weather-image
Aerzener pflegt Ostalgie und sein Kultauto / An das Original erinnert nur noch die Stoßstange

Spaß mit 26 PS – Marko und seine Rennpappe

Aerzen (sbr). Insgesamt 3 051 385 Mal lief er von 1957 bis 1991 vom Band des VEB Sachsenring Automobilwerk Zwickau: der Trabant, das Kultobjekt made in DDR, liebevoll von seinem Besitzer als Trabi oder Rennpappe bezeichnet und mit so kultigen Vornamen wie beispielsweise Schorsch bedacht. Anfang dieses Jahres waren beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg gerade noch 38 912 dieser Wahrzeichen der Ostalgie registriert. Eines der Kultautos knattert mit seinem Zweitaktmotor, dem charakteristischen Geruch und gerade mal 26 Pferdestärken unter der Kunststoff-Motorhaube durch Aerzen und ist der ganze Stolz von Marko Hansemann.

veröffentlicht am 02.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

Marko Hansemann in seinem Trabi 601. Er hat das meist gebaute Mo
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vom Schrott geholt und umgebaut

Der 36-jährige Aerzener ist seit 1996 Besitzer eines Trabi 601, dem meistgebauten Modell der Trabant-Baureihe. „Schon als Kind habe ich meinem Nachbarn in Brandenburg geholfen, wenn der in der Garage an seinem Trabi schraubte“, erinnert sich Marko gern an seine Kindheit in der ehemaligen DDR. 1991 zog die Familie ins Weserbergland. Kurz nachdem seine ältere Schwester Marina ihren Trabi bei einem Aerzener Autohändler in Zahlung gegeben hatte, konnte Marko Hansemann es nicht länger mit ansehen, dass das Stück DDR-Geschichte auf dem Hof zwischen Autowracks auf seine Verschrottung wartete. Er kaufte den Trabant, Baujahr 1985, und begann ihn zu einer echten Rennpappe umzubauen. Die Kotflügel wurden verbreitert, eine Heckscheiben-Jalousie sowie ein Motorhaubenaufsatz angebracht. Auch der Kühlergrill, der serienmäßig beim Trabant eigentlich nur eine Attrappe ist und dem Fahrzeug lediglich eine sportliche Note verleihen soll, wurde von dem Hobbyschrauber ausgetauscht. Letztendlich bekam der Tuning-Trabi noch die für Rennwagen typische rote Lackierung verpasst und dem Fahrspaß stand nichts mehr im Weg.

An den ehemals weißen „DDR-Straßenflitzer“ mit seinem hellgrünen Dach erinnerte lediglich noch die verchromte Stoßstange. Von 1998 bis 2000 nahm Marko Hansemann regelmäßig an den Internationalen Trabanttreffen in Zwickau teil. „Neben dem Sehen und Gesehenwerden standen dort vor allem die Wettbewerbe im Mittelpunkt des Kult-Treffens“, erzählt der Trabant-Fahrer. „Bei einer Prüfung ging es beispielsweise darum, mit einem Wasserbecher in der einen und dem Lenkrad in der anderen Hand, den Trabi möglichst geschickt durch den Hindernisparcours zu steuern – ohne Servolenkung selbstverständlich!“, erinnert sich der Trabi-Fan. „Zu den vielen Teilen, über die ein Trabant im Vergleich zu anderen Fahrzeugen nicht verfügt, gehören neben der Servolenkung nämlich auch die Benzinpumpe, das Motoröl und der Ölfilter. Er hat keine Ventile im Motor, keine Nockenwelle und Zahnriemen, benötigt kein Kühlwasser, keine Kühlwasserpumpe und auch nicht den dazugehörigen Kreislauf, keinen Kühlergrill, keine Unterbrecherkontakte und keinen Zündverteiler. Auch einen Bremskraftverstärker oder Bremsscheiben sucht man vergebens. Ebenso wie die Knüppelschaltung oder das Schloss an der Beifahrertür – beim Trabant Fehlanzeige!“, schmunzelt der gelernte Metallbearbeiter.

„Der Trabi ist ein Stück Heimat“

Braucht seine Rennpappe mal ein Ersatz- oder Tuningteil, besorgt Marko Hansemann sich dieses über eine Internetbörse. „Damit habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht“, so der Vater einer Tochter. Trabifahren ist auch für Tochter Franziska ein Riesenspaß und etwas ganz Besonderes. „Die Leute gucken dann immer, wenn wir vorbeifahren, oder sie sprechen Papa auf seinen Trabi an“, erzählt die Siebenjährige, die aber meistens im Familienauto, einem Opel Zafira, mitfährt, denn der Trabant ist ein Schönwetterauto mit einem Saisonkennzeichen, der die Garage auf gar keinen Fall bei Regen verlässt. Mutter Anja überlässt das Trabantfahren sowieso dem Fachmann. „Mit der Schaltung käme ich gar nicht zurecht. Ich erhielt die lange ersehnte Bewilligung, den Führerschein machen zu dürfen, kurze Zeit nach der Wende und absolvierte meine Fahrstunden und die Führerscheinprüfung bereits auf einem Auto mit einer richtigen Schaltung“, wie sie betont. Der Trabant verfügt über eine sogenannte Krückstockschaltung, deren Bedienung auch Marko Hansemann von seiner Schwester und Vorbesitzerin des Trabis erst lernen musste.

270_008_4131636_lkae103_03.jpg
Spartanisch ist das Innenleben des „Renn-Trabis“.
  • Spartanisch ist das Innenleben des „Renn-Trabis“.

Trotz allem – fragt man den 36-Jährigen, warum er Trabant fährt, und er hat die Antwort sofort parat: „Der Trabi ist ein Stück Heimat!“, so der Wahlaerzener. Gern würde er zu Trabifreunden aus der Umgebung Kontakt aufnehmen und sich mit ihnen über das nicht alltägliche Hobby, an dem es immer etwas zu werkeln oder schrauben gibt, austauschen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt