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Zwischen Skepsis und Zustimmung: Wie Kreistagspolitiker die Konzepte sehen

Schulen positionieren sich im Wettbewerb

Aerzen/Emmerthal. Schulpolitik und Schulpädagogik – das sind Ansichtssachen, die sich zur Glaubensfrage entwickeln können. Die große Kontroverse aber blieb aus bei der Abschlusspräsentation zur Schulentwicklung an den Standorten Aerzen und Emmerthal. Wie können sich die Schule im Hummetal und die Johann-Comenius-Schule so weiterentwickeln, damit die Anmeldezahlen auch in Zukunft eine ausreichende Nachfrage sichern? Es ist naheliegend, dass die pädagogischen Spitzen der Bildungseinrichtungen überzeugt sind von ihrem Angebot. Im Wettbewerb um die Entscheidung von Schülern und deren Eltern, die Kinder auch tatsächlich anzumelden, wollen sie dennoch mit neuen Konzepten darum kämpfen. Auch ums Überleben der weiterführenden Schulen auf dem Lande. „Wir brauchen einen langen Atem, um beide Schulen zu halten“, weiß Aerzens Bürgermeister Bernhard Wagner, der sich ebenso wie sein Emmerthaler Amtskollege Andreas Grossmann und viele Interessenvertreter aus beiden Gemeinden für eine Zukunft starkmacht. Immerhin: Die Aussichten waren schon einmal schlechter. Zunächst seien beide Schulen gegeneinander ausgespielt worden, so sein Eindruck noch vor gut einem Jahr, als auf Kreisebene die Debatte begann. „Jetzt sprechen wir wieder über beide Schulen“, sieht Wagner einen Zwischenerfolg.

veröffentlicht am 16.10.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 07:21 Uhr

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So sehr sich die Gemeinden für die wohnortnahen Schulen auch einsetzen: Die Verantwortung liegt beim Landkreis als Träger der beiden Einrichtungen. Und die Mehrheitsgruppe SPD/Grüne/Piraten hatte eigentlich ein klares Ziel: eine Integrierte Gesamtschule. Doch: Die Kreistagspolitiker blieben mit diesem Wunsch weitgehend allein. Im Arbeitskreis beschäftigten sich insgesamt 120 Vertreter von Lehrern, Schülern und Eltern, Politikern und Verwaltungsspitzen aus den Gemeinden, aber auch Vertreter aus der Wirtschaft mit Konzepten, um die Bildungseinrichtungen neu zu positionieren. „Wir haben die IGS geprüft, sie ist aber nicht die bevorzugte Schulform“, sagte Dieter Meyer von dem Beratungsunternehmen MCon aus Oldenburg, der im Auftrag des Landkreises den Prozess als Moderator begleitet.

Wie berichtet, setzt die Oberschule in Aerzen auf Elemente der Reformpädagogik mit zusätzlichem Ganztagsangebot, ergänzt durch besondere Bewegungsförderung. An das Bildungshauskonzept der Gemeinde Emmerthal knüpft im Nachbarort die Haupt- und Realschule an. In Kooperation mit der benachbarten Grundschule will sie ein durchgängiges Angebot von der 1. bis zur 10. Klasse bieten. Dabei setzt sie auch auf bewährte Profile, die sie in den Bereichen Berufsvorbereitung, soziale Kompetenzen und Europaprojekte weiter ausbauen möchte. Ausführlich stellten Schulleiterin Cornelia Händchen (Aerzen) und Konrektor Rudolf Langer (Emmerthal) die Überlegungen vor, die in der Sitzung am Mittwoch auch von Vertretern der Elternschaft unterstützt wurden.

Kreisrätin Petra Broistedt, die noch im März deutlich vor Schulschließungen als letzter Konsequenz gewarnt hatte, sieht zumindest Chancen in den Ideen. Deutlich brachte sie das für Aerzen („So wie wir uns Schule der Zukunft vorstellen“) zum Ausdruck. Dort sieht sie sogar die Möglichkeit, dass auswärtige Kinder und Jugendliche die Oberschule wählen, damit das Niveau der Anmeldezahlen gehalten werden könne. Aber auch im Emmerthaler Modell sieht Broistedt „sehr gute“ Aussichten. Deutlich positionierten sich nach der Präsentation die Oppositionspolitiker im Kreistag, ohnehin nicht gerade Anhänger einer IGS. „Totgesagte leben länger“, meinte Ursula Körtner (CDU), die in beiden Konzepten „hohe Alleinstellungsmerkmale“ sieht. „Hier geht es um die Kinder, nicht um die Schulformen“, sagte sie. Heinrich Fockenbrock (FDP) äußerte sich „hocherfreut über die Entwicklung“, als hervorragend bezeichnete Ernst Nitschke (Unabhängige) die Konzepte.

Noch einigen Klärungsbedarf hingegen sieht Mechthild Clemens (Grüne) als Vorsitzende des Kreisschulausschusses, besonders, ob in Emmerthal am Modell der Haupt- und Realschule festgehalten werden soll. Constantin Grosch (Piraten) hält ebenfalls einige Fragen, besonders im Bereich Inklusion, für offen. Für die SPD merkte Annette Hergaden an, dass es an beiden Schulen zwar schon gute Ansätze gebe, die IGS aber „leider“ nicht stärker erwogen worden sei. Gruppensprecher Ulrich Watermann (SPD) meldete sich bei der Sitzung am Mittwoch nicht zu Wort, äußerte sich aber gestern auf Nachfrage wohlwollend. Beide Konzepte hätten gute und nachvollziehbare Punkte aufgezeigt. Strategie sei es aber besonders, einen Zugewinn für die Schulen aufzuzeigen. „Das müssen wir jetzt gewichten“, sagte er. Einige Fragen gelte es zu prüfen, etwa wie in Emmerthal das Ganztagsangebot als zusätzliches Qualitätsmerkmal weiterentwickelt werden solle.

Meyer, der die Arbeitsgruppen begleitet hatte, richtete zumindest einen Appell an die Kreistagspolitiker, die diesen Prozess angeregt hatten. „Wer einen Prozess lostritt, hat das Risiko, dass nicht das herauskommt, was man sich vorgestellt hat“, meinte der unabhängige Moderator. Er verwies deshalb auf die Konzepte, die unter Mitwirkung vieler Beteiligter entstanden seien. Meyer: „Wenn Sie die missachten, dann gefährden Sie das Engagement vor Ort.“ cb



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