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Vorbereitende Arbeiten für den Windpark beginnen mit Missverständnissen und Unmut

Streit um Sperrung

EMMERTHAL. Der Ärger schaukelt sich regelrecht hoch – beim Thema Windkraft kommt Emmerthal nicht zur Ruhe. Wegen zunächst offenbar fehlerhafter Ausschilderung auf der Baustelle zwischen Grohnde und Kirchohsen fühlten sich die Spaziergänger in der Feldmark zwischen Ortskern und Wald komplett ausgegrenzt.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 11:06 Uhr
aktualisiert am 06.03.2018 um 17:50 Uhr

Noch in diesem Monat sollen die Fundamente für die Windkraftanlagen errichtet werden. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Und obwohl seit dem Wochenende die Zeiten für das Verbot der Durchfahrt und des Durchgangs im großräumigen Baustellenbereich von montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr präzisiert sind, ebbt die Diskussion nicht ab. Die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmmertal“ sieht die Entwicklung vor allem in einem Zusammenhang mit einem unsachgemäßen Umgang mit Betriebsstoffen im Umfeld des Trinkwasserbrunnens. Vorsitzender Stephan Stallmann bekräftigt: Die Verbotsschilder wirkten auf ihn wie das „Aussperren wachsamer Bürger“, die eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung bemerkt hätten.

Bekanntlich hatte die Polizei am letzten Februar-Wochenende nach der Anzeige eines Einwohners aus den Reihen der Kritiker ermittelt, dass Täter rund 600 Liter Diesel aus den Tanks von Baggern abgezapft hätten. „Ich persönlich kann mir einen Dieselklau nicht vorstellen“, meint hingegen Stallmann, der befürchtet, dass der Kraftstoff auch versickert sein könnte – eine Gefährdung des Trinkwassers sei nicht auszuschließen.

Ende vergangener Woche schlug die Stimmung bei den Einwohnern um, als Schilder auf das Verbot hinwiesen, die Wege im Baustellenbereich zu nutzen. Spaziergänger und Radfahrer, für die das Gebiet zur Naherholung dient, meldeten sich auch in der Redaktion, um sich über die Sperrung zu beschweren.

Erst fehlte das untere Zusatzschild mit den Zeiten der Sperrung – die Einwohner fühlten sich ausgegrenzt. Foto: cb
  • Erst fehlte das untere Zusatzschild mit den Zeiten der Sperrung – die Einwohner fühlten sich ausgegrenzt. Foto: cb

Volles Risiko, die Zeit drängt ja auch.

Stephan Stallmann, Sprecher Bürgerinitiative

Auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative eskalierte die Wut. „Wir haben immer auf den Verlust der Heimat hingewiesen – jetzt beginnt er“, schrieben die Gegner des Projekts und ernteten in den Kommentaren reichlich Zustimmung.

Da sah sich am Freitag sogar Bürgermeister Andreas Grossmann („Allerdings werde ich das auch nur dieses eine Mal tun“) veranlasst, via Facebook den empörten Einwohnern die Hintergründe für die Ausschilderung zu nennen, die nicht in Verantwortung der Gemeinde steht. Die verkehrsbehördliche Anordnung des Landkreises Hameln-Pyrmont basiere auf einem Antrag des Investors vom 16. Februar. „Eine Verbindung zu dem Dieselklau vom letzten Wochenende herzustellen ist also unredlich“, meinte Grossmann, der insbesondere Sicherheitsgründe anführte. Im Vorfeld hätten Verkehrsbesprechungen stattgefunden, an denen neben anderen der Gemeindebrandmeister mit seinen beiden Stellvertretern und der Ortsbrandmeister von Grohnde teilgenommen hätten.

Für den Investor Ebert Erneuerbare Energien verweist Christian Nowack ebenfalls auf Sicherheitsaspekte. Die Gemeinde hätte sich gewünscht, dass grundsätzlich jederzeit der Zugang für die Einwohner möglich bleiben solle. Das sei aber nicht zu verantworten. „Es handelt sich um eine Großbaustelle“, sagt Nowack. Mitte bis Ende März werde mit den Fundamentarbeiten begonnen. Das bedeute für jede der acht geplanten Windkraftanlagen Fahrten mit Lkw und Betonmischern im unteren dreistelligen Bereich. Der Landkreis habe sogar zunächst vorgeschlagen, deshalb Absperrbaken aufzustellen. Nun gebe es den Kompromiss. Dass es zu Missverständnissen wegen der zu spät angebrachten Zusatzschilder mit den eingeschränkte Zeiten gekommen sei, bedaure er. Ob Ausschilderung oder der Fall mit dem Diesel – so hebt Nowack aber gleichzeitig hervor: „Es ist unglücklich, was passiert ist, aber es ist unglaublich, wie es nun dargestellt wird.“ Außerdem verweist er darauf, dass sein Unternehmen einen unabhängigen und im Landkreis anerkannten Umweltgutachter beauftragt habe, die Arbeiten vor Ort zu begleiten. „Unsere Maßnahmen gehen weit über das hinaus, was in Trinkwasserschutzgebieten notwendig ist“, sagt er.

Das stellt die Bürgerinitiative aber weiterhin infrage. „Volles Risiko, die Zeit drängt ja auch“, wirft ihr Sprecher Stallmann den Investoren vor, gegen Auflagen des Landkreises als Genehmigungsbehörde zum Schutz des Trinkwassers zu verstoßen. Außerdem meint er mit Blick auf den zeitweise gesperrten Baustellenbereich, dass die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt werde. Teilweise nicht mehr zugänglich sei ein Areal mit einer Größe von 1000 Hektar, so Stallmann. Die Konzentrationsfläche für die acht Windkraftanlagen zwischen Grohnde und Kirchohsen umfasse jedoch gerade einmal 150 Hektar. Und der Sprecher der Gegner warnt: Wenn die Windkraftanlagen erst einmal in Betrieb seien, könnte das Naherholungsgebiet künftig im Winter häufiger gesperrt werden – da die „Gefahr des Eiswurfs und Eisabfalls besteht“.



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