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Walter-Michael Dorn widmet freie Zeit der Kalligraphie / Lesezeichen und Urkunden für Freunde

Vom Schriftsetzer zum Schönschreiber

Voremberg (mod). „Wenn es kalt ist und der Ofen angeheizt wird, ist es Zeit, sich zurückzuziehen“, sagt Walter-Michael Dorn. Dann widmet der 74-Jährige seine freie Zeit der Schönschreibkunst (Kalligraphie). Schon als 17-Jähriger hat Dorn in Mannheim, wo er aufwuchs, einen Kurs besucht, um das Schreiben der gotischen Schrift zu lernen. Mit dieser Gitterschrift, wie sie auch heißt, habe Johann Gutenberg seine erste Bibel gedruckt. Später habe man sie in ganz Europa, vorwiegend in Frankreich und England, verwendet.

veröffentlicht am 06.02.2009 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

Walter-Michael Dorn übt die Schönschreibkunst am liebsten bei Ta
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Bei der Deister- und Weserzeitung hat Dorn die Zeitung „noch im Bleisatz-Verfahren hergestellt“, berichtet er. „Mit Leidenschaft“ sei er Schriftsetzer gewesen, sein Beruf habe ihn sowohl handwerklich als auch künstlerisch gefordert. Heute schreibt Dorn für Freunde und Bekannte Bücherzeichen, Einladungen, Hochzeitszeitungen, Urkunden und Diplome.

Bei der Kalligraphie sei alles erlaubt, sagt der 74-Jährige: „Mit der Schrift setze ich Akzente, damit der Gesamtrahmen ausdrucksstark ist.“ Durch Zeichnungen, Verzierungen und große Anfangsbuchstaben nehme er dem Text die Gleichförmigkeit. Meist verwende er die gotische Schrift und die Unziale (zollgroße Buchstaben). Doch er lerne auch neue Schriften wie die karolingische Minuskel. „Sie wurde zur Zeit Karls des Großen verwendet und ist schwierig wegen ihrer keulenförmigen Ober- und Unterlängen“, so Dorn. Dies erfordere ein Drehen der Feder beim Schreiben.

Wenn der 74-Jährige in seiner Stube auf dem Holzhocker vor dem selbst gebauten Schreibpult sitzt, ertönen im Hintergrund meist gregorianische Choräle. „Das inspiriert mich“, sagt er. Mit ruhiger Hand führt er die Feder, die er sich selbst aus Bambusrohr schnitzt, über das Papier. Wenn er schreibt, sei es „immer ein Probieren und Experimentieren“. Seine Werke bereite er nach dem Goldenen Schnitt zu, wie es auch schon Leonardo da Vinci getan habe. Dabei dauere die Vorbereitung meist länger als das Schreiben.

Mit Skizzierstift vorgezeichnet.
  • Mit Skizzierstift vorgezeichnet.

Am besten arbeite er bei Tageslicht. Damit er seine Arme auflegen kann, hat sich Dorn ein Schreibpult aus einer alten Ofenbank und dem Rahmen einer Schultafel gebaut. „Der Körper sollte eine Haltung einnehmen, dass die Hand nicht ermüdet“, erklärt der Schönschreib-Künstler. Sonst erhalte man ein zittriges Schriftbild. Auch sollte man nicht verkrampft sitzen oder die Luft beim Arbeiten anhalten.

Manchmal unterlaufe ihm ein Schreibfehler, den er mit einem Skalpell wegzukratzen versuche, gesteht der 74-Jährige. „Man muss aber auch selbstkritisch sein und sein misslungenes Werk vernichten können, wenn es nicht gut genug ist.“ Sein Schreibmaterial besorgt sich Dorn in Hannover, wo er unter anderem sogenannte Elefantenhaut, Büttenpapier und handgeschöpftes Papier findet. Für bunte Buchstaben und Zeichnungen verwendet er Acrylfarbe.

Um immer wieder neue Schriften kennenzulernen, benutzt Dorn Anschauungsmaterial aus Museen. Wenn er ein Museum besucht, habe er immer den Fotoapparat dabei. „Es ist wie eine Sucht“, sagt er. Sehe er eine neue Schrift, finde er sie meist sehr reizvoll. Doch auch der Inhalt eines Schriftstücks sei wichtig für die Wiedergabe des Textes.

Jeder kann

Kalligraphie erlernen

Über seine Unikate sagt Dorn: „Man kriegt so etwas nicht zu kaufen, sie sind etwas Besonderes und für Individualisten.“ Es gebe kaum Menschen, die alte Schriften noch schreiben könnten. Und gerade das mache ihm Spaß. Deshalb würde er gern wieder Kalligraphie-Kurse an der Volkshochschule in Hameln anbieten. Lernen könne die Kalligraphie eigentlich jeder, nur Interesse und Ausdauer müsse man haben. „Ein gewisses Kunstverständnis und Stil-Empfinden sollten“ laut Dorn auch vorhanden sein.



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