weather-image
Geschichte und Geschichten: Wie Martin Wedeking Neugierde auf Posteholz weckt

Vom Rittergut zum Feriendorf

Posteholz (sbr). Dass Posteholz viel mehr zu bieten hat als nur das jahrhundertealte Rittergut der Familie von Alten, das vermittelte der angehende Gästeführer Martin Wedeking den Teilnehmern seines Spaziergangs durch die Streusiedlung samt Ferienbungalow-Park auf interessante und unterhaltsame Art und Weise. Wie kommt ein junger Mann mit Strohhut, gebürtig übrigens aus Rheda-Wiedenbrück, eigentlich zur Gästeführerqualifikation ins Weserbergland? „Ich habe Geschichte studiert und arbeite bereits als freiberuflicher Gästeführer unter anderem im Münsterland sowie in Ostwestfalen und Lippe“, erklärt er. Posteholz bezeichnet Wedeking als seine zweite Heimat. Seine Eltern erwarben 1976 ein Haus in der Feriensiedlung, die sich damals noch offiziell Bungalowpark nannte, und so verbrachte er viele Wochenenden und Ferien im Weserbergland.

veröffentlicht am 10.08.2015 um 12:51 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

270_008_7755093_lkae102_sbr_1108.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Entwicklung des Ortes von der mittelalterlichen Waldsiedlung über die Anlage des Rittergutes im 16. Jahrhundert bis hin zum Ferienort im 20. Jahrhundert, so hatte der 38-Jährige den Inhalt seiner 90-minütigen Führung kurz zusammengefasst und in der Tageszeitung angekündigt. Gästeführungen weitab der ausgetretenen Touristenpfade der Rattenfängerstadt stehen vor allem beim heimischen Publikum hoch im Kurs und so hatten sich 25 Interessierte vor dem Rittergut eingefunden. Dass sie unversehens zu Statisten einer Gästeführer-Prüfung wurden, machte die Sache doppelt spannend.

Eigentlich sollten mit Beginn der Sommerferien alle Arbeiten geschrieben, Noten vergeben und Zeugnisse verliehen worden sein – meint man. Nicht so bei der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Niedersachsen. Hier werden auch in der unterrichtsfreien Zeit der allgemeinbildenden Schulen noch die letzten Prüfungen zur Gästeführerqualifizierung im Weserbergland abgenommen. Doris Müller und Anita Brünig, die Kursleiterinnen der Arbeitsgemeinschaft Gästeführung Weserbergland, sowie die LEB-Bereichsleiterin Anja Franke sind dafür noch immer im ganzen Weserbergland unterwegs. Eines ihrer Ziele der vergangenen Tage war Poste-holz in der Gemeinde Aerzen.

Ein bisschen aufgeregt sei er – trotz der Erfahrung aus anderen Führungen – dennoch, gesteht Wedeking offen ein, als die Prüfungskommission mit etwas Verspätung am Treffpunkt ankommt. „Wir kommen gerade aus Bodenwerder, von einer weiteren Prüfung“, entschuldigt sich Doris Müller. Der Übergang von Münchhausen-Bodenwerder zu Münchhausen-Posteholz fällt den drei Damen vom Fach nicht schwer. Sowohl hier als auch dort hat das einst im Weserbergland weitverzweigte Adelsgeschlecht seine Spuren hinterlassen.

„Posteholz – der Name leitet sich nicht etwa von der gelben Post ab“, klärt Wedeking gleich zu Beginn seines Dorfspaziergangs auf. „Alles, was aus mehr als drei Bäumen bestand, wurde damals als Holz bezeichnet und die Herren von Post hatten im Mittelalter das Sagen hier im Wald, als 1236 mit der Besiedlung dieses Gebietes begonnen wurde“, schiebt der angehende Gästeführer launig als weitere Erklärung hinterher – und die Teilnehmer schmunzeln. 1:0 für den Prüfling: Die Gäste hat er schon mal auf seiner Seite.

Mit viel Hintergrundwissen über das Rittergut und seine Geschichte, über den surrealistischen Maler Richard Oelze, der bis 1980 im Ort lebte, über Posteholzer Kötner und Brinksitzer, über handwerklich begabte Weltkriegs-Flüchtlinge, die hier heimisch wurden, und natürlich auch über den Fasanenhof samt Minigolfplatz sowie die Feriensiedlung mit Schwimmbad beeindruckte Wedeking nicht nur die Prüfungskommission. Wer wusste schon, dass die Familie von Post lange bevor der Grundstein für das Rittergut gelegt wurde, in Posteholz ein Ferienhaus ohne Genehmigung errichten ließ, das vom Grafen von Schaumburg allerdings wieder abgebaut wurde? Siegfried Hanach von Alten hatte offenbar aus der Geschichte gelernt, als er Mitte des letzten Jahrhunderts zum Pionier der „Ferien auf dem Bauernhof“ wurde und Posteholz zum Feriendorf werden ließ.

Und wer erinnert sich noch an die traditionellen Speisen samt D-Mark-Preisen auf der Karte des Gasthauses „Fasanenhof“? Martin Wedeking hat es meisterlich verstanden, neue Informationen an seine Gäste weiterzugeben und gleichzeitig Erinnerungen an längst vergangene Tage zu wecken. Die gelungene Mischung aus Fakten und Emotionen kam nicht nur beim Publikum gut an, sondern überzeugte auch die Prüfungskommission.

Müller, Brünig und Franke hatten nichts zu beanstanden. Und so blieb den drei Damen nur, dem ersten männlichen Gästeführer des Weserberglands zur bestandenen Prüfung zu gratulieren. Insgesamt haben in diesem Jahr acht angehende Gästeführer und -führerinnen an der Qualifikation teilgenommen, wie Müller erklärt. Unter anderem übrigens auch die Groß Berkelerin Brigitte Duttmann, eine weitere „Einheimische“ in der Riege der Landsommer-Gästeführer aus dem Gemeindegebiet von Aerzen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt