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Biolandbau-Grießehof in Schwöbber wirtschaftet nach strengen Richtlinien

Viel Platz für 8000 Hühner

Aerzen. Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Für die Biolandbau-Grießehof KG der Familie Bade-Klopprogge aus Grießem, deren Hühnerstall sich im zehn Kilometer entfernten Schwöbber befindet, lässt sich diese alte und bereits vielfach leidenschaftlich diskutierte Frage ganz einfach beantworten: Bevor täglich etwa 6500 Bioland-zertifizierte Eier gelegt werden können, müssen 8000 nach strengen biologischen Richtlinien aufgezogene Junglegehennen, aufgeteilt in vier voneinander getrennte Herden, in den eigens für sie vorbereiteten Stall einziehen. Also: Erst das Huhn, dann das Ei! Bäuerliche Bio-Freiland-Haltung ist in dem schwöbberschen Hühnerstall angesagt, keine Legeindustrie. Selbst das Futter für die vier Herden stammt überwiegend von den eigenen Feldern. Geräumige Stallungen samt Wintergärten und sechs Hektar Auslauf auf der grünen, von Büschen beschatteten Wiese – so sieht das Hühnerparadies unterhalb des Lüningsbergs aus. In der Erde scharren, unzählige Male mit dem ungestutzten Schnabel auf der Suche nach Futter auf den Boden picken, herumlaufen oder ein Sandbad nehmen und als Krönung des Tages ein Ei ins Nest legen – so leben die Hühner auf dem Bioland-Hof.

veröffentlicht am 05.04.2015 um 18:06 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Und um dieses Glück noch abzurunden, stellen Reinhard Bade und Nils Klopprogge ihrer Hühnerschar 20 Hähne und eine Hühnerfee zur Seite. Die Gockel sind die Alarmanlage im Hühnerhof. „Nähert sich ein Greifvogel oder eine andere Gefahr, warnen sie die Herde lautstark. Das hat sich bewährt und wir überlegen, beim nächsten Durchgang das Geschlechterverhältnis noch einmal nach oben anzupassen“, erklärt Reinhard Bade. Noch wichtiger als die Hähne ist allerdings Tanja Hülsmann für das Hühnerwohl. „Sie ist unsere gute Hühnerfee!“, gestehen die beiden Biolandwirte. „Sie hat dieses angeborene Gefühl und Gespür für die Tiere, das man einfach mitbringen muss, weil es nicht lernbar ist“, versuchen sie die Vorzüge ihrer Angestellten in Worte zu fassen.

Wenn das nicht ein echtes Kompliment von den Chefs ist! Sie wissen eben um die Vorzüge ihrer Hühnerfee. Dabei ist Tanja Hülsmann eine echte Quereinsteigerin in der Landwirtschaft. Die 43-Jährige hat nach dem Abitur ursprünglich den Beruf der Bankkauffrau erlernt und anschließend in der Wertpapierabteilung mit Aktien jongliert. „Aber ich habe gemerkt, dass ich in diesem Beruf nicht glücklich werden kann“, gesteht sie. So entschied sie sich kurzerhand für eine zweite Ausbildung – und zwar in der Landwirtschaft. Diese führte sie unter anderem auf den Hof Bade nach Schwöbber. Die dortigen Hühner eroberten ihr Herz.

Tierische Erlebnisse – zwischen Pflege und

einer Extraportion Futter

Nach der Ausbildung wurde aus der anfänglichen Vertretungsbeschäftigung im Hühnerstall schnell eine Dreiviertel-Stelle. Wenn Tanja Hülsmann frühmorgens ihren Arbeitsplatz erreicht, liest sie als erstes die Futter-Daten aus, dann erfolgt der erste Rundgang durch die Stallungen und die Wintergärten. Fällt ihr dabei ein schwaches Tier auf, nimmt sie dieses aus der Herde. In ihrem Büro hat sie für kranke Tiere eine Krankenstation eingerichtet und päppelt die schwachen Legehennen wieder auf. „Ich kann die Tiere mit ihrer Behinderung nicht den anderen Hühnern der Herde preisgeben. Das würden sie nicht überleben“, erklärt die Frau mit dem großen Herzen für Hühner. Besonders liebgewonnen hat sie „Sola“. „Mir war das Huhn aufgefallen, weil es in einer völlig anderen Tonlage gackerte als die anderen Legehennen und aus diesem Grund von ihrer Herde attackiert wurde“, beschreibt die Landwirtin den Anfang dieser besonderen Mensch-Huhn-Beziehung.

Eine Frage der Haltung: Für die Hühner auf dem Bioland-Hof geht es raus aus dem Stall.

Jeden Morgen wartet die Legehenne nun an der Stalltür auf das Anklopfen von Tanja Hülsmann. Schon beim Betreten des Stalls springt ihr das Huhn auf den Arm, immer in der Hoffnung, die 43-Jährige hat ein paar Extrakörner in der Overalltasche.

Nach der kurzen Streicheleinheit für „Sola“ ist es dann Zeit, die Eier abzusammeln und um den Stall zu öffnen. „Neben den Stubenhockern und den ‚freien Autonomen‘, die den Stall eigentlich gar nicht brauchen und ihre Eier viel lieber ins Heu der Pferdeweide oder in die Brennnesseln außerhalb des Auslaufes legen, sind alle Spezies in den Herden vertreten“, beschreiben Bade und Klopprogge die große Verhaltens-Bandbreite der Hühnerschar. Die einen können gar nicht schnell genug nach draußen strömen, während sich die anderen noch in irgendeiner Ecke des Stalls drängeln. Zu welcher Gruppe jedes einzelne Huhn gehört, kann Tanja Hülsmann am Kamm erkennen. „Wer viel an der frischen Luft ist, hat einen dunkelroten Kamm“, erklärt sie. Nach der Stallarbeit und dem zweiten Kontrollgang in der Mittagszeit ist für die Hühnerfee Feierabend.

Mit der beginnenden Dämmerung schließen sich dann auch die Außenklappen – und jetzt im Frühjahr heißt es um zirka 19.30 Uhr: Licht aus im Stall! Schließlich sind Hühner dafür bekannt, dass sie sich zeitig zur Ruhe begeben, um am kommenden Tag in aller Herrgottsfrühe wieder fit zu sein.



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