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Behindertengerechter Umbau der Schule ist Voraussetzung für Inklusionskonzept / Kritik an Körtner

Treppen gelten als größtes Hindernis

Emmerthal (cb). Über Monate herrschte in Emmerthal Unsicherheit in Verwaltung und Politik, wie neue Landesgesetze umzusetzen sind, damit Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden können, nun zeichnen sich konkrete Anforderungen ab. Laut Beschluss des zuständigen Fachausschusses des Gemeinderates soll zunächst die Grundschule Kirchohsen ausgebaut werden. Vor allem soll sie bis zum neuen Schuljahr Rampen und Treppenlifte erhalten, damit die Schule barrierefrei ist und sie besonders für Kinder mit Förderbedarf bei der körperlichen und motorischen Entwicklung hergerichtet werden kann. Kosten laut Architekturbüro: rund 150 000 Euro.

veröffentlicht am 15.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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Dabei handelt es sich um die Bereiche, für die schon jetzt eine Notwendigkeit besteht. In Kirchohsen werden bereits körperbehinderte Schüler, darunter ein Kind mit Rollstuhl, unterrichtet. Außerdem soll die Bildungseinrichtung als Schwerpunktschule für die Bereiche „Sehen“ und „geistige Entwicklung“ gelten, dafür aber soll erst investiert werden, wenn tatsächlich Bedarf für Kinder besteht. Für den Bereich Hören plant Emmerthal die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aerzen, da dort schon seit Jahren entsprechende Konzepte umgesetzt werden.

„Wichtigste Botschaft“, wie Susanne Jürgens als zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus sagte: Die Voraussetzungen für ein bestimmtes Angebot müssten erst geschaffen werden, wenn es für Kinder einen tatsächlichen Bedarf gebe. Grundsätzlich halten es die Emmerthaler Ratspolitiker für gut und richtig, dass Kinder mit einer Behinderung gleich welcher Art nun nicht mehr auswärtige Förderschulen besuchen müssen, sondern vor Ort unterrichtet werden können. „Ich bin Befürworter der Inklusion“, sagte Ruth Leunig (SPD), verwies aber dennoch auf ihre Kritik. „Es ärgert mich, dass viele Punkte im Gesetz schwammig sind und die Kommunen auf den Kosten sitzenbleiben.“ Insbesondere verwies sie auf Aussagen der CDU-Landtagsabgeordneten Ursula Körtner, die Bürgermeister Andreas Grossmann heftig unter Beschuss genommen hatte. Wie berichtet, hatte es Körtner im Mai als völlig ausreichend erachtet, die Schule für 40 000 Euro herzurichten; die Befürchtung des Bürgermeisters vor Kosten von bis zu 300 000 Euro bezeichnete sie als „Unverschämtheit“. „Was der Bürgermeister von Anfang an gesagt hat, ist eingetreten“, verwies Leunig darauf, dass mit den nun geplanten Umbauten erst ein Teilbereich abgedeckt werde. Auch Grossmann sagte auf Nachfrage von Claudia Aldag (CDU), dass laut aktueller Rechtslage bis 2018 in Börry und Amelgatzen die Schulen umzubauen seien. Deshalb bleibe er bei seiner provokanten These, dass es „flächendeckend den Tod kleiner Schulen bedeutet“, wenn es bei der Rechtslage bliebe. Doch aus seiner Sicht sei man gut beraten, noch einige Jahre abzuwarten, ob es dann Erfahrungswerte und damit auch Änderungen gebe.

Etwas mehr Geduld mahnte auch Börrys Schulleiterin Anke Schmidt an, nachdem in der langen Diskussion viele Eventualfälle aufgekommen waren. In 18 Jahre habe es in Börry nur ein körperbehindertes Kind gegeben, ohne dass dafür eine Barrierefreiheit notwendig gewesen wäre. Unabhängig davon befürchtet die CDU allerdings weitere Investitionen, besonders für den Brandschutz, wie Fraktionsvorsitzender Rudolf Welzhofer sagte und deshalb Abstimmungsgespräche bei einem Ortstermin mit dem Ausschuss in der Kirchohsener Schule forderte. Zwar gebe es noch etwas Unsicherheit, doch sei zum Brandschutz bereits eine mögliche Lösung in Aussicht gestellt worden, so der Bürgermeister. „Definitiv wissen wir das aber erst mit der Baugenehmigung.“

Für die Grundschule Kirchohsen hat ein Architektenbüro Vorschläge und Zahlen vorgelegt, wie sie behindertengerecht umzubauen ist. Dort sind Treppenlifte und Rampen geplant.

Foto: Wal



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