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Rainer Gladtfeld sieht im Hufeisen kein Glückssymbol / Seit 15 Jahren beschlägt der Gellerser Pferde

Seine Devise: Jeder ist seines Glückes Schmied

Gellersen (sbr). Bereits im Altertum beschäftigten sich die Ägypter, die Griechen und die Römer mit dem Schutz der Hufe ihrer Pferde. Abenteuerliche Konstruktionen wie die Hipposandalen aus Bast oder Leder entstanden. Seit nunmehr 2000 Jahren werden Pferde mit Hufeisen beschlagen. Erfunden haben den eisernen Hufschutz die Kelten. Seit dem zwölften Jahrhundert ranken sich die unterschiedlichsten Geschichten um das angeblich Glück bringende und Böses abweisende Eisen. Im lutherischen Norden verbreitete sich die Deutung, dass einst der Heilige Dunstan von Canterbury, ein geschickter Hufschmied und Patron der Schmiede, Schlosser und Goldschmiede, den Huf des Teufels beschlagen haben soll. Der Heilige hörte erst mit dem festen Hämmern auf, als Luzifer versprach, all jene zu verschonen, die ein Hufeisen tragen. Fortan wurden Hufeisen mit der Öffnung nach unten über Türen, Tore, Eingänge und Kamine gehängt, in dem Glauben, weder der Teufel noch böse Geister können durch den eisernen Bogen ins Haus oder in den Stall gelangen. In ländlichen Gegenden glaubten die Menschen, das Hufeisen könne symbolisch schützend über dem Haus als Blitzableiter dienen. Für ein Anbringen des Hufeisens mit der Öffnung nach unten spricht auch die Deutung, dass das Glück so aus dem Eisenbogen ausströmen kann. „Ich kenne die Geschichte genau andersherum“, erzählt Rainer Gladtfeld aus Gellersen. „Man hängt das Hufeisen mit den beiden Enden nach oben auf, damit das Glück nicht herausfallen kann.“

veröffentlicht am 30.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 16:21 Uhr

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Er ist seit 15 Jahren Hufschmied und hat schon einigen abergläubigen Menschen zum „Glück“ verholfen, indem er ihnen alte Hufeisen schenkte. Vielen Pferden hat der 44-Jährige jedoch durch seine Arbeit zu einem schmerzfreien Auftritt verholfen. Ungefähr 500 neue Eisen werden von dem gelernten Elektriker und Schmied, der eine zusätzliche Ausbildung zum Hufschmied inklusive Beschlagprüfung absolviert hat, jährlich an die Hufe der Pferde geschlagen. Alle sieben bis acht Wochen kommt die Pediküre zum Pferd, nicht umgekehrt. Rainer Gladtfeld fährt mit seinem Werkstattwagen die Kunden im gesamten Landkreis und darüber hinaus an. Hufpflege ist Vertrauenssache, das bestätigen auch die Pferdebesitzer. „Es ist ein kraftaufwendiger Beruf, aber mit der Begeisterung für Pferde kam bei mir auch der Wunsch auf, beruflich mit den Tieren zu tun zu haben“, erklärt Rainer Gladtfeld den Umweg über die Berufsausbildung zum Elektriker und die Bundeswehr hin zum ausgebildeten Schmied und Hufschmied.

Für Nostalgie ist in der modernen Berufsausübung allerdings kein Platz mehr. „Ein geschürtes Kohlenfeuer, wie es in dem Traditionsberuf früher üblich war, gehört längst der Vergangenheit an. Neben einem Amboss und dem Werkzeug gehört ein Gasofen, der die Eisen auf etwa 800 Grad erhitzen kann, zur Ausstattung der rollenden Hufschmied-Werkstatt. Nur auf Messen und historischen Märkten zeigen meine Kollegen und ich, wie traditionell gearbeitet wurde“, erzählt Rainer Gladtfeld weiter und hat mittlerweile seine lederne Schmiedeschürze umgeschnallt. Mit Erfahrung und Augenmaß schneidet er die Hufe des Pferdes aus, passt die glühenden Eisen an, bearbeitet sie mit dem Hammer auf dem Amboss und befestigt sie anschließend mit Nägeln an den Pferdehufen. Es gibt in weit über zehn verschiedenen Größen Hufeisen allein in der Standardform, angefangen beim Pony- bis hin zum Kaltblüter-Hufeisen. Darüber hinaus werden Spezialhufeisen für besondere Anforderungen an das Pferd oder den Huf hergestellt. „Das klassische Hufeisenmaterial ist Stahl. Ein paar meiner Kunden bevorzugen Kunststoffbeschläge für ihre Pferde. Die Elastizität des Kunststoffes dämpft das Auffußen des Pferdehufs und schont die Gelenke“, erklärt der Hufschmied, bei dem das Wohl der Pferde immer im Vordergrund der Arbeit steht. Für den Pferdefreund ist es vollkommen in Ordnung, wenn Pferde, die auf der Wiese stehen oder im Winter nicht geritten, sondern nur in der Halle oder auf dem Reitplatz bewegt werden, barfuß, dass heißt ohne Eisen, laufen.

Rainer Gladtfeld ist übrigens nicht abergläubisch und hat kein Hufeisen über seiner Haustür hängen. Seine Devise lautet: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“

Ob fürs Pony oder den Kaltblüter, Hufeisen gibt es in vielen verschiedenen Größen (oben). Unten: Das Hufeisen sitzt, die Pediküre am Pferd ist nahezu abgeschlossen. Rainer Gladtfeld gibt dem Huf den letzten Schliff.

Fotos: sbr



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