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Debatte um Kosten für Schulsanierung und Bildungshauskonzept / Verbindungsweg: Deluxe-Variante oder wichtiger Teil des Raumkonzeptes?

Turbulente Sitzung sorgt eher für Verwirrung als für Klarheit

Emmerthal (cb). Die Ratlosigkeit stand den meisten ins Gesicht geschrieben. Verwirrend genug war sie, die mehr als dreistündige Sitzung im Rathaus, mit Politik, Verwaltung und Architekten, die sich vor allem mit der Sanierung der Grundschule in Kirchohsen und dem Ausbau des Bildungshauses im Kernort beschäftigten. Und das alles unter dem Spardiktat, dem sich die finanziell angeschlagene Gemeinde unterworfen hat. Wobei am Ende der Sitzung nur eine Feststellung bleiben konnte: Man hätte sich besser Teile der Beratungen an diesem langen Abend sparen können. Entscheidungen blieben aus – eine Sondersitzung muss noch einmal einberufen werden.

veröffentlicht am 14.04.2010 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:41 Uhr

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Dabei musste sich der Bau- und Verkehrsausschuss noch mit Altlasten beschäftigen – mit einem Beschluss aus der vorangegangenen Sitzung im Februar, bei der er die Kosten für die Grundschule gedeckelt wissen wollte. Eindeutig mehrdeutig, wie sich im Nachhinein die damalige Entscheidung herausstellte. Bürgermeister Andreas Grossmann präsentierte der Politik drei mögliche Interpretationen, wie sich der Sparbeschluss deuten lasse. Und sorgte zunächst für längeres Rätselraten, was nun eigentlich gemeint war.

Was feststeht: Die geplanten Kosten für die energetische Sanierung der Grundschule waren zwischenzeitlich auf rund 700 000 Euro geklettert. Um außerdem die Schule mit dem benachbarten Kindergarten zum Bildungshaus aufzuwerten, wird mit 192 000 Euro gerechnet. Zu viel, findet die Politik: Bei insgesamt 800 000 Euro insgesamt für beide Projekte muss Schluss sein. Noch nicht einmal eingerechnet waren dabei zusätzliche Arbeiten wie für den Brandschutz oder den Regenwasserkanal. Gespart werden sollte auch am Verbindungsweg zwischen den beiden Einrichtungen. Damit die Kinder möglichst trockenen Fußes von einem Gebäude zum anderen kommen, so dachte sich die Politik, sei eine günstigere Variante denkbar.

Nur: Das war Schule und Kindergarten zu wenig. Sie hatten bestimmte Wünsche an Gestaltung und Ausstattung. Um zwischen Notwendigem und pädagogisch Wünschenswertem abzuwägen, waren zum Auftakt der Sitzung gleich noch die Mitglieder des Schulausschusses und des Kindergartenkuratoriums mit dabei. Die Kosten für den Verbindungsweg verschlugen einigen schlicht die Sprache, andere hielten sie für notwendig. Rund 95 000 Euro soll der beheizte Übergang kosten. Gerade mal 25 Quadratmeter Gesamtfläche, fast vollständig verglast und deshalb aus Sorge vor sommerlichen Innentemperaturen von 40 bis 50 Grad mit Sonnenschutz auszustatten, hinzu kommt ein Sitz- und Versammlungsbereich auf halber Strecke. Von einer Deluxe-Variante sprach da Irmgard A. Lohmann (CDU), und ihr Parteikollege Dr. Uwe Berlekamp konnte sich ebenfalls nur wundern. Er selbst habe eine Tochter in der Grundschule und bald ein weiteres Kind im Kindergartenalter. Nur um Kindern zu ersparen, dass sie sich auf dem Weg von einem Gebäude zum anderen eine Jacke überziehen, würden Mehrkosten von 45 000 Euro verursacht, so der Ratsherr.

Das wäre in der Tat schwer vermittelbar, wenn ein einfacher, unbeheizter Verbindungsgang mit 50 000 Euro Kosten auskommen könnte. Aber vielleicht gehörte es zum Durcheinander des Abends, dass auch die Begriffe verwirrend waren. Die Argumente von Schulrektor Günter Ehling und Kindergarten-Leiterin Lieselotte Sievert, durch die Gestaltung auch nach außen ein Zeichen für das innovative Bildungshauskonzept zu setzen, waren sicher nicht für alle überzeugend. Deshalb ging es weitgehend unter, dass sie in dem Verbindungsgang mehr als einen Weg sehen – für die Pädagogen ist er Teil des Raumkonzeptes. Schließlich würden einige ältere Kindergarten-Kinder in der Grundschule untergebracht, um Platz für Krippenplätze zu schaffen; dennoch müssten sie regelmäßig in das Gebäude der Tagesstätte, so Lieselotte Sievert. Von daher sei der Übergang ein fester Bestandteil der Räumlichkeiten. Nicht nur der Bürgermeister hatte sich schon im Vorfeld von den Argumenten überzeugen lassen, auch Ratsfrau Sabine Özbek (SPD) unterstützte sie. Schließlich spare das Bildungshauskonzept langfristig Kosten, indem so Krippenplätze geschaffen werden könnten. Beide Einrichtungen bildeten dann räumlich eine Einheit, so dass die teurere Lösung praktikabler sei, so Sabine Özbek.

Letztendlich fiel aber keine Entscheidung – wegen der Gesamtkosten, die trotz der Sparvorschläge der Architekten Hans Jäger und Rainer Meßmann insgesamt zu hoch blieben. Zwar schlugen sie für die energetische Sanierung der Grundschule vor, 135 000 Euro bei der Heizung einzusparen, dennoch: Das große Rechnen in der Sitzung begann – und das per Beschluss festgesetzte Budget wurde weiterhin überschritten. Zwischen Architektenbüro und Verwaltung, so stellte sich heraus, hatte es offenbar Missverständnisse mit Kostenberechnungen im Vorfeld gegeben. Das Durcheinander war perfekt – nun besteht bis zur Sondersitzung Klärungsbedarf.

Ein Verbindungsgang soll zwischen der Schule und dem benachbarten Kindergarten geschaffen werden, um das Bildungshauskonzept umzusetzen.

Foto: gm



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