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Aufklärungskampagne an der Schule im Hummetal

Schüler rücken Plastikmüll zu Leibe

AERZEN. Plastikmüll ist derzeit in aller Munde – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Es wird nicht nur über das Thema geredet, über die Speisefische in den Weltmeeren gelangen die Schadstoffe aus dem in Mikroplastik zerfallenen Müll am Ende der Nahrungskette auf den Tellern der Menschen. In der Oberschule in Aerzen wurde das hochaktuelle Thema auf vielfältige Weise aufgegriffen.

veröffentlicht am 26.09.2018 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 26.09.2018 um 21:40 Uhr

Im Rahmen verschiedener Projekte macht die Schule im Hummetal „Müll“ zum Thema. Hier: die Schüler-Kollage „Stadt aus Müll“. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Denn: Für Meeresbewohner ist Mikroplastik dem Plankton zum Verwechseln ähnlich und wird wie Nahrung aufgenommen. „Dabei muss man sich nun nicht vorstellen, dass am Ende ein Plastikfisch auf dem Speiseplan landet, aber die im Plastikmüll enthaltenen Schadstoffe wie zum Beispiel PCB und DDT gehen natürlich über die Nahrungskette vom Fisch auch auf den Menschen über“, erläutert Johann Santen von Sea Shepherd. Die internationale, gemeinnützige Organisation zum Schutz der marinen Tierwelt, wie sie sich selbst bezeichnet, besuchte im Rahmen ihrer Ausklärungskampagne auch die Aerzener Oberschule im Hummetal.

Die Folgen der Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik für die Meeresbewohner und letztendlich den Menschen kann nicht mehr ignoriert werden. Reste von riesigen Plastikfangnetzen, sogenannte „Geisternetze“, treiben herrenlos in den Meeren umher und werden über Jahrhunderte zur schwimmenden Falle für unzählige Fische und Meeressäuger, bevor sie in mikroskopisch kleine Teilchen zerfallen. Darüber hinaus hat die Schadstoffbelastung des „Plastik-Planktons“ nachweislich massive Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit einiger Meerestiere, sodass ihr Fortbestand nicht nur durch die Überfischung der Weltmeere, sondern auch durch ein langsames Aussterben der Arten massiv bedroht ist, lernen die Schüler in dem anschaulich mit Bildern von den internationalen Aktionen der Schutzorganisation untermalten Vortrag. „Unsere Mission ist es, die Zerstörung von Lebensräumen und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten“, erklärt Johann Santen. Der 39-jährige hat sein Magister-Studium in Geisteswissenschaften an der Uni Göttingen abgeschlossen. Neben seinem Engagement für Sea Shepherd – inklusive internationaler Einsätze – ist er auch beruflich in einem Umzugs- und Entrümpelungs-Unternehmen bemüht, Nachhaltigkeit zu leben und fördern.

Um das aktuelle Ausmaß der Plastikmüllverschmutzung in den Meeren zu verdeutlichen, nutzte der Umweltaktivist eine einfache Formel: Auf drei Fische käme ein Teil Plastik, führte er aus. Durch die weltweite Überfischung der Bestände sowie aufgrund der vielfältigen Folgen der zunehmenden Verschmutzung der Meere kann sich dieses Verhältnis binnen kürzester Zeit weiter zum Negativen verändern, so die Ansicht von Johann Santen. Und der Umweltaktivist aus Göttingen kann noch mit weiteren eindrucksvollen Zahlen aufwarten: So machte er deutlich, dass 80 Prozent des Plastikmülls auf den Weltmeeren an Land entsteht und über Flüsse dorthin transportiert wird.

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Sören Banke (13) ist in den Grießebach gestiegen, um unachtsam weggeworfenen Müll zu sammeln. Foto: sbr

Sea Shepherd wendet eigenen Angaben zufolge innovative Taktiken der direkten Aktion an, um zu ermitteln, zu dokumentieren und wenn nötig einzugreifen, um illegale Aktivitäten auf hoher See aufzudecken und ihnen entgegenzutreten. Was liegt da näher, als nach der theoretischen Aufklärung gleich in die Praxis überzugehen? Nun muss in unmittelbarer Nachbarschaft zur Aerzener Schule keine illegale Fangflotte an ihrer zerstörerischen Arbeit gehindert oder ein Orca aus einem „Geisternetz“ befreit werden, aber schon das Sammeln des unachtsam weggeworfenen Mülls entlang der Grieße und Humme stellt einen kleinen Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung der Artenvielfalt der fein ausbalancierten Ökosysteme dar.

Also machten sich die Schüler im Rahmen des Nachmittagsunterrichts in Begleitung des Umweltaktivisten sowie der Lehrer Timo Schubert und Kevin Kursawe und weiterer Fachkräfte zum Teil ausgerüstet mit Gummistiefeln, Wathose, Greifern und Säcken auf, um den Müll entlang der Uferbereiche einzusammeln.

„Erstaunlich, wie viel Müll, angefangen bei großen Teilen wie Getränkekartons oder Joghurtbecher bis hin zu Kleinteilen wie Verschlüssen von Plastikflaschen, im Bach landet“, räumt Finn Banke (13) ein und entrümpelt nach und nach mit einigen Mitschülern die Grieße entlang der Schulgeländemauer, während eine andere Gruppe dem Bachlauf bis hin zum Zusammenfluss mit der Humme in Richtung Kompostierungsanlage folgt.

Am Ende konnten drei volle Müllsäcke einer sachgemäßen Entsorgung beziehungsweise Weiterverwertung zugeführt werden.



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