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Wie sich die Stallpflicht auf einen Biolandhof auswirkt

Stubenarrest für 7000 Hühner

SCHWÖBBER. Die Sorge vor der Vogelgrippe und die deshalb verordnete Stallpflicht für Geflügelnutztiere hat Folgen für Betriebe vor Ort. Die rund 7000 Hühner der Biolandbau-Grießehof KG in Schwöbber mussten aufgestallt werden – die sechs Hektar Auslauf auf der Wiese unterhalb des Lüningsberges sind für die Tiere tabu.

veröffentlicht am 16.01.2017 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 16.01.2017 um 19:50 Uhr

Im Wintergarten des Hühnerstalls in Schwöbber läuft der Betrieb „normal“ – trotz behördlich angeordneter Stallpflicht. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Schneesturmtief „Egon“ hat ein Wetter ins Weserbergland geweht, bei dem man eigentlich keinen Hund vor die Tür jagen möchte. Das Federvieh hat sogar bereits seit dem 28. November Stubenarrest – unabhängig vom Wetter. Die Stallpflicht für alle Geflügelnutztiere ist eine vorbeugende Maßnahme gegen eine Ausbreitung des Vogelgrippeerregers H5N1 durch Zugvögel. Sie wurde vor sieben Wochen vom Landkreis Hameln-Pyrmont in Absprache mit den Nachbarlandkreisen und dem Land Niedersachsen verhängt. Auch die rund 7000 Hühner der Biolandbau-Grießehof KG der Familie Bade-Klopprogge aus Grießem, deren Hühnerstall sich in Schwöbber befindet, mussten aufgestallt werden. Das bedeutet, dass sechs Hektar Auslauf auf der grünen, mit Büschen bewachsenen Wiese unterhalb des Lüningsberges zurzeit für das Geflügel tabu sind.

Drangvolle Enge herrscht in den Stallungen samt Wintergärten in Schwöbber dennoch nicht, denn ursprünglich war die Anlage 1998 für einen Besatz mit 9800 Tieren geplant und gebaut worden, wie Nils Klopprogge erklärt. Dennoch bedeutet die Stallpflicht für seine Mitarbeiterin Tanja Hülsmann, die sich um das Wohl der Hühner kümmert, mehr Aufwand. „Ich gehe öfter durch den Stall und streue Weizen, damit die Tiere mit dem Aufpicken beschäftigt sind. Und ich muss die Staubbäder öfter auffüllen“, erklärt sie. Allerdings: Das eigentliche Beschäftigungsprogramm für die Hühner hat sich durch die Stallpflicht nicht wesentlich verändert. Neben der regelmäßigen Weizengabe und der Einstreu von Dinkelspelzen haben die Tiere unabhängig von der Aufstallung auch leere Plastikkanister im Stall liegen, auf denen sie gerne herumtrommeln, wie die Mitarbeiterin berichtet. Auch die Picksteine und die Staubbäder sind eine ständige Einrichtung im Stall, ebenso wie die Zufütterung von Kartoffeln und Roter Bete. „In schneereichen oder kalten Wintern halten sich die Hühner ohnehin vorwiegend im Stall und den angrenzenden Wintergärten beziehungsweise in schneefreien, wärmeren Bereichen in unmittelbarer Nähe zum Stall auf“, berichtet Hülsmann. Das sei ein ganz natürliches Verhalten bei den Hühnern – genau wie bei den Menschen: „Es gibt Stubenhocker und welche, die Wind und Wetter trotzen“, so ihre Erfahrung. Auch auf die strikte Einhaltung der hygienischen Standards muss immer geachtet werden – Vogelgrippe hin oder her.

Information

Freilandeier aus dem Stall?

Warum werden noch immer Freilandeier verkauft, obwohl die Hühner doch im Stall bleiben müssen? Das fragen sich derzeit viele Verbraucher. Tatsächlich gilt nun eine Zwölf-Wochen-Regelung, wonach Tiere bis zu zwölf Wochen lang im Stall bleiben und die Eier dennoch als Freiland-Eier verkauft werden dürfen. Hält die Stallpflicht noch länger an, werden die Eier bei konventioneller Haltung als Produkt „aus Bodenhaltung“ vermarktet. In diesem Fall müssten die Produzenten Einbußen beim Erlös rechnen. Für

Bio-Eier gilt eine andere Regel: Dort muss ein Huhn ein Drittel seines Lebens in Freilandhaltung verbracht haben – die Bauern haben dort also mehr Spielraum.

In Niedersachsen werden immer mehr Bio-Eier produziert. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium ist die Anzahl der Legehennen in Freiland- oder Bio-Haltung von zwischen 2012 und 2015 um 35 Prozent gestiegen. Fast jedes zweite Bio-Ei in Deutschland kommt aus Niedersachsen.red/dpa

Auf die Legeleistung von täglich etwa 6500 biolandzertifizierten Eiern hat die Stallpflicht bisher keine negativen Auswirkungen gehabt, erklärt Nils Klopprogge. Obwohl den Hühnern zurzeit der nach den europäischen Verordnungen vorgeschriebene grüne Auslauf fehlt, dürfen die Eier als biolandzertifiziertes Freilanderzeugnis bezeichnet werden. Denn die Aufstallung ist nicht vom Halter ausgegangen, sondern wurde von staatlicher Seite angeordnet, erläutert Klopprogge. Die nach strengen biologischen Richtlinien aufgezogenen Junglegehennen waren alle erst unmittelbar vor der Verhängung der Stallpflicht in den Hühnerstall eingezogen. „Bei uns wird nach dem Raus-Rein-Prinzip gearbeitet. Erst wird der Stall komplett geräumt und gereinigt und wenn im Anschluss die Behörden alles als hygienisch abgenommen haben, erst erfolgt ein neuer Besatz“, erläutert der Hühnerhalter. Dadurch hatten sich die Tiere an den großen Auslauf der Bio-Freiland-Haltung rund um den Stall noch gar nicht gewöhnen können. „Das war soweit vorteilhaft für uns, weil wir den Tieren den Auslauf ins Freigelände nicht erst wieder abgewöhnen mussten“, erklärt Hülsmann. Auch gibt es keine Probleme mit den ungestutzten Schnäbeln der Hühner. Anders als in konventionellen Geflügelställen, in denen das Stutzen der Schnäbel erst seit kurzem verboten ist, wurden in der Öko-Freilandhaltung die Schnäbel der Tiere nie gestutzt. „Dadurch können wir schon von einer jahrelangen Erfahrung profitieren, während andere erst noch am Anfang stehen“, sagt der Bio-Landwirt. Gute Erfahrungen hat Tanja Hülsmann auch mit den 40 Hähnen im Stall gemacht. „Die sehen alle gut aus“, berichtet sie nach einem prüfenden Blick auf die Gockel im Wintergarten. Im Stall wird derweil ein genau auf die gesetzlichen Vorschriften abgestimmtes Lichtprogramm gefahren. „Es würde gar nichts bringen, die Tage künstlich durch eine längere Beleuchtung des Stalls auszudehnen. Das würde die Tiere nur aggressiv machen“, sagt die Hühnerfachfrau – und verweist dabei wieder auf das Beispiel Mensch: „Entzieht man einem Menschen Schlaf, wird auch er aggressiv und seine Leistungskurve fällt ab.“

Grießehof-Mitarbeiterin Tanja Hülsmann stellt die Eier zur Abholung bereit. Auf die Legeleistung hat die Stallpflicht bisher keine negativen Auswirkungen. Foto: sbr


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