun die Pläne der Landesregierung, einige von 58 stillgelegten Bahnlinien in Niedersachsen zu reaktivieren – unter den Vorschlägen genannt wird schließlich auch die Strecke Emmerthal–Vorwohle. „Wir bemühen uns seit Jahren darum, dass kein Rückbau stattfindet“, sagt Henke. Sollte, wenn auch nicht mit großen Chancen, die Strecke reaktiviert werden, könnten die Transporte ab Bodenwerder ohne Verladung in Grohnde erfolgen. Auch das Kalkwerk Hehlen habe Interesse an diesem Transportweg signalisiert. Dafür sei es aber notwendig, dass die Kommunen und Landkreise sich in Hannover Gehör verschafften – schließlich gehe es in erster Linie um den Personennahverkehr. Henke zerstreut gleichzeitig Bedenken, dass der Gütertransport auf der Schiene zu großen Nachteilen führen könnte. Es gehe um höchstens zwei Fahrten wöchentlich. „Da rauschen nicht die Züge durch Emmerthal“, meint der Geschäftsführer. Auf der Strecke könnten sie nur mit langsamem Tempo fahren und damit nicht viel Lärm verursachen, meint Henke.

Bis die ersten Lkw-Ladungen das neue Abbaugebiet zwischen Ohr und Emmern verlassen, wird übrigens noch etwas Zeit vergehen, obwohl der Abbaubeginn formal als erfolgt gilt, denn: Noch sei nicht über die geänderte Abbaureihenfolge entschieden worden. „Dieser Antrag ist gegenwärtig im Prüfverfahren“, heißt es aus dem Kreishaus. Dem Eindruck, dass zunächst mangels Nachfrage nur geringe Mengen Kies des Vorkommens von etwa elf Millionen Tonnen abgebaut werden könnten, widerspricht die Behörde. Eine Vorgabe über den Mengenabbau habe der Planfeststellungsbeschluss nicht getroffen, das Unternehmen sei lediglich verpflichtet worden, den kontinuierlichen Abbau sicherzustellen. Behördensprecherin Lummitsch: „Dem Landkreis Hameln-Pyrmont liegen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das Unternehmen sich nicht an diese Vorgaben halten wird.“ cb



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