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Gemeinde arbeitet Wiederaufbau des Freibades auf / Ausgaben klettern um 420 000 auf 2,584 Millionen Euro

Und plötzlich stiegen die Kosten

AERZEN. Dass die Kosten für den Wiederaufbau des Freibades in Aerzen aus dem Ruder laufen, zeichnete sich bereits seit dem Frühjahr ab. Nun liegen belastbare Zahlen vor: Der Wiederaufbau kostete laut Verwaltung 2,584 Millionen Euro – 420 000 Euro mehr als kalkuliert. Bürgermeister Bernhard Wagner nennt einige Gründe.

veröffentlicht am 05.10.2017 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 05.10.2017 um 18:50 Uhr

Das Freibad hat nach dem Wiederaufbau die erste Saison hinter sich. Die Kosten beschäftigen aber noch Politik und Verwaltung. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Bürgermeister Bernhard Wagner erinnert sich an Wochen im Frühjahr, da zeichnete er ständig irgendwelche Aufträge für das Freibad ab. Die Zeit drängte. Immer fehlte irgendwo noch etwas, kamen zusätzliche Arbeiten auf die Gemeinde zu, wie er sagt. Längst sei zu diesem Zeitpunkt deutlich gewesen, dass die Kosten aus dem Ruder laufen würden. Rund 400 000 Euro über dem Plan, so habe es sich abgezeichnet, nachdem bis zum Jahresbeginn alles im grünen Bereich gelegen habe, teilweise Aufträge sogar günstiger hätten vergeben werden können. „Erst zum Schuss hat sich gezeigt, dass es finanziell eng wird“, sagt Wagner. Überprüfungen und Suche nach möglichen Ursachen? „Diese Dinge sind dem Ziel untergeordnet worden, dass wir das Freibad erst einmal öffnen müssen“, meint er. Schon der Termin Mai sei verstrichen, die Erwartungshaltung in der Bevölkerung aber groß gewesen, dass zumindest ab den Sommerferien das Bad zur Verfügung stehe. Auch wenn bis zum Schluss die Firmen tätig waren: Die Aerzener konnten das Bad im Juni wieder in Besitz nehmen. Danach folgte der Kassensturz: Der Wiederaufbau kostete laut Verwaltung 2,584 Millionen Euro – 420 000 Euro mehr als kalkuliert. „Inzwischen relativ verlässliche Zahlen“, meint die zuständige Mitarbeiterin Diana Marx.

Sehr ärgerlich – aber ohne zusätzliche Kosten wäre Eröffnung so nicht möglich gewesen.

Bernhard Wagner, Bürgermeister

Selbst in den vergangenen Tagen seien nach Saisonabschluss Firmen mit letzten Arbeiten beschäftigt gewesen, immer auch unter den prüfenden Augen des Gesundheitsamtes. Mit etwas zeitlichem Abstand habe die Verwaltung die Entwicklung aufarbeiten können. Schönrechnen wolle er nichts, sagt Wagner. „Sehr ärgerlich“ sei es, räumt er ein. „Auch weil ich als Bürgermeister den Anspruch habe, dass Planung und Realisierung möglichst übereinstimmen.“ Und er könne den Unmut der Politiker verstehen, die sich im Juni bei mehreren Eilaufträgen übergangen gefühlt, die späte Information über die gestiegenen Ausgaben kritisiert hätten. Knapp vier Monate später meint Wagner nun aber ebenso deutlich: „Ohne zusätzliche Kosten wäre die Eröffnung so nicht möglich gewesen.“

Umso mehr gelte nun die politische Forderung, bei künftigen Investitionen die Kontrolle zu verbessern. Ob die Verlagerung des Kindergartens in Groß Berkel an den Standort der Grundschule, der Neubau des Kindergartens am Ortsausgang von Aerzen an der Königsförder Straße oder das Rathaus: „Bei Baumaßnahmen, die wir noch vor der Brust haben, müssen wir das besser sicherstellen“, meint Wagner.

Beim Freibad, bei einem Großbrand Ende 2013 zerstört, handelte es sich schließlich nicht um einen Neubau. Ein Wiederaufbau mit alter Bausubstanz, gleichzeitig eine neue gemeinsame Technik für das Hallenbad, die langfristig Geld sparen solle. Ein Projekt mit vielen Unbekannten – „jeden Tag neue Überraschungen“, sagt Wagner und zieht den Vergleich: „Jeder, der ein altes Haus saniert, weiß das.“

Aus Sicht der Verwaltung trifft das zuständige Architektenbüro keine Schuld. Zahlen und Ursachen seien nun bekannt. „Alles plausibel“, sagt Marx über die Ursachen. Einen großen Kostenblock bildeten demnach die Außenanlagen, die mit bis zu 180 000 Euro zu Buche schlagen. Ursprünglich sollten die eigenen Mitarbeiter des Bauhofes, in der Kalkulation anfangs mit 30 000 bis 40 000 Euro angesetzt, für eine günstigere Lösung sorgen. Ob Filter, Pumpen oder zusätzliche Rohrleitungen – am Ende kostete die Badewassertechnik rund 100 000 Euro mehr. Beim Abbruch des Nichtschwimmerbeckens habe sich das Bauwerk stabiler als gedacht erwiesen – rund 30 000 Euro plus. Ein Betonbalken im Erdreich? Bis dato nicht bekannt. Nicht tragfähiger Baugrund? Hier wie dort Mehrkosten. Statt auf guten Boden stießen die Firmen im Aushub auf Bauschutt. „Der musste gesiebt und entsorgt werden“, sagt Marx. Und: Die Gemeinde habe die gute Auftragslage der Handwerker zu spüren bekommen. Zwei Firmen hätten kurz vor Eröffnung ohne Konkurrenz die – dann höheren – Preise bestimmen können. „Mehr Unbekannte als bei anderen Planungen“, meint Wagner und räumt ein: „Manchmal habe ich schon gedacht: Hätten wir das mit dem Freibad doch gelassen…“

In der Verwaltung hätten den Wiederaufbau vor allem die zuständigen Mitarbeiterinnen Diana Marx und Claudia Staske begleitet. „Das war nicht immer einfach“, zollt der Rathauschef ihnen Respekt. „Das hat Kraft und Energie gebunden“, meint Marx, zeigt sich ebenso wie Wagner aber überzeugt, dass sich der Einsatz gerade für Familien mit Kindern gelohnt habe. Es sei der Anspruch gewesen, die Attraktivität zu steigern und gleichzeitig die Betriebskosten für beide Bäder zu senken.

Information

Besucherzahlen – da ist mehr drin

Die Einwohner würden es begrüßen, dass ihnen nun das Freibad wieder zur Verfügung stehe. „Die Rückmeldungen waren zu 98 Prozent positiv“, weiß Bürgermeister Bernhard Wagner.

  • Zwar sei es mit Blick auf Sonne und Temperaturen keine klassische Saison gewesen, „trotzdem hatten wir treue Besucher“. Zwar in der Spitze bis zu 1000 an einigen Tagen, aber das sei steigerungsfähig.
  • Ein verändertes Freizeitverhalten sei festzustellen, selbst bei schönem Wetter seien die Zahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wagner: „Ich wünsche mit schon, dass die Bäder mehr wertgeschätzt werden.“

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