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Über Jahrzehnte sammelte Erika Kapust aus Aerzen Christbaumschmuck – und bietet ihn nun in Hämelschenburg zum Verkauf an

Und plötzlich werden Erinnerungen wach

Ein Stand zum Verweilen mit Platz für nostalgische Erinnerungen. Über Jahrzehnte sammelte die Aerzenerin Erika Kapust Christbaumschmuck in allen Variationen. Nun trennt sie sich davon, auch wenn es ihr schwerfällt.

veröffentlicht am 25.12.2015 um 11:16 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

Christbaumschmuck Aerzen

Autor:

Sabine Brakhan
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Alter Christbaumschmuck übt nicht nur auf Erika Kapust eine besondere Faszination aus. Viele Besucher des Hämelschenburger Adventsmarktes blieben vor ihrem Stand stehen, um ihre Auslagen genau zu betrachten. Angesichts der vielen bunten oder silbrig glänzenden Kugeln und Glocken, die die Aerzenerin auf einem großen Tisch ausgebreitet hat, wurden sofort Erinnerungen wach. „Diese bunten, mit Kunstschnee verzierten Kugeln schmückten immer den Baum meiner Eltern, bis dieser eines Weihnachtstages im betagten Ständer den Halt verlor, mitten im Wohnzimmer landete und von dem schönen Christbaumschmuck nur noch bunte Scherben auf dem Teppich übrig blieben“, berichtet eine Liebhaberin, die sich am nostalgischen Weihnachtsbaumschmuck-Sammelsurium von Erika Kapust gar nicht sattsehen kann.
 Gemeinsam mit ihrem Mann Johann hat Erika Kapust viele Jahre lang unzählige Haushalte aufgelöst. „Nicht immer bleibt der Weihnachtsbaumschmuck nach dem Tod des Besitzers in der Familie, obwohl sich hinter den glänzenden Kugeln sicher ganz viele interessante Geschichten verbergen“, bedauert die Seniorin. Damals war der alte Weihnachtsbaumschmuck für die Vermarktung zwar nicht sonderlich interessant, „doch zum Wegwerfen fand ich ihn einfach zu schade“, gesteht Erika Kapust. Also fing sie an, die unzähligen Pappschachteln mit dem zusätzlich in Seidenpapier eingeschlagenen filigranen Glasschmuck zu sammeln.
 Weil den Eheleuten nach einem Umzug nun aber nur noch ein begrenzter Platz im Keller zu Verfügung steht, ist es jetzt an der Zeit, sich von dem alten Weihnachtsbaumschmuck zu trennen, findet Erika Kapust. Auf diese Weise bekommen die nostalgischen Glaskugeln, Engel, Glocken und Vögel neue Besitzer – zum Teil sogar in Übersee. Ein alter Nussknacker beispielsweise wurde in diesem Jahr bis nach Amerika geschickt. Und so wird mit dem Verkauf in der bewegten Geschichte der Schmuckstücke von einst ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Dann können sie weiter für viele schöne Erinnerungen sorgen“, sagt die Aerzenerin und freut sich über jedes nette Gespräch, dass sie mit Nostalgiefreunden am Adventsmarktstand führt.
 Einer Legende zufolge ist es einem armen Glasbläser aus Lauscha zu verdanken, dass farbige Kugeln aus Glas die Weihnachtsbäume zieren, berichtet Erika Kapust, die sich mit dem Thema „nostalgischer Christbaumschmuck“ intensiv beschäftigt hat. Angeblich kam dem Thüringer 1847 die Idee, statt der teuren rauschgoldverzierten Walnüsse und Äpfel mundgeblasene bunte Glaskugeln an den Baum zu hängen. Die Tradition, Äpfel in den Christbaum zu hängen, stammt übrigens bereits aus dem Mittelalter. Damals verdeutlichte die Kirche mithilfe eines mit Äpfeln behängten Paradiesbaums die Bedeutung Christi als Erlöser von der Erbsünde. Diese Paradiesspiele wurden am Heiligen Abend vor dem Krippenspiel in den Kirchen aufgeführt.
 Rauschgold, papierdünne Messingfolien, ist eine Erfindung aus dem 18. Jahrhundert. Aus ihr werden auch die berühmten Rauschgoldengel hergestellt, von denen Erika Kapust auch einen in irgendeinem der vielen Kästen verstaut hat. Ein Puppenmacher aus Nürnberg soll einer unbestätigten Überlieferung zufolge den ersten Rauschgoldengel zur Erinnerung an seine verstorbene Tochter gefertigt haben, weiß die Sammlerin zu berichten. Wie Rauschgold ist auch Lametta, das ursprünglich Eiszapfen am Weihnachtsbaum darstellen sollte, eine Abwandlung der Leonischen Drähte. Aus diesen veredelten Metallfäden wurde ab dem Ende des 16. Jahrhunderts ebenfalls Christbaumschmuck hergestellt. Und dann fällt Erika Kapust noch etwas ein, das heute kaum noch vorstellbar ist: „Früher wurde neben dem Lametta auch das Geschenkpapier sorgfältig gebügelt und für das kommende Fest aufbewahrt und wiederverwendet.“ Einige werden sich daran sicher auch noch erinnern können …

Erika Kapust und ihre historischen Christbaumschmuck-Schätze. Foto: sbr


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