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Debatte um Schulentwicklungskonzept: Einig im Ziel – trotzdem liefern sich Politiker Schlagabtausch

Schwierige Suche nach Kompromiss

Emmerthal. Die Nerven liegen blank in der Emmerthaler Politik. Vorwürfe, Schuldzuweisungen und persönliche Befindlichkeiten prägten eine lange Sitzung zum Thema Johann-Comenius-Schule, die wegen ihrer ungewissen Zukunft ins Gerede gekommen ist. Weil zwei verschiedene Papiere zum Schulentwicklungskonzept für die Einrichtung in Trägerschaft des Landkreises vorlagen, konnten sich die Politiker im zuständigen Ausschuss des Gemeinderates nicht annähern – obwohl sie im Grundsatz dieselbe Meinung vertraten: sich für den Standort einzusetzen. Nach langer Debatte dann die Einigung über den Vorschlag, der aus der Feder der Verwaltung stammt: Die Politik steht hinter dem Vorschlag für die Johann-Comenius-Schule, ein „Bildungshaus von Klasse 1 bis 10“ zu entwickeln. Da die Grundschule Kirchohsen in Trägerschaft der Gemeinde ihre Eigenständigkeit behalten will, soll es laut Beschluss eine Zusammenarbeit geben. Es sollen Gespräche aufgenommen werden mit dem Ziel, die Grundschulen Börry und Amelgatzen in das Konzept einzubeziehen.

veröffentlicht am 20.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:41 Uhr

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Zwar hatte CDU/FWE-Gruppensprecher Rudolf Welzhofer vor dem Beschluss bereits die Zustimmung angekündigt, damit „es weitergeht“, aber an den Kernpunkten eines eigenen Antrages festhalten zu wollen. Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) kündigte daraufhin aber an, im Kern eine Forderung der Opposition aufzunehmen: einen Arbeitskreis unter Beteiligung der Politik zu gründen, der laut Grossmann den weiteren Prozess aber nur begleiten solle.

Zum Auftakt der Beratungen hatte Grossmann davor gewarnt, in Aktionismus zu verfallen. Der Kreisschulausschuss, der in der kommenden Woche tage, werde keine Entscheidung treffen, sondern lediglich über den Sachstand informiert. Die CDU hingegen befürchtet, dass der Kreistag 2015 „zeitnah“ einen Beschluss fasse. Welzhofer vermutet, dass diese Entscheidung vor allem unter dem Eindruck der hohen Investitionskosten für die Emmerthaler Haupt- und Realschule in Höhe von rund neun Millionen Euro geprägt sein könnte, so dass ohnehin ein teilweiser Rückbau des Gebäudes geplant werde. Die Gemeinde müsse deshalb den Sanierungsstau und die Raumnot der Grundschule im Kernort (über zwei Millionen Euro) in Betracht ziehen, aber auch die geplanten Investitionen ins Bildungshaus Amelgatzen. „Wenn wir nicht Fakten an die Kreistagsmitglieder liefern, dann mache ich mir Sorgen um unsere Schule“, sagte Welzhofer, der befürchtet: „Es wird einen Aufstand in Emmerthal geben, wenn sie geschlossen wird.“

Ratsfrau Ruth Leunig (SPD), die mit zu den fünf Emmerthaler Kreistagsmitgliedern zählt, bekräftigte, für den Standort zu kämpfen. Dennoch müsse das vorliegende Konzept der Schule konkretisiert werden und ins Detail gehen. Auch der Landkreis stehe unter Druck, müsse wissen, wie sich die Schule zukunftsfähig aufstelle. „Sonst werden die Eltern mit den Füßen abstimmen“, ihre Kinder an anderen Schulen anmelden, wie „es jetzt schon geschieht“. Mit Unverständnis reagierte sie im Übrigen auf das Verhalten von Günter Ehling als Leiter der Grundschule. Nachdem bei der öffentlichen Präsentation das Konzept der Fusion mit der Johann-Comenius-Schule vorgestellt worden war, hatte Ehling dies sofort abgelehnt. „Ein Schlag ins Gesicht“, kommentierte Leunig.

Birgit Schlesinger, Rektorin der Johann-Comenius-Schule, bekräftigte im Ausschuss erneut die wichtige Bedeutung einer Fusion. Diese sei notwendig, um Strukturen wie Unterrichtszeiten anzugleichen, mit einer Stimme zu sprechen, aber auch, um mit Kreis und Gemeinde nicht zwei verschiedene Träger zu haben. Sie sei gefragt gewesen, eine optimale Lösung aufzuzeigen – und dazu zähle die Fusion.

Gleichzeitig wehrte sie sich gegen Vorwürfe, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben, wie es die Kreisschulausschuss-Vorsitzende Mechthild Clemens (Grüne) gesagt hatte. Schlesinger: „Unser Konzept zeigt sehr gut unsere Stärken auf – und wir haben eine hohe Zufriedenheit.“ Dass die Anmeldezahlen nun zurückgegangen seien, liege an der aktuellen Debatte, die sich negativ auf die Schule auswirke. Eltern aus Bodenwerder und Hehlen hätten deshalb vorsorglich ihre Kinder nicht mehr in Emmerthal angemeldet.

Verwundert zeigte sie sich über die Meinung des Kreises, dass eine Haupt- und Realschule nicht mit einer Grundschule fusionieren könne. In Hannover gebe es durchaus Schulen, an denen dies möglich gewesen sei, sagte die Rektorin. Ohnehin glaube sie, dass ihrer Schule Steine in den Weg gelegt würden, sie beklagte eine Verzögerungstaktik und zusätzlichen Druck, der mit den Rückbauplänen offenbar werde. Die Politik solle klar sagen, was sie wolle und was nicht. Ihr Eindruck, so Schlesinger: Vieles sei darin begründet, dass „Haupt- und Realschule nicht mehr gewünscht sind“. cb



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