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In Grohnde schlummert eine einzigartige Sammlung: Karl-Heinz Weckmanns privates Archiv

So langsam wird’s eng

GROHNDE. Der Kellerraum ist bis zur Decke gefüllt. Rund 50 Ordner, Bücher, Chroniken stehen in den Regalen und sind fein säuberlich sortiert. „In den Ordnern sind Zeitungsartikel aus Emmerthal, dem Landkreis und Politik abgeheftet“, erklärt dazu Karl- Heinz Weckmann, Eigner des privaten Archivs.

veröffentlicht am 25.01.2017 um 10:41 Uhr

Ein wahrer Schatz im Archiv von Karl-Heinz Weckmann sind alte Zeitungsartikel aus der Region. F.: ubo
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Autor

Uwe Bosselmann Reporter
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„Ich habe alles gesammelt, was mich interessiert hat, besonders natürlich alles aus Grohnde und der Gemeinde. Dann kamen der Landkreis und die Politik dazu“, führt er weiter aus und zeigt auf einen Stapel Zeitungen auf ein Regal links der Eingangstür. „Da wir nur einmal einen Jahrtausendwechsel erleben, habe ich einen ganzen Jahrgang der Dewezet gesammelt“, so der Grohnder. Einen ebenfalls großen Fundus bilden die gesammelten Chroniken, die viele Dörfer und Ortschaften im Laufe der Jahrzehnte veröffentlicht haben. „Ich habe mir jede zugängliche Chronik gekauft“, verweist der private Archivar auf die stattliche Sammlung. „Da steckt auch eine Menge Geld drin“, gibt Weckmann leise zu. Auch die älteste Chronik von Grohnde findet sich in dem privaten Archiv. „Sie ist von Friedrich Christian Johan Klecha. Er war um die Jahrhundertwende königlicher Förster hier in Grohnde“, zeigt sich der Besitzer stolz. Damit bietet die Sammlung ein einmaliges Nachschlagewerk. Allerdings wird der Raum mittlerweile zu klein.

In seinem Berufsleben war Karl-Heinz Weckmann, der in Bad Sachsa aufwuchs, gelernter Elektroinstallateur und arbeitete zu Beginn bei den Stadtwerken Bad Sachsa. Durch einen Nachbarn erhielt er 1965 die Möglichkeit in Dschidda (Saudi-Arabien) zu arbeiten. „Die Arbeitsvermittlung, um in Saudi-Arabien arbeiten zu können, läuft über eine Arbeitsvermittlung in Frankfurt/ Main. Dort habe ich mich auch beworben“, erzählt Weckmann. Bis 1971 arbeitete der Elektroinstallateur in dem arabischen Land. Seine Frau Helma (verstorben 2014) war ebenfalls in Dschidda und auch ihre beiden Söhne erblickten die arabische Sonne der Welt. „Wie haben für die Stadtwerke Dschidda 15-Kilovolt-Leitungen verlegt. Damals war ich bei den Stadtwerken angestellt. Unser Chef war damals ein Pakistaner. Als Vorgesetzter hatte ich zum Teil 200 Mitarbeiter, meist aus dem Jemen“, blickt der Grohnder zurück. Schwierig war zum Teil die arabische Mentalität. „Es gilt das Wort ,Inschalla’ (so Allah will), erzählt der ehemalige Elektroinstallateur. „Wenn man irgendetwas benötigte oder wollte, hieß es nur ,Inschalla’. Und so bekam man es sofort, erst Tage später oder auch gar nicht. Es war schon abenteuerlich“, erinnert er sich. Nach der Rückkehr wohnte die junge Familie zunächst in Groß Berkel, bevor sie in Grohnde ihr Eigenheim errichtete. Karl- Heinz Weckmann arbeitete erst bei einer Emmerthaler Firma, bevor er die letzten 20 Jahre seines Berufslebens in der Verwaltung einer großen Hamelner Versicherung angestellt war. Im Jahr 2010 besuchte er mit seinen Söhnen und Schwiegertochter noch einmal die Stadt, die sich in den vergangenen 39 Jahren erheblich gewandelt hatte.

Angelegt wurde die private Sammlung erst seit Ende der 1980er Jahre. „Zunächst habe ich nur Zeitungsartikel über den Männergesangverein Eintracht aus Grohnde gesammelt. Dann kam der Sportverein, Naturschutz, über die Weser und das Deutsche Rote Kreuz hinzu. Bei der Renovierung des Pfarrhauses habe ich mitgeholfen. Dabei fielen mir Konfirmandenbilder in die Hände. Sie waren in Kartons abgelegt. Auf meine Frage, wer auf den Bildern ist, erhielt ich keine Antwort. Und so habe ich alle Kirchenbücher ab 1876 monatelang abgeschrieben. Anschließend wurden alle Einträge in den Computer eingegeben“, zeigt der 80- Jährige die Arbeit auf, die hinter dem Archiv steht. „Das war teilweise eine richtige Detektivarbeit. Zumal die Bücher mal in Deutsch, Lateinisch und entsprechend kryptisch geschrieben sind.“ In zahlreichen Mappen finden sich heute Bilder der Konfirmationen, fein säuberlich mit den Namen beschriftet. „Die Namen zu erfahren, war ebenso schwierig. Viele Zeitzeugen sind von uns gegangen. Und so habe ich viele Besuche bei Grohndern gemacht, um die Namen der Konfirmanden zu erfahren und die Bilder zu beschriften“, erzählt er weiter. Der Aufwand lässt sich anhand der zahlreichen Bilder nur erahnen.

Derzeit hat sich Karl-Heinz Weckmann die Einschulungsbilder der alten Grohnder Schule ab 1925 vorgenommen. Diese alten Schwarz-Weiß-Bilder sind so gut erhalten, dass noch jedes Gesicht genau zu erkennen ist, ebenso wie Kirchenbilder, die ihm noch in die Hände fielen. „Das älteste Bild ist von 1895. Das wird noch Arbeit“, blickt der 80- Jährige voraus. Auch für diese wird der Archivar die Namen finden und die Bilder fein säuberlich beschriften, um sie der Nachwelt zu erhalten.

Eine Bitte hat der Grohnder Archivar noch. „Ich bitte darum, dass mir Einwohner Bilder, Dokumente und so weiter aus Grohnde ausleihen. Die Bilder und Dokumente sollen digitalisiert werden, um die Sammlung zu vervollständigen. Die Originale werden selbstverständlich zurückgegeben“, verspricht der Grohnder und zeigt ein Gruppenbild vor einem Fachwerkhaus. Die Namen, der Ort und die Zeit sind unbekannt. Die Arbeit an unserem archivischen Gedächtnis in Grohnde wird nicht enden.



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