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Panne bei DRK-Reise auf Mallorca: Gisela Meden (86) in prekärer Situation / Airline räumt Fehler ein

Seniorin hängt stundenlang am Flughafen fest

Aerzen (cb). „Hand in Hand von Anfang an“ wirbt das DRK-Reisebüro für „unbeschwerten Urlaub“, den Senioren „in bester Begleitung“ erleben können – für die 86-jährige Gisela Meden aus Aerzen endete der zweiwöchige Aufenthalt auf Mallorca hingegen wie ein Albtraum. Die behinderte Rentnerin wurde am Flughafen auf Mallorca einfach vergessen. Sie kam erst mit zwölf Stunden Verspätung auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen an. Ihr Sohn Jürgen Schulz-Meden, der sie dort am Sonntag in der Nacht abholte, stellte gestern Schadensersatzforderungen gegen die Fluggesellschaft und das DRK als Reiseveranstalter. „Warum hält es das DRK nicht für notwendig, eine alte gehbehinderte Frau zu begleiten?“, kritisiert er den Reiseveranstalter, der ausgerechnet mit dem Slogan „Mit Sicherheit erholt“ wirbt.

veröffentlicht am 03.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

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Es ist nicht die erste Reise für die 86-Jährige mit dem DRK. Auch diesmal sei sie „ausnahmslos begeistert gewesen“ von dem Aufenthalt in der Urlaubsregion Cala Millor, weiß ihr Sohn von der Organisation vor Ort. Doch dann scheint die Betreuung abzubrechen, wie Schulz-Meden versucht, den Abreisetag zu rekonstruieren. Die Mutter sei morgens um drei Uhr aufgestanden, offenbar die einzige Reiseteilnehmerin aus der Gruppe mit Senioren aus ganz Deutschland mit dem Ziel Hannover, die dann mit dem Bus zum Flughafen Palma gebracht wird. Dort hat sich wohl ein junger Mann ihrer angenommen, habe sie zum Einchecken begleitet. Mit der Ankündigung wiederzukommen, habe er sie alleingelassen.

Die Aerzenerin wartet, stundenlang. Der Sohn beschreibt sie als geduldig, aber dann habe die Aufregung zugenommen. „Ein Blutdruck jenseits von 200“, weiß Jürgen Schulz-Meden. Die Seniorin habe auf einen Arzt bestanden, der ihr schließlich ein Medikament gegeben habe. Nach zwölf Stunden kann sie schließlich ihren Heimflug antreten. „Warum ist kein Betreuer morgens mit aufgestanden? Warum ist meine Mutter nicht zum Flughafen begleitet worden?“, lauten die Vorwürfe des Sohnes.

Es gibt offenbar viele offene Fragen, die von den beteiligten Seiten derzeit noch geklärt werden müssen. „Das ist uns mehr als unangenehm“, bedauert Gabi Eger, Geschäftsstellenleiterin des DRK-Reisedienstes mit Sitz in Bremen. „Unsere Leistungen haben wir aber erfüllt“, sagt Eger, die der Aerzener Seniorin, die sie selbst auf Mallorca kennengelernt habe, ihr Bedauern ausspricht. Die Geschäftsstellenleiterin war gestern selbst noch bemüht, letzte Details zu klären. Sie wisse, dass Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes in Kontakt mit der Aerzenerin stünden.

Was für sie aber feststeht: Das DRK habe Frau Meden zum Flughafen begleitet und sie dort dem zuständigen Rollstuhlservice übergeben, der sie bis zum Abflugterminal bringen sollte. „In diesem Sicherheitsbereich haben wir aber keinen Zutritt“, sagt Gabi Eger. Dort stünden dann der Rollstuhlservice des Flughafens und die Fluggesellschaft Condor in der Verantwortung. Bei einer der beiden beteiligten Seiten müsse der Fehler liegen. Was die Verantwortliche des DRK-Reisedienstes allerdings verwundert: „Normalerweise dürfte der Flieger nicht starten, wenn nicht alle an Bord sind.“ Hinzu komme, dass die Fluggesellschaften informiert würden, wenn Rollstuhlfahrer unter den Passagieren seien. Nachdem das DRK von den Problemen erfahren habe, sei die Reiseleiterin umgehend zum Flughafen gefahren, sagt Gabi Eger, die für einige Tage selbst vor Ort auf Mallorca war. „Uns wurde versichert, dass sich um Frau Meden gekümmert werde“, betont sie und kündigt an, alle noch offenen Fragen im eigenen Interesse zu klären.

„Die Wartezeit von Frau Meden tut uns außerordentlich leid“, teilt ein Sprecher der Condor Flugdienst GmbH mit. „Aufgrund einer fehlenden Abstimmung zwischen den Dienstleistern vor Ort wurde Frau Meden leider nicht ordnungsgemäß geboardet. Mit Entdeckung des Fehlers wurde sie mit dem nächstmöglichen Flug nach Hause gebracht. Frau Meden wurde vor Ort betreut und Condor erstattet ihr selbstverständlich das Flugticket.“

Für Sohn Jürgen Schulz-Meden ist es nun wichtig zu erfahren, zu welchen Antworten die Rechtsanwaltskanzlei kommt, die mit den Schadensersatzforderungen beauftragt ist. Grundsätzlich kritisiert er, dass es offenbar erhebliche Kommunikationsdefizite bei den Beteiligten gegeben habe, durch die sich die Situation erst verschärft habe. Seine Mutter habe sich inzwischen von der Aufregung erholt – und plane bereits ihre nächste Reise im Herbst nach Kroatien, wie er berichtet. „Da habe ich selbst gestaunt“, sagt Schulz-Meden über die 86-Jährige. „Aber sie ist hart im Nehmen.“

Glückliches Ende einer Reise mit Hindernissen: Jürgen Schulz-Meden (li.) begrüßt auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen seine 86-jährige Mutter. Mit zwölf Stunden Verspätung traf sie ein.

F: Bild/Tunnat



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