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Die Ersten im Landkreis: Emmerthaler Feuerwehrleute sind nun Spezialisten in Sachen Bahn-Erdung

Sicherheit bei 7000 Volt

Emmerthal. Dass Feuerwehren mitunter an der Einsatzstelle unter Spannung arbeiten, ist nichts Neues. Manchmal geschieht dies aber auch im wahrsten Sinne des Wortes unter Hochspannung. Immer dann nämlich, wenn sie bei Unglücksfällen oder Bränden auf einer elektrifizierten Strecke auf Bahngleisen tätig werden müssen. Um auch darauf vorbereitet zu sein, ließen sich jetzt 13 Emmerthaler Brandschützer als „Bahnerdungsberechtigte“ ausbilden.

veröffentlicht am 17.04.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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Sicherheit geht vor, das gilt auch für die Einsatzkräfte bei Bahnunfällen. Liegt die Einsatzstelle etwa an einer Bahnstrecke mit einer Oberleitung, die unter 15 000 Volt Hochspannung steht, gilt: Erst Strom abschalten und die Oberleitung erden, bevor die Rettungs- oder Löscharbeiten beginnen können. Denn auch an einer abgeschalteten Oberleitung liegt noch eine Spannung von bis zu 7000 Volt – es besteht also Lebensgefahr für Retter und zu Rettende durch einen Stromschlag. Die Oberleitung muss daher zunächst geerdet und der Strom über die Schiene abgeleitet werden. Das darf aber nur durch ausgebildetes Fachpersonal mit besonderem Gerät durchgeführt werden.

„Zuständig ist zunächst einmal die Bahn AG, die einen Notfallmanager schickt“, berichtet der stellvertretende Gemeindebrandmeister Kay Leinemann. Doch der Manager hat manchmal eine weite Anfahrt, was zu Verzögerungen der Rettungsarbeiten führen kann. „Um das zu verhindern und damit wir zügig mit unseren Arbeiten beginnen zu können, haben wir uns in der Gemeinde entschlossen, einige unserer Einsatzkräfte für diesen Fall auszubilden. Diese Ausbildung wurde erstmals im Landkreis durchgeführt“, so Leinemann, der gleichzeitig Kreisausbildungsleiter ist.

In Sachen Bahnerdung wurden die neuen Brandschützer von der Schwerpunktwehr

Kirchohsen und von der Ortswehr Welsede geschult. In den beiden Ortswehren sollen auch die von der Bahn AG zur Verfügung gestellten Erdungsgarnituren stationiert werden. Dabei handelt es sich um eine fünfteilige Erdungsstange, zwei Erdungsseile mit Fahrdraht- und Schienenfußerdungsklemmen und einen fünfteiligen Spannungsprüfer. Wie man diese Geräte fachgerecht einsetzt, das lernten die Teilnehmer von Teamleiter Jens Steinbrück und Fahrwegmechaniker Tobias Bleibaum für den Bereich Oberleitung bei der Bahn AG aus Hameln in einem eintägigen Seminar, dass am Bahnhof Kirchohsen durchgeführt wurde. „Aufbau der Oberteilung, Bauteile, Sicherheitsabstände und fachgerechtes Arbeiten mit den Geräten, all das wird bei der Ausbildung in Theorie und Praxis vermittelt. Und die Gefahren beim allgemeinen Bahnbetrieb sind natürlich auch ein wichtiger Faktor“, verrät Tobias Bleibaum.

„Wir hatten diese Ausbildung allen Kommunen, die an der Bahnstrecke Paderborn – Hannover liegen, angeboten. Die Städte Bad Pyrmont, Hameln und Bad Münder haben darauf aber verzichtet, weil damit auch ein Vertrag mit der Bahn AG verbunden ist, den sie offensichtlich nicht schließen wollten“, erklärt der Kreisausbildungsleiter. Leinemann hält fest, dass die Feuerwehren nun keineswegs verpflichtet sind, das Bahnerden definitiv durchzuführen: „Sollten wir uns nicht dazu in der Lage sehen, weil es vielleicht zu risikoreich ist, ist weiterhin die Bahn AG in der Pflicht, ohne dass man uns einen Vorwurf machen könnte.“ Die Gemeinde sieht sich aber jetzt in der Lage, in ihrem Zuständigkeitsbereich in Sachen Bahnerden tätig zu werden. Nach dem Bahnunglück in Bad Münder 2002, wo es erhebliche zeitliche Verzögerungen beim Bahnerden gegeben hat, wurde zwar im Dezember 2003 ein Vertrag der Bahn AG mit der Stadt Bad Pyrmont (bei der Feuerwehr sind die Erdungsgarnituren stationiert) und den Stadtwerken Bad Pyrmont (stellt Fachpersonal zur Erdung) geschlossen. „Die Zuständigkeit endet aber laut Vertrag an der Bahnunterführung im Verlauf der B 83. Der Bahnhof und die Strecke Richtung Hameln waren darin nicht mehr enthalten“, erklärt der stellvertretende Gemeindebrandmeister. Er verweist auch darauf, dass an der Feuerwehrtechnischen Zentrale Kirchohsen bereits ein Bahnrettungssatz stationiert ist, der im ganzen Landkreis zum Einsatz kommt. „So könnte die Ortswehr Kirchohsen, die diesen Rettungssatz vor Ort bringt, eventuell auch in den anderen Kommunen das Bahnerden übernehmen, falls das der noch zu unterzeichnende Vertrag nicht ausschließt“, meint Leinemann.



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