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Schloss startet in die Saison / Angebot bei Führungen erweitert – inklusive Familienbibel von 1584

Traumhafte Kulisse, lehrreiche Zeitreise

HÄMELSCHENBURG. Manche Besucher genießen einfach nur einen Spaziergang rund um das Rittergut, gut 20 000 Teilnehmer nutzen sogar jährlich die Führungen im Schloss Hämelschenburg, das in die neue Saison startet. Für viele aber steht fest: Das Hauptwerk der Weserrenaissance ist immer einen Besuch wert.

veröffentlicht am 04.04.2017 um 12:43 Uhr
aktualisiert am 04.04.2017 um 15:45 Uhr

In voller Blüte stehen die Osterglocken vor dem Hauptwerk der Weserrenaissance. Rund 20 000 Besucher nehmen pro Saison an Schlossführungen teil. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Einen Traumstart erlebt das Schloss Hämelschenburg mit Beginn der neuen Saison am ersten April-Wochenende. Es scheint, als hätten die Besucher nur darauf gewartet, dass endlich die Winterpause am Rittergut endet, in der beispielsweise das Dach der Remise auf dem Gutshof neu gedeckt und die Schlossräume renoviert wurden. Bewundernde Blicke für die unzähligen Osterglocken, die dem Areal mit dem Hauptwerk der Weserrenaissance leuchtend gelbe Pracht verleihen, ein Spaziergang entlang der Weiden, auf denen die Fohlen der Trakehner weiden, zur Emmer mit der alten Wassermühle – und natürlich für viele eine Führung im Schloss selbst. „Eine märchenhafte Anlage mit authentischer Geschichte, die lehrreich ist“, sagt Lippold von Klencke, warum wohl für viele Gäste das Rittergut ein Erlebnis der besonderen Art ist.

Der Besitzer des Wasserschlosses, dessen Familiengeschichte seit 1437 mit dem Namen von Klencke verbunden ist, gibt sich selbst als geschichtsbeflissen bis ins kleinste Detail. Anschaulich vermittelt er die wichtigsten Ausstellungsstücke, die eine Zeitreise durch sechs Jahrhunderte bedeuten – und immer neue Schwerpunkte setzt.

Zum Luther-Jahr, in dem die evangelische Kirche an die Reformation vor 500 Jahren erinnert, fällt der Schlosskirche in Hämelschenburg eine besondere Bedeutung zu. Sie wurde 1563 von der Familie von Klencke errichtet und ist der älteste freistehende protestantische Kirchenbau in Deutschland. Aus Anlass des Reformations-Jubiläums präsentiert das Schloss die Familienbibel. Es handelt sich um ein Exemplar der Wittenberger Prachtbibel von 1584. Christine und Lippold von Klencke zeigen die Ausgabe, die erstmals 1572 in der Übersetzung von Martin Luther gedruckt wurde. Über der Vitrine, in der das wertvolle Druckwerk mit 222 Illustrationen und kommentierenden Inhaltsangaben sonst sicher aufbewahrt wird, hängen Lutherbilder. Die Bibel und die Bilder zeigten, wie „sehr sich die Schlosserbauer Jürgen Klencke und Anna von Holle dem damals neuen evangelischen Glauben verbunden fühlten“, erläutert der Nachfahre.

Der Beitrag von Christine und Lippold von Klencke zum Luther-Jahr: Sie zeigen die Prachtbibel der Schlossbesitzerfamilie. Foto: cb
  • Der Beitrag von Christine und Lippold von Klencke zum Luther-Jahr: Sie zeigen die Prachtbibel der Schlossbesitzerfamilie. Foto: cb
Weltweite Bekanntheit erreichen die Trakehner des Gestüts der Familie Langels. Die Fohlen sind derzeit ein Blickfang. Foto: cb
  • Weltweite Bekanntheit erreichen die Trakehner des Gestüts der Familie Langels. Die Fohlen sind derzeit ein Blickfang. Foto: cb

Traumhafter Saisonstart in Schloss Hämelschenburg from Dewezet on Vimeo.

Rund 50 Minuten dauern die Führungen, die pro Saison in der Regel rund 20 000 Gäste erreichen. Es gehört zum langjährigen Konzept, immer wieder neue Schwerpunkte zu setzen. Selbst wer in früheren Jahren schon die Räume besichtigt hat, kann stets etwas Neues entdecken. „Historische Zusammenhänge“ am Beispiel von Hämelschenburg erkennen, wie von Klencke sagt – und die manchmal weltweite Bezüge haben können.

„Hämelschenburg ist von dem leidvollen Weg zu Demokratie und Freiheit in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert nicht verschont geblieben“, erklärt er den neuen Ausstellungstrakt. „Die Dokumente und Bilder sollen darauf in einem eigenen Raum hinweisen.“ Dabei geht es zunächst um die Schlacht von Langensalza 1866, mit der nach dem Wiener Kongress erneut militärische Auseinandersetzungen in Europa begannen. Oder der 1870 von Preußen gegen Frankreich provozierte Krieg und später die beiden Weltkriege: Vier Angehörige der Familie von Klencke fielen. „Ihre Porträts mahnen an die Schrecken der Kriege“, meint der Schlossbesitzer. 1945 schließlich befreiten amerikanische und britische Truppen Hämelschenburg. Sie stellten das Schloss mit der Anordnung „Historic Monument“ unter ihren Schutz – eine vergrößerte Ausgabe des Dokumentes zeigt die Ausstellung. Darüber hinaus erinnert ein Stück der Berliner Mauer an die friedliche Wiedervereinigung.

Zwölf Schlossführer vermitteln den Besucher die Zeitreise. „Sehr qualifizierte“ Frauen und Männer, die engagiert mit unterschiedlichen Schwerpunkten und den Zielgruppen entsprechend mit der Geschichte vertraut machten. Lippold von Klencke: „Davon leben die Schlossführungen.“

Das Rittergut in bewegten Bildern zeigt das Video unter: www.dewezet.de

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