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Seltene Spezies: Männer im Kindergarten

Aerzen (sbr). Sie gelten immer noch als Exoten in deutschen Krippen, Kindergärten und -tagesstätten: Männer, die den Beruf des Erziehers gewählt haben. Etwa 12 000 männliche pädagogische Fachkräfte arbeiten in ganz Deutschland in Kindertageseinrichtungen. Das sind etwas mehr als drei Prozent des dort beschäftigten pädagogischen Fachpersonals. Um über ihre Rolle in dem von Frauen dominierten Beruf zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen, trafen sich unlängst 170 Erzieher in Hannover. Einer der Teilnehmer der von der Gewerkschaft ver.di veranstalteten Tagung war Marco Friedrich aus Aerzen. Seit 2002 arbeitet der 30-Jährige als Erzieher im evangelischen Kindergarten „Unter dem Regenbogen“ in Aerzen. „Mittlerweile ist es mein Traumberuf“, erzählt Marco Friedrich offen.

veröffentlicht am 05.11.2009 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:41 Uhr

Erzieher
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Auch Michael Strathmann hat seine Liebe für den Beruf bereits früh entdeckt. Seit seinem 16. Lebensjahr engagiert sich der 38-Jährige mit großer Begeisterung ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit. Da lag die Entscheidung nah, aus dem Hobby den Beruf zu machen. „Ich bin der Faszination Kindergarten erlegen, mit all ihren Höhen und Tiefen“, erklärt er.
 Mittlerweile ist er Leiter des Kindergartens der evangelischen St. Johannis-Gemeinde in Groß Berkel. „Während meiner Ausbildung wurde ich durch eine damals allgemeine und häufige Berichterstattung mit dem Thema Kindesmissbrauch konfrontiert. Eltern haben mir deutlich zu spüren gegeben, dass man einem Mann einen Übergriff viel eher zutraut, als einer Frau. Ich habe daraus meine ganz persönlichen Konsequenzen gezogen und achte auch heute noch immer auf größtmögliche Transparenz bei all meinem Tun“, erklärt der Erzieher, der es durchaus bedauert, durch seine Leitungsposition auf die Verwaltung des Kindergartens festgelegt zu sein und nicht mehr so häufig an der Basis mit den Kindern arbeiten zu können.
 Schade findet Strathmann auch, dass „der Erzieherberuf gerade von anderen Männern nur mitleidig belächelt. Das Ansehen innerhalb der Gesellschaft ist nicht unbedingt riesengroß. Die Begrifflichkeit Kindergartenleitung hingegen wirkt da schon ganz anders und würde die Position gar als ‚Kindergartenmanager‘ beschrieben – schließlich führt man ein kleines mittelständiges Unternehmen – würde das dem Ansehen des ganzen Erziehungswesen eventuell noch einen gewaltigen Schub nach vorn geben“, ist sich Michael Strathmann sicher, der damit auch unterstreicht, dass das Erziehungswesen unter einem veraltetem öffentlichen Bild leidet.

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