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Neuregelung bringt Brandschützer in Nöte / Feuerwehrführerschein schafft Rechtssicherheit

Und wer fährt die Einsatzfahrzeuge?

Aerzen. Alarm im Fahrerhaus: Die Neuregelung der Führerscheinklassen im Jahr 1999 bereitet heute vielen Freiwilligen Feuerwehren Kopfzerbrechen. Alle Führerscheinneulinge dürfen ab diesem Zeitpunkt mit der gängigen Klasse-B-Lizenz nur noch Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht unter 3,5 Tonnen steuern. Viele Feuerwehrfahrzeuge – vor allem die Tragkraftspritzenfahrzeuge mit Löschwassertank an Bord (TSF-W) – bringen deutlich mehr Gewicht auf die Waage. Sie dürfen bisher nur von Feuerwehrkräften mit Lkw-Führerschein (Klasse C1) oder Besitzern der alten Führerscheinklasse 3 gefahren werden. Ergebnis: Den Ortswehren gehen die Einsatzwagenfahrer aus.

veröffentlicht am 03.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:21 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhahn
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Mit der Einführung des sogenannten „Feuerwehrführerscheins“, der Klasse-B-Führerscheininhaber zum Fahren von Einsatzfahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von unter 7,5 Tonnen berechtigt, wurde nun Rechtssicherheit für die ehrenamtlichen Einsatzfahrer geschaffen. Durch den Wegfall bürokratischer Hürden bei der Ausbildung werden so zusätzliche hohe Kosten für die Kommunen verhindert. Zuvor war eine kostenintensive Lkw-Führerschein-Ausbildung in einer autorisierten Fahrschule notwendig. Diese Kosten für die Lkw-Fahrer-Ausbildung werden größtenteils von der Kommune als Dienstherr übernommen, anteilig müssen sie aber von den ehrenamtlichen Brandschützern mitfinanziert werden.

Auch im Flecken Aerzen werden zurzeit erstmals Einsatzkräfte geschult, die aufgrund ihres „B-Scheins“ nur Einsatzfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 3,5 Tonnen steuern dürfen. Das Fahrertraining ist vergleichbar mit dem begleiteten Fahren der unter 18-jährigen Fahranfänger. Ein erfahrener Beifahrer mit entsprechendem Führerschein und einem Mindestalter von 30 Jahren begleitet einen Fahrschüler während der zehnstündigen praktischen Ausbildung auf dem Einsatzfahrzeug der jeweiligen Ortswehr. Zuvor steht ein vierstündiger theoretischer Unterricht für alle Teilnehmer des Feuerwehrführerschein-Projektes – sowohl für den Fahrschüler als auch für den Begleiter – in einer örtlichen Fahrschule auf dem Programm.

Kooperationspartner der Gemeindefeuerwehr Aerzen ist die Fahrschule Iselhorst in Groß Berkel. „Einen Vormittag lang ging es beispielsweise um die Abfahrtkontrolle und andere Dinge, die viele routinierte Fahrzeugführer im Laufe der Zeit ein wenig aus dem Bewusstsein verdrängt haben“, erzählt Heike Pyka (49) von der Ortswehr Grießem. Sie begleitet Friederike Meyer (28) bei den Fahrstunden. Die Fahrschulbank hat Heike Pyka vor 23 Jahren gedrückt und noch den alten Führerschein Klasse 3 erworben, der sie zum Steuern von Fahrzeugen unter 7,5 Tonnen Gesamtgewicht berechtigt. Grießems Jugendfeuerwehrwartin Friederike Meyer hat ihren „B-Schein“ seit 2003. Neben dem sicheren Führen des Feuerwehrfahrzeugs im fließenden Straßenverkehr und während einer Alarmfahrt werden das Verhalten in besonderen (Gefahren-)Situationen und der Umgang damit in separaten Unterrichtseinheiten geübt. Dafür hat es von der Fahrschule einen genauen Plan gegeben, den es nun abzuarbeiten gilt. So stand auf dem Parkplatz der Aerzener Maschinenfabrik das Thema „Toter Winkel“ auf dem Programm. Mithilfe von Pylonen, die Hindernisse symbolisieren, lernten die Fahrschüler das Einsatzfahrzeug einzuschätzen und zu beherrschen.

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  • Feuerwehrführerscheinprüfung für Sascha Schulzki (re.): Fahrlehrer Ralf Iselhorst (Mitte) hat als Prüfer im Einsatzfahrzeug Platz genommen. Auf dem Beifahrersitz: Grießems Ortsbrandmeister Thorsten Schmidt. sbr

Fahrlehrer Ralf Iselhorst macht sich vor Ort ein Bild über den Ausbildungsstand der beiden ersten Feuerwehrführerschein-Aspiranten. Sascha Schulzki ist der erste Feuerwehrführerschein-Inhaber innerhalb der Gemeindefeuerwehr Aerzen. Er hat vor wenigen Tagen seine Prüfung abgelegt. Seine ganz persönliche Bilanz nach der ersten Alarmfahrt: „Die anderen Verkehrsteilnehmer reagieren oft sehr spät oder gar nicht auf Martinshorn und Blaulicht“, so der Eindruck des Grießemer Brandschützers. Die Balance zwischen einer sicheren und umsichtigen Fahrweise und dem Wunsch, schnell am Einsatzort einzutreffen, ist ihm gelungen, bescheinigen ihm sowohl sein Begleiter, der Grießemer Ortsbrandmeister Torsten Schmidt, als auch Fahrlehrer Ralf Iselhorst. Voraussetzung für die Kooperation von Gemeindefeuerwehr und Fahrschule in Sachen Feuerwehrführerschein sei seine Lizenz zur Lkw-Fahrer-Ausbildung, erklärt Ralf Iselhorst. Beim Feuerwehrführerschein, einer besonderen Art der Führerscheinausbildung, kann er auf seine Erfahrungen als Fahrlehrer bei der Bundeswehr zurückgreifen, die nach einem ähnlichen Verfahren ausbildet. Ebenso wie sein angestellter Fahrlehrer Lars Kleinsorge, der ebenfalls in das Projekt eingebunden ist, kennt Ralf Iselhorst den aktiven Feuerwehrdienst und kann so wichtige Tipps und Hinweise geben. Allerdings ist der Feuerwehrführerschein kein Freibrief. Darauf weisen sowohl Ralf Iselhorst als auch Aerzens Gemeindebrandmeister Friedhelm Senke ausdrücklich hin. „Es ist eine Berechtigung, die nur zum Führen von Fahrzeugen der Gemeindefeuerwehr Aerzen autorisiert, auf denen der Fahrer eingewiesen wurde. In der Regel ist das das jeweilige Ortswehrfahrzeug. Das wird auch auf der Bescheinigung so eingetragen“, erläutern Fahrlehrer und Gemeindebrandmeister. „Wir haben beim Feuerwehrführerschein-Projekt mit den drei Ortswehren Grießem, Reher und Herkendorf begonnen, die allesamt über ein TSF-W verfügen, das nicht mit der Führerscheinklasse B gesteuert werden darf“, erklärt Friedhelm Senke. Auch in allen anderen Wehren im Bereich der Gemeinde werden nach und nach Feuerwehrführerschein-Ausbildungen angeboten, so der Gemeindebrandmeister.

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