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Der Patensteig ist eine lohnenswerte Entdeckung jenseits der Landesgrenze

Von der Dichterbank zum Hexenstein

EXTERTAL. Der schmale Pfad führt durch Schluchten, über Bäche, entlang an Wasserfällen und vorbei an unzähligen riesigen Eiszeit-Findlingen. Eigentlich erwartet man eine solch atemberaubende Natur eher in den bayrischen Alpen als im nahen Lipperland, in direkter Nachbarschaft zum Flecken Aerzen.

veröffentlicht am 08.01.2018 um 12:00 Uhr
aktualisiert am 08.01.2018 um 14:33 Uhr

Der beeindruckende Rickbach-Wasserfall ist ein echter Hingucker am Patensteig
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Beim Durchwandern des Patensteigs im Extertal hat man den Eindruck, gleich hinter der lippischen Landesgrenze auf die beeindruckende norddeutsche Verwandtschaft der Partnachklamm nahe Garmisch-Partenkirchen oder der Höllentalklamm bei Grainau zu treffen.

2005 haben engagierte Mitglieder der Umwelt- und Naturschutzgruppe Extertal mit dem Bau des Patensteiges begonnen, um drei Schluchten samt ihrer beeindruckenden Naturschauspiele durch einen etwa sechs Kilometer langen Weg zu erschließen. 2007 konnte der Patensteig dann offiziell eröffnet werden. „Die Idee des Patensteigs war und ist es, den Menschen die Schönheit unserer heimischen Natur näher zu bringen und zu zeigen, wie wichtig es ist, diese für nachfolgende Generationen zu erhalten“, erklären die Mitglieder des Patensteigteams, das den Themenweg betreut. Seit der Eröffnung sind es Jahr für Jahr mehr Wanderer, die diese besondere Route für sich entdecken. Besonders bei Familien mit Kindern ist der Steig sehr beliebt, denn hier kann der Nachwuchs die Natur mit viel Spaß erleben und kennenlernen – ob beim Spielen im Bach, beim Balancieren oder Klettern.

Und auch nach zehn Jahren fallen dem Patensteig-Team, einer privaten, generationsübergreifenden Initiative Extertaler Natur- und Wanderfreunde, neben der regelmäßigen Instandhaltung immer wieder Neuerungen ein, die den Rundwanderweg noch attraktiver gestalten und weiterentwickeln. Neuester Coup der Ehrenamtlichen ist die Dichterbank mit Pult. „Die Dichterbank auf der Burg von Dr. von Hase ist ein ganz besonderes Plätzchen. Wie einst der poetisch veranlagte Arzt aus Almena kann sich nun jeder auf dem Bergsporn verewigen, der seiner dichterischen Ader gern einmal freien Lauf lassen möchte“, erläutern die Extertaler. Viele Patensteigbesucher haben seit dem letzten Sommer nun schon die Gelegenheit genutzt und manch lustige, aber auch einige ernste Gedichte und Geschichten vor der atemberaubenden Naturkulisse aufgeschrieben und vor Ort hinterlassen. Unter www.marketing-extertal.com wurden bereits einige Werke veröffentlicht.

Die Steineinfassung der Quelle im Rickbachtal bietet Feuersalamandern Unterschlupf.
  • Die Steineinfassung der Quelle im Rickbachtal bietet Feuersalamandern Unterschlupf.

Aber auf dem Patensteig gibt es während der rund zweieinhalbstündigen Wanderung noch sehr viel mehr zu entdecken. Rund 20 Infotafeln weisen auf historische Ereignisse und Begebenheiten hin, die die lokale Geschichte der Gersiek- und der Rickbachschlucht erfahrbar machen. Allerdings: Wer den Steig erwandern möchte, sollte feste Wanderschuhe schnüren, denn der Pfad macht seinem Namen streckenweise alle Ehre. Gleich zu Beginn der Wanderung passiert man die mit Steinen eingefasste Feenquelle. Die von frühen Vorfahren als heiliger Ort verehrte Quelle ist leider infolge des Klimawandels im Sommer immer öfter trocken, die Heilwirkung für Augenleiden hat sie aber offenbar behalten, wie erst vor wenigen Tagen eine Wanderin im Gästebuch bestätigte: „Sophia & Pandora (Hündin) haben viel Freude gehabt... die Feenquelle ist toll und mein Lidzucken ist weg!!! Herzliche Grüße, 16.12.2017.“

Mystisch geht es weiter: Vorbei an der schon erwähnten Dichterbank gelangt man zum Hexenstein, oder besser gesagt an den Ort, wo er ursprünglich zu finden war. Der große Findling wurde 1933 nach Rinteln transportiert. Einst soll sich hier auch eine Kultstätte und ein frühgeschichtlicher Friedhof befunden haben. Und ganz offensichtlich ist noch heute an diesem Ort Magie im Spiel, denn die Natur hat am Patensteig für Hexenstein-Ersatz gesorgt. 2007 wurde von einem Hochwasser ein weiterer außergewöhnlicher Findling frei gespült, der nun den Platz des großen Hexensteins neben dem kleinen Hexenstein an dem einstmals heiligen Ort eingenommen hat. Bei dem neuen Stein handelt es sich um eine sehr seltene geologische Erscheinung. Durch die hervorstehenden Quarzgänge wirkt der „verheilte“ Findling im Gersiek wie ein modernes Kunstwerk.

Interessant ist auch der Nasenstein. Dieser Findling im oberen Rickbachtal ist eine besondere Laune der Natur und stellt unverkennbar ein grobes Gesicht dar. „Die unzähligen Findlinge am Patensteig kamen mit der Saalekaltzeit (230 000 bis 165 000 Jahre v. Chr.) ins Extertal. Der Patensteig verläuft fast gänzlich durch die Endmoräne dieser Eiszeit“, erklärt Hans Böhm vom Patensteigteam. Doch nicht nur steinreich sind die Gersiek- und die Rickbachschlucht. Die Höhepunkte der Wanderung sind die spektakulären Ausblicke auf die Wasserfälle. Über den Wasserfall am Fahrenbach, den Rickbachfall sowie den Wasserfall im Hilkensiek stürzt allerdings vorwiegend im Winterhalbjahr und nach starken Regenfällen Wasser in die Tiefe. Bei starkem Frost erstarren die Wasserfälle zu bizarren Skulpturen aus glitzerndem Eis. Im Sommer fallen sie allerdings nicht selten trocken.
Der Einstieg zum Patensteig ist über den Parkplatz an der Straße „Im Siek“ (Kreisstraße 53), die in Extertal-Fütig von der Extertalstraße (L andesstraße 758) abzweigt, zu erreichen. Weitere Informationen und Karten sind im Internet auf www.marketing-extertal.com zu finden.



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