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Späte Gewissheit auf dem Schlachtfeld von Stalingrad

Aerzen (sbr). Über 65 Jahre nach dem Ende der erbitterten Kämpfe um Stalingrad haben noch immer tausende Familien in Deutschland keinen Hinweis über den Verbleib ihrer Angehörigen, deren Spuren sich 1942/43 in der Steppe zwischen Don und Wolga verloren haben. Einer dieser Angehörigen war bis vor kurzem auch Walter Bohne aus Aerzen, dessen Vater August aus der Schlacht von Stalingrad nicht zurückkehrte. Lange galt der Soldat der 6. Armee von General Friedrich Paulus als vermisst. Nach vielen Jahren nun standen die Angehörigen in Stalingrad an der Gedenkstätte, die an August Bohne erinnert.

veröffentlicht am 12.11.2010 um 13:32 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

stalingrad
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Aerzen. Über 65 Jahre nach dem Ende der erbitterten Kämpfe um Stalingrad haben noch immer tausende Familien in Deutschland keinen Hinweis über den Verbleib ihrer Angehörigen, deren Spuren sich 1942/43 in der Steppe zwischen Don und Wolga verloren haben. Einer dieser Angehörigen war bis vor kurzem auch Walter Bohne aus Aerzen, dessen Vater August, wie hunderttausende anderer Soldaten auch, aus der Schlacht von Stalingrad, eine der größten Schlachten des 20. Jahrhunderts, nicht zurückkehrte. Lange galt der Soldat der 6. Armee von General Friedrich Paulus als vermisst. Seine sterblichen Überreste wurden auf dem riesigen Schlachtfeld am Mamajewhügel bisher nicht gefunden. „Meine Mutter hat das grausame Schicksal meines Vaters Zeit ihres Lebens verdrängt, nie aufklären wollen und auch nicht darüber gesprochen. Erst als es um ihre Rentenansprüche ging, ließ sie ihren Mann auf Drängen von uns Kindern für tot erklären“, berichtet der 71-Jährige. Walter Bohne akzeptierte die Einstellung seiner Mutter, allerdings war für ihn die eigene Familiengeschichte immer unvollständig. „Nachdem nun auch meine Mutter vor einigen Jahre verstorben war, wollte ich endlich Gewissheit über das Soldatenschicksal meines Vaters haben, um für mich einen Abschluss zu finden“, erklärt der Aerzener seine späten Nachforschungen. Nach einer Radiosendung über die Zusammenarbeit des Deutschen Roten Kreuzes und des Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge nahm seine Lebensgefährtin Cilli Hausdorf vor drei Jahren Kontakt mit dem Sender auf. „Nach einigen Monaten bekamen wir die Antwort, dass an die deutschen Vermissten von Stalingrad seit dem Jahr 2006 107 große Granitwürfel erinnern, mit 103.234 in alphabetischer Reihenfolge eingravierten Namen. Im Gesamtnamensbuchs der deutschen Kriegsgräberstätte Wolgograd - Rossoschka des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind die Namen von 173.055 gefallenen und vermissten Stalingradopfern zusätzlich dokumentiert, darunter auch der Name August Bohne“, berichtet Cilli Hausdorf. Mit diesen Informationen machte sich das Paar gemeinsam mit einer Reisegruppe im Sommer dieses Jahres auf den Weg, um die deutschen wie russischen Gedenkstätten in der Nähe des ehemaligen Schlachtfeldes am Mamajewhügel zu besuchen. Und in Rossoschka auf dem Granitblock mit der Nummer acht, auf der dem Himmel zugewandten Seite, ganz unten in der linken Ecke fanden sie nach über 65 Jahren die Bestätigung, vor der sich Walter Bohnes Mutter Frieda ein ganzes Leben lang gefürchtet hatte: „August Bohne, geboren am 24.12.1912, gestorben im Januar 1943“.

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