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Wenn der Gelbe Sack durch die Straßen fliegt

Vom Winde verweht

Aerzen. Gelbe Säcke, die bei windigem Wetter durch die Straßen fliegen – das muss nicht sein, meint eine Frau aus Groß Berkel. Und macht sich dafür stark, dass eine Gelbe Tonne eingeführt wird. Das würde die Probleme beseitigen, meint sie.

veröffentlicht am 19.02.2016 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Die leergelöffelte Joghurtbecher kullert über die Straße, dicht gefolgt von leeren Tetrapacks, die der Wind vor sich her bläst. Die Chipstüte hat sich flatternd mit ihrer silbern glänzenden Innenseite in der Bepflanzung des kommunalen Straßenbeetes verfangen und glänzt wie Lametta am Weihnachtsbaum. Und die leere Konservendose scheppert geräuschvoll über die Pflastersteine des Gehweges. Auch der restliche Inhalt des durch den Sturm herumgewehten und aufgerissenen Gelben Sackes verteilt sich weitläufig in der Straßengosse und den angrenzenden Vorgärten. Eigentlich wurde der Gelbe Sack vor mittlerweile 26 Jahren eingeführt, um leichten Verpackungsmüll aufzunehmen und diesen darin separat vom restlichen Müll verpackt an die Entsorgungsfirma abgeben zu können. Im Vergleich zum großen Deutschen Einheitsjubiläum ist die Silberhochzeit vom Grünen Punkt und Gelben Sack im letzten Jahr doch sehr schmal und blass ausgefallen. Schmal und blass ist auch die Ausführung des Kunststoffsacks selber geworden. Er schimmert nur noch gelblich transparent – im Fachjargon heißt das transluzent – und seit seiner Einführung vor über einem Vierteljahrhundert ist er auch immer dünner geworden. Mittlerweile muss man schon froh sein, wenn die etwas scharf gestanzte Quarkschachtelkante nicht gleich beim ungeschickten Einwerfen den Gelben Sack von oben bis unten aufschlitzt oder sich beim finalen Zusammenziehen des Entsorgungsbehältnisses der angeschweißte Tunnelrand vom Restsack trennt und man beim Heraustragen nur noch das schwarze Plastikband in Händen hält. Allerdings ist dieser Schrumpfungsprozess der Materialstärke beim Gelben Sack vor allem dem Einfallsreichtum der Bevölkerung geschuldet, die die kostenlos zur Verfügung gestellten und am Anfang deutlich stabileren Säcke auf sehr fantasievolle Weise millionenfach zweckentfremdeten. Doch zurück zum eigentlichen Problem: Der gefüllte Gelbe Sack ist nicht unbedingt sturmerprobt und windbeständig. Das musste auch Hanna Wollenberg zum wiederholten Mal feststellen. Zwar versucht die zweifache Mutter Verpackungsmüll zu vermeiden, doch zwei bis drei Gelbe Säcke werden bei der vierköpfigen Familie dennoch alle 14 Tage voll, wie sie berichtet. Allerdings warten ihre Säcke stets windgeschützt hinter einer kleinen Grundstücksmauer auf ihre Abholung. Das ist nicht überall so. Die Groß Berkelerin ärgert sich darüber, dass sich regelmäßig bei stürmischen Wetter der Inhalt aus zerrissenen Gelben Säcken auf Straßen, Wegen und Beeten verteilen und sich anschließend niemand für die Beseitigung dieser Umweltverschmutzung zuständig fühlt. „Leider versäumen es immer wieder Bürger, ihr Gelben Säcke windgeschützt oder vor dem Wegwehen gesichert zur Abholung bereitzustellen“, kritisiert die Groß Berkelerin. Um hier Abhilfe zu schaffen, schlägt die 27-Jährige vor, eine Gelbe Tonne einzuführen. „Schließlich kann ich nicht mit einem Kindergartenkind an der einen und einem Kinderwagen samt Kleinkind an der anderen Hand zusätzlich noch den herumfliegenden Müll anderer Leute von der Straße einsammeln, obwohl mich der Anblick sehr stört“, so Wollenberg. Mit ihrem Anliegen hat sich Wollenberg nicht nur an die Dewezet, sondern auch an die Kreisabfallwirtschaft und die Kommune gewandt. Bürgermeister Bernhard Wagner verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Flecken Aerzen für die Entsorgung des Gelben Sackes nicht der zuständige Ansprechpartner sei. Allerdings räumt Wagner ein, dass Wollenbergs Hinweis auf die verschmutzten Orte richtig ist. „Das sieht manchmal schlimm aus und tatsächlich fühlt sich niemand für den herumfliegenden Müll zuständig. Ich beauftrage bei ganz extremen Verschmutzungen ausnahmsweise auch schon einmal den Bauhof, um Ordnung zu schaffen“, so der Bürgermeister. Auch will er das Schreiben der Groß Berkelerin an alle Ortsbürgermeister weiterleiten, die gemeinsame Müllsammel-Aktionen innerhalb ihrer Ortschaften organisieren. Die Kreisabfallwirtschaft wiederum ist lediglich Auftragnehmer und führt die Sammlung des Gelben Sackes im Auftrag der Dualen Systeme aus. Dazu gehört unter anderen auch der Grünen Punkt. In der Ausschreibung der Dualen Systeme wird unter anderem auch festgelegt, in welchem Medium und in welchen Intervallen Leichtverpackungen gesammelt werden, erklärt Ulrich Kaufmann von der Kreisabfallwirtschaft. Für den heimischen Bereich wurde die Sammlung in Säcken vereinbart. Sollte nicht vorher von Seiten der Bundesregierung gesetzlich beispielsweise eine Wertstofftonne auf den Weg gebracht werden, läuft die aktuelle Vereinbarung zwischen den zurzeit zehn Dualen Systemen und der Kreisabfallwirtschaft bis 2018, so Kaufmann.



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