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In Börry demonstrieren Frauen immer noch die Tradition des Kaltmangelns / Aufwendiges Verfahren

Statt Bügeleisen waren Kraft und Zeit gefragt

Börry (gm). Das Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry hat wieder seine Pforten geöffnet. Die alten Handwerksberufe, die dort regelmäßig präsentiert werden, stellt die Dewezet in einer Serie vor – heute: die Tradition des „Kaltmangelns“.

veröffentlicht am 25.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 04:21 Uhr

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Es war niemals ein zu erlernender Beruf, aber es war in der vorletzten Jahrhundertwende eine unverzichtbare Tradition, dass in bestimmten Guts- und Bauernhäusern eine Kaltmangel vorgehalten wurde, bei der alle zahlungsfähigen Dorfbewohner ihre Leinen-, Bett- und Leibwäsche plätten konnten. „Einmal wöchentlich haben sich früher die Frauen zum Kaltmangeln getroffen“, erzählt Dr. Heike Hörning, die sich aufgrund der Börryer 1000-Jahr-Feier im Jahr 2004 intensiv mit dem damaligen Ort „Villa Barigi“ auseinandergesetzt hatte, um mit weiteren Heimat- und Familienforschern eine anschauliche und nachhaltige Chronik des Ilsetaldorfes zu verfassen.

Mehrere Helfer müssen mit anfassen

„Wer damals kein Geld hatte, bezahlte seinen Obolus in Naturalien“, sagt Heike Hörning, die das ehemalige Bügel- und Plättverfahren als umweltfreundlich bezeichnet. Die aus Mangelholz und Mangelbrett bestehende Kastenmangel war seinerzeit der Vorläufer der hölzernen Wäschemangel, daher auch ungewöhnlich schwer und nur durch mehrere Personen zu bedienen. „Bei der Kastenmangel ersetzten massive Felssteine im Holzkasten (Mangelschlitten) die Körperkraft, die notwendig ist, um genügend Druck auf die gerollte Wäsche auszuüben“, erklärt Marianne Vespermann, die zu berichten weiß, dass früher auch Kinder in den druckausübenden Holzkasten gesetzt wurden und ihren Spaß dabei hatten, wenn sie als Druckgewicht über die bespannten Mangelhölzer geschoben wurden.

Die größte Kunst des Kaltmangelns besteht darin, die zu plättenden Stoffe ganz fest und glatt um das etwa 70 Zentimeter lange und acht Zentimeter Durchmesser umfassende Mangelholz zu wickeln, die beim Mangeln aber immer durch ein Rolltuch geschützt wurden, das mit drei bis vier Wickelumdrehungen für den seidenähnlichen Glanz des zu bearbeitenden Wäschestücks garantierten. Ungefähr 40- Mal wurde jede bespannte und aufgerollte Stoffwalze unter dem Mangelschlitten hin und her bewegt, um den nötigen Erfolg zu erzielen, den man heute mit einem Dampfbügeleisen innerhalb von wenigen Sekunden ohne jeglichen Kraftaufwand erreicht. Die Damen des Landfrauenvereines Börry sind natürlich von der Kaltmangel in ihrem Museum für Landtechnik und Landarbeit begeistert und verraten allen Museumsbesuchern, wie euphorisch früher in geselliger Damenrunde gemeinsam geplättet wurde.

Marianne Vespermann (Mitte) erklärt (v. l.) Britta Steinbrück, Leonore Bartels und Ria Vespermann die Technik der Kastenmangel, während Dr. Heike Hörning (r.) das Leinentuch für die Bespannung vorbereitet.

Foto: gm

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