weather-image
Seine Freunde nennen ihn „Buddy“

Ulrich Niemeyer baut und sammelt Mini-Panzer im Keller

AERZEN. Über 40 britische Panzer stehen im Keller von Ulrich Niemeyer – natürlich Modelle. Für sie hat er schon einige Nachtschichten eingelegt. Die Begeisterung entwickelte sich, als er noch ein Kind war. Er liebt die Technik, den Sound. „Die Kanone könnt ihr meinetwegen abschneiden“, sagt er. Wir haben ihn besucht.

veröffentlicht am 06.09.2018 um 16:31 Uhr
aktualisiert am 06.09.2018 um 17:20 Uhr

Mit Kopflampe und Pinsel: In der kleinen Werkstatt im Keller bastelt Ulrich Niemeyer an den Panzermodellen – manchmal auch in der Nacht. Foto: mo
Muschik, Moritz

Autor

Moritz Muschik Volontär zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie Fans in einem Stadion reihen sie sich aneinander: kleine Behälter mit Farben und Pulvern. Auf mehreren Stufen lagern die Dosen mit Schwarz, Grün oder Braun – und stehen dort wie Zuschauer auf einer Tribüne. Der dunkle Holztisch, vom grellen Licht einer Lampe erhellt, ist von Farbklecksen übersät. Hier in seinem Keller bastelt Ulrich Niemeyer an Panzermodellen im Miniaturformat.

„Dort hocke ich immer“, sagt der 52-Jährige und erzählt von Nächten, die er sich mit Kopflampe, Pinsel und Bier um die Ohren geschlagen hat, um die Modelle zu bauen und zu bemalen. Als Handballer und Trainer zweier Jugendteams blieb außer in der Nacht nicht viel Zeit für sein Hobby. Seit er ein Kind ist, liebt er den Modellbau. Und die Fahrzeuge vom Militär.

Er wuchs in einem kleinen Dorf an der Oberweser auf. Zur Zeit des Kalten Kriegs übten auch dort Soldaten. „Es verging keine Woche, in der keine Panzer durchs Dorf gefahren sind“, erzählt Niemeyer, der als Kind die ersten Manöver erlebte. „Ich habe in der Grundschule gesessen, das Gedröhne und das Rappeln gehört. Ich dachte nur: Hoffentlich ist noch was los, wenn die Schule vorbei ist. Manchmal hatte ich Glück. Manchmal habe ich nur noch die Dreckspuren gesehen.“

270_0900_107004_lkae_0409_modellbauer_mo_2.jpg
270_0900_107008_lkae_0409_modellbauer_mo_4.jpg
270_0900_107009_lkae_0409_modellbauer_mo_5.jpg
270_0900_107007_lkae_0409_modellbauer_mo_3.jpg
270_0900_107006_lkae_0409_modellbauer_mo_6.jpg
270_0900_107005_lkae_0409_modellbauer_mo_8.jpg
270_0900_107004_lkae_0409_modellbauer_mo_2.jpg
270_0900_107008_lkae_0409_modellbauer_mo_4.jpg
270_0900_107009_lkae_0409_modellbauer_mo_5.jpg
270_0900_107007_lkae_0409_modellbauer_mo_3.jpg
270_0900_107006_lkae_0409_modellbauer_mo_6.jpg
270_0900_107005_lkae_0409_modellbauer_mo_8.jpg

Stell dir vor, du stehst als Kind an der Straße und die Panzer fahren an dir vorbei. Da dröhnt der ganze Bauch.

Ulrich Niemeyer, Modellbauer

Warum begeistert es ihn, die Fahrzeuge nachzubauen, die Krieg und Zerstörung symbolisieren? Wenn Leute ihn darauf ansprechen, antwortet er: „Die Kanone könnt ihr meinetwegen abschneiden und wegwerfen.“ Als seine Zeit bei der Bundeswehr vorüber war, sei er froh gewesen. An den Panzern fasziniert ihn aber die Technik. „Ich liebe diesen Sound, diesen Krach. Stell dir vor, du stehst als Kind an der Straße und die Panzer fahren an dir vorbei. Da dröhnt der ganze Bauch.“

Er kramt eine Fotocollage hervor, die sein Freund Arnd Wöbbeking für ihn gestaltet hat. Auf den Schwarz-Weiß-Fotos ist eine Pontonbrücke des Militärs zu sehen. Rechts am Rand steht ein kleiner Junge und beobachtet das Rangieren der Panzer. „Das bin ich. Da war ich sechs Jahre alt“, sagt Niemeyer. Auf solche Bilder habe er jahrelang gewartet. „Ein englischer Soldat hat Arnd die Fotos geschickt“, sagt er – schiebt aber hinterher: „Es ist natürlich gut, dass die Kriegszeiten von damals vorbei sind.“

Über 40 britische Panzermodelle stehen in seinem Keller. Viele hat der Mess- und Regelmechaniker in einer Glasvitrine gesammelt. Das Besondere: Die Bauteile sind nicht aus Plastik gefertigt, sondern aus dem Gießharz Resin. „Ein Urmodell wird per Hand gebaut und dann abgegossen“, sagt Niemeyer. „Deswegen sind die Modelle auch so teuer. Wir reden hier nicht von 30, sondern von 300 Euro.“ Die Bausätze bestellt er über den Shop von Andreas Richter aus Hameln. Wenn er die Modelle zusammenbaut, sind sie noch nicht bemalt. Dann kommen Pinsel, Pinzette und Pulver zum Einsatz, um dem Panzer realistisch zu gestalten. Als Vorlage hat Niemeyer Hefte und Zeitungsartikel archiviert. Und wenn es manche Bauteile nicht gibt, wird er kreativ. Das Wartungszelt eines Panzers etwa hat er aus Taschentüchern und Draht gebastelt. Er ist eben verliebt ins Detail …



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt