weather-image
21°

Treffpunkt Wandersmanns Eiche: Besucher aus Australien, USA, Kanada und der Schweiz

Sehnsucht treibt Auswanderer nach Aerzen

Aerzen (sbr). Ein Baum, zwei Bänke mit Namensschildern samt Tisch, eine Schutzhütte und ein beflaggtes Holzschild mit der Aufschrift: Wandersmanns Eiche. Ein Fleckchen Erde oben auf dem Schierholzberg, das für viele nicht mehr ist als ein gepflegter Rastplatz im Wald, wie es ihn zu Hunderten an anderen Wanderwegen überall auch gibt. Nichts Besonderes eben. Für Erich Schütte aus Tura Beach in Australien und die vielen anderen Aerzener, die in der weiten Welt ihr Glück gesucht haben, ist dieser Ort zum Symbol für Heimat geworden. In diesem Jahr feiert der „Freundeskreis Wandersmanns Eiche“, der die Pflege des Platzes sowie das jährlich stattfindende Treffen organisiert und den Kontakt zu den Ausgewanderten aufrechterhält, sein zehnjähriges Bestehen. Eine solche Gelegenheit lässt Erich Schütte natürlich nicht aus, um seiner alten Heimat, Verwandten und Freunden wieder einmal „Hallo!“ zu sagen.

veröffentlicht am 12.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:21 Uhr

270_008_4699875_lkae101_1208.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Gustav Wissel, der Initiator des Freundeskreises – übrigens einer Gruppe des Aerzener Heimat- und Verschönerungsvereins – erwartet neben seinem Freund aus Kindertagen noch weitere ausgewanderte Aerzener aus der Schweiz, aus Amerika und Kanada zum Treffen unter der Eiche. „Es sind meine ganz persönlichen Kindheitserinnerungen, die mit diesem Stückchen Erde hoch über dem Flecken Aerzen fest verwurzelt sind“, erzählt Erich Schütte. Hier hat er gemeinsam mit seinen Freunden gespielt und trotz der schweren Nachkriegszeit seine Kindheit unbeschwert verleben dürfen. „Ich glaube, ich kann sagen, Aerzen ist und bleibt für uns Ausgewanderte immer unsere Heimat, ganz egal, wie lange wir schon in der Fremde leben“, erklärt der 74-Jährige, der Kontakt zu vielen Aerzenern auf der ganzen Welt hält. Ein bisschen wehmütig fügt er hinzu: „Heimat ist wie eine Mutter. Egal, wann das Kind das Nest verlässt, es sehnt sich immer wieder nach den Eltern. Den Wert der Eltern und der Heimat lernt man erst kennen, wenn man beides nicht mehr in der Nähe hat.“

Das soll aber nicht heißen, dass er mit seiner Entscheidung, Deutschland 1958 als 21-Jähriger den Rücken gekehrt zu haben, hadert. „Aus-tralien ist das Land, in dem ich wohne, wo ich mein Leben verbringen konnte und wo ich alt geworden bin. Hier habe ich in den 1960er Jahren kennenlernen dürfen, was totale Freiheit und richtige Demokratie ist“, erzählt er mit Begeisterung. Anlässlich seines ersten Heimatbesuches 1975 hinterließ Erich Schütte seinen Namen eingeritzt in die Baumrinde einer Eiche auf dem Schierholzberg, von wo aus er sein Elternhaus in der August-Dreier-Straße sehen konnte. Einige australische Münzen versteckte er unter einem nahen Steinhaufen. Bei seinem zweiten Deutschlandbesuch kam er auf einem Waldspaziergang mit Gustav Wissel auf die Idee, den Platz rund um „seine Eiche“ mit einer Bank für Wanderer attraktiv zu gestalten und gleichzeitig einen Ort der Erinnerung an alle ausgewanderten Aerzener zu schaffen.

Gesagt, getan – und wozu sind Freunde schließlich da: Dem Schild und der ersten Bank folgten nicht nur ein Tisch, eine zweite Bank und ein Fahnenmast, sondern auch die Gründung des „Freundeskreises Wandersmanns Eiche“. Bei seinem letzten Besuch vor sechs Jahren initiierte Erich Schütte dann auch noch den Bau der Schützhütte und half tatkräftig mit, das Holzhäuschen oben auf dem Schierholzberg aufzustellen. Ein dickes Lob geht von Erich Schütte und Gustav Wissel an die Forstgenossenschaft Groß Berkel. „Unsere Eiche ist ja eigentlich ihre Eiche, darum sind wir der Forstgenossenschaft sehr dankbar, dass sie all unsere Aktivitäten stets befürwortet und unterstützt hat.“

Erich Schütte lebt seit 1958 in Australien. Das Foto entstand 2004 bei seinem Besuch auf dem Schierholzberg. Archivfoto: wj

Bedauernd musste Erich Schütte bereits bei seinem letzten Besuch feststellen, dass in Deutschland viele Gräber bereits nach 30 Jahren nicht mehr existieren. „In Australien und vielen anderen Ländern haben Gräber ein ewiges Recht. Angehörige können die Gräber ihrer Ahnen nach Hunderten von Jahren noch finden“, weiß er. „Auch Auswanderer werden schnell vergessen, aber dank der kleinen Schilder auf der Bank unter der Wandersmannseiche werden sie auch nachfolgenden Generationen hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben“, so der Wunsch von Erich Schütte.

Wenn er Ende August für einige Wochen wieder deutschen Boden unter den Füßen hat, will er möglichst viele alte Bekannte treffen und mit ihnen in Erinnerungen schwelgen. Dazu wird er nicht nur beim Treffen an der Eiche Gelegenheit haben, auch sein diamantenes Konfirmationsjubiläum wird der Australier in seiner ehemaligen Marien-Kirchengemeinde feiern.

Das Treffen zum zehnjährige Bestehen an der Wandersmanns Eiche findet nicht, wie ursprünglich angekündigt, am 10. September, sondern bereits am Samstag, 3. September, statt. Zur Einstimmung werden am Freitag, 2. September, in der Waldgaststätte „Bussardklause“ Klaus Schlieps Film über das Jahrestreffen 2005 sowie Bilder aus den vergangenen zehn Jahren gezeigt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?