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Langjährige Suche nach Schulleiter endet: Warum es Benjamin Werle von Juist nach Amelgatzen zieht

Von der Nordseeinsel an die Emmer

EMMERTHAL. Die kleine Grundschule Amelgatzen machte im Februar Schlagzeilen. „Rektoren-Suche: 28 erfolglose Versuche“ hieß es damals über das fehlende Interesse an der Leitungsfunktion. Die Vakanz ist beendet: Lehrer Benjamin Werle kommt von der Nordsee-Insel Juist als kommissarischer Schulleiter an die Emmer.

veröffentlicht am 25.08.2017 um 16:41 Uhr

„Nach vier Jahren Juist war es Zeit für etwas Neues“: Benjamin Werle unterrichtet nun in Amelgatzen. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Ausgerechnet Amelgatzen – dabei dürften viele glauben, dass der neue kommissarische Leiter der kleinen Grundschule an der Emmer einen Traumjob dafür aufgeben hat. Auf der Insel Juist hat Benjamin Werle bislang die Kinder unterricht. Arbeiten, wo andere ihren Urlaub verbringen. Und plötzlich wurde der Pädagoge auf die Stelle in der Gemeinde aufmerksam, die für Schlagzeilen sorgte. „Rektoren-Suche: 28 erfolglose Versuche“ titelte unsere Zeitung Anfang Februar über den Hilferuf von Bürgermeister Andreas Grossmann, dass die Leitung an der kleinen Schule immer noch nicht besetzt sei. Agenturen und Medien griffen diese Nachricht anschließend bundesweit auf. „Natürlich bekomme ich die Frage oft zu hören, warum ich Juist verlassen habe“, erzählt der 32-Jährige, der in Amelgatzen von seinem Büro aus auf den Scharfenberg blickt statt bisher auf Dünen. „Nach vier Jahren Juist war es Zeit für etwas Neues.“

Deshalb bewarb er sich auf die Stellenausschreibung der Landesschulbehörde. Eine Leitungsfunktion, für die über viele Jahre niemand Interesse zeigt, bezeichnet der junge Pädagoge als reizvoll – wobei der gebürtig aus Wilhelmshaven stammende Lehrer eine kleinere Schule als sinnvoll empfindet. „Die Nähe, die kurzen Wege, jeder kennt jeden“ – das schätzte Werle auf Juist und so lauten seine ersten Erfahrungen in Amelgatzen mit derzeit knapp 70 Schülern. In die politische Debatte, durch höhere Besoldung die Rektorenstellen attraktiver zu gestalten und damit mehr Interesse zu wecken, mischt er sich nicht ein. Für seine Entscheidung habe das Thema keine Rolle gespielt. Ein positives Feedback der Eltern in Amelgatzen, ein selbstständig arbeitendes Kollegium und gute Unterstützung von außen wie durch die Gemeinde als Schulträger oder den im Bildungsbereich tätigen Verein SAM in Hameln – die ersten Erfahrungen bestätigen ihn bei seinem Neuanfang.

Nach seinem Studium mit den Fächern Deutsch, Mathe und Sachkunde absolvierte Werle sein Referendariat in Bocholt, bevor er die Stelle auf Juist antrat. Eine kleine Bildungseinrichtung mit Grund- und Oberschule bei insgesamt rund hundert Kindern und Jugendlichen, wobei er die pädagogische Arbeit dort sehr positiv bewertet. Aber eine Insel, die Urlauber im Sommer schätzen, könne auch Nachteile haben. Herrsche in der Saison Hochbetrieb, könne der Winter für die 1700 Einwohner lang werden, das Festland sei selten dann mit dem Schiff zu erreichen, wenn es gerade gewünscht ist. Hinzu komme der schwierige Immobilien- und Wohnungsmarkt. Den fehlenden bezahlbaren Wohnraum hat auch das Rathaus als die zentrale Herausforderung inzwischen erkannt. Trotzdem blickt Werle „auf eine sehr schöne Zeit mit netten Menschen zurück“. Aber er fügt hinzu: „Manchmal ist es an der Zeit aufzubrechen.“

Ganz unbekannt ist das Ziel Weserbergland für ihn nicht – seine Frau verfügt über familiäre Beziehungen zur Region. Ein Pädagogenpaar übrigens – sie arbeitet nun als Grundschullehrerin in Hessisch Oldendorf. Als Wohnort wählten die Eheleute Hameln, praktisch mittendrin. Statt Nordsee, Sand und Strand erleben sie neuerdings Fluss- und Waldlandschaften beim Radfahren und Spazierengehen. Was für den neuen kommissarischen Leiter an der Schule gilt, nennt Benjamin Werle ebenso für die Umgebung: „Ich bin in der Eingewöhnungsphase.“



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