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Politiker beraten über Kastrationspflicht für Katzen / Tierschützer werben für Verordnung

„Unsägliches Leid eindämmen“

AERZEN. Die Aerzener Politiker unternehmen einen weiteren Anlauf, um per Verordnung die Kastrationspflicht für Katzen einzuführen. Und damit steigt die Hoffnung von Susanne Mundhenk-Alpert vom Verein Tiernotruf Aerzen, die genau dieses Ziel – für immer mehr Kommunen schon längst beschlossene Sache – seit 2016 verfolgt. „Nur so können wir langfristig unsägliches Tierleid eindämmen“, sagt die Gellerserin über die streunenden Katzen.

veröffentlicht am 20.02.2019 um 16:31 Uhr

„Wir haben ein Katzenproblem“: Der Verein Tiernotruf Aerzen hält eine Kastrationsverordnung für dringend notwendig. Foto: dpa
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Was viele Städte und Gemeinden erleben, sieht die Tierschützerin ebenso für Aerzen: „Wir haben ein Katzenproblem.“ Viele Menschen könnten sich kaum vorstellen, welches Leid sich hinter einer unkontrollierten Vermehrung der Tiere, oft Inzucht, verberge. Der Nachwuchs sei häufig schwerst krank und nicht überlebensfähig. Hinzu komme der harte Kampf ums Überleben in der freien Natur. „Es ist ein Elend“, sagt die Vertreterin vom Tiernotruf, der oft um Hilfe gebeten werde, sich gleichzeitig mit seiner Arbeit für die Kastration einsetze.

„Die Kastration ist die einzige nachhaltige Lösung, den Teufelskreis der unkontrollierten Fortpflanzung bei Straßenkatzen zu durchbrechen“, sagt Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen laut Mitteilung seiner Organisation. „Die Kastrationsaktion ist bei geschätzten 200 000 Straßenkatzen in Niedersachsen dringend notwendig.“ Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ergänzt: „Um das Problem langfristig ganzheitlich zu lösen, braucht es eine bundesweite Kastrationspflicht. Bislang haben wir eher einen Flickenteppich, einzelne Kommunen gehen mit gutem Beispiel voran.“ In Niedersachsen haben bisher rund 300 Kommunen ein Kastrationsgebot erlassen.

Bei den streunenden Tieren handelt es sich um ursprünglich entlaufene oder ausgesetzte Katzen sowie deren Nachkommen, die nun verwildert sind. Unkastrierte Hauskatzen mit Freigang tragen ebenfalls zur Vermehrung der Streunerkatzen bei.

Die Gemeinde Aerzen kennt das Problem – auch mit den finanziellen Konsequenzen für die kommunalen Kassen. „Das Aufkommen an wild lebenden Katzen hat sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt“, heißt es in der Beratungsvorlage aus dem Rathaus, mit dem nun die Verwaltung erneut für Kastrationspflicht wirbt, die dann in der sogenannten Gefahrenabwehrverordnung aufgenommen werden soll. Gleichzeitig soll darin eine Kennzeichnungspflicht – etwa durch Chippen – festgelegt werden. Nach Angaben der Verwaltung sind im Vorjahr der Gemeinde Kosten für Fundtiere in Höhe von über 11 000 Euro entstanden, 2017 waren es rund 9000 Euro allein für Fundkatzen. Im Jahr 2016 habe das Rathaus Tierheimkosten in Höhe von über 22 000 Euro zahlen müssen. Mit dem „Chippen“ der Katzen und der Eintragungspflicht in einem Register (beispielsweise Tasso) werde die Möglichkeit geschaffen, auf den Eigentümer der Katze zurückzugreifen. Die Kosten für die Gemeinde würden dadurch gemindert, da der Eigentümer der Katze für die Unterbringungskosten im Tierheim aufkommen müsse. Viele benachbarte Kommunen, darunter Bad Pyrmont, Bad Münder, Coppenbrügge und Salzhemmendorf, hätten bereits eine entsprechende Verordnung erlassen, wirbt die Aerzener Verwaltung für die Beratungen der Politiker im zuständigen Fachausschuss in der nächsten Woche.

Susanne Mundhenk-Alpert hofft, dass sie nicht nur die finanzielle Sicht dabei sehen, sondern eine Hilfe, die eine Anleitung gegen vielfach erlebtes Tierleid bedeuten. Ihr Verein vermittele jedes Jahr durchschnittlich 50 Jungkatzen, wobei festgelegt werde, dass sie im entsprechenden Alter kastriert werden sollten. In den meisten Fällen funktioniere dies auf freiwilliger Basis. Im Vorjahr beteiligte sich der Tiernotruf an einer landesweiten Aktion, frei lebende Katzen einzufangen und kastrieren zu lassen. Nach einem Aufruf sei dies in ungefähr 25 Fällen geschehen. Trotz aller Bemühungen sei das Problem dadurch allein nicht in den Griff zu bekommen. Die Verordnung, so lautet die Einschätzung der Tierschützerin, „dient dem Wohl der Katzen“.



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