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Drummer-Legende Pete York mit schweißtreibendem Konzert in der ausverkauften Domänenburg

Schlagzeugspielen als Fitness-Programm

veröffentlicht am 18.09.2016 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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AERZEN. Nun sei er doch ein wenig wackelig auf den Beinen, sagt Pete York am Ende seines bald zweieinhalbstündigen Auftritts am Freitagabend in der ausverkauften Domänenburg. Kein Wunder, gibt der 74-Jährige doch fast durchgehend Gas wie ein junger Rockdrummer. Dass ihn einst Gene Krupa zur Instrument-Wahl inspirierte, zeigt sich heute mehr denn je. York ist vor allem ein vielseitiger Jazz-Schlagzeuger, der die Becken besonders gern und variantenreich einsetzt. Wohl aber einer, der lieber auf die Felle Haut, als sie in Bar-Jazz-Manier mit Besen zu streicheln.

Nicht von ungefähr hat er mit seinen Young Friends das Count-Basie-Tribut „Basiecally Speaking“ aufgenommen. Titel wie „Jumpin‘ at the Woodside“ erinnern an den Sound der Big Bands in den amerikanischen Ballrooms der 1930er Jahre. Doch York schafft das in kleiner Besetzung: mit Torsten Goods (Jazzgitarre), Andi Kissenbeck (Hammondorgel) und Claus Koch (Tenorsaxofon). Die Bluesnummer „Splanky“ und die Ballade „Li’l Darlin‘“ stammen aus Basies Meisterwerk „The Atomic Mr. Basie“, „Tickle Toe“ von Lester Young, der in den 30ern zur Basie-Band gehörte. Die Hammond-Orgel ersetzt dabei die Bläsersätze und gibt den Klassikern eine eigene Note.

Zuhause ist York allerdings auch in vielen anderen Musikrichtungen. Den frühen Karriereschub erhielt er in der Spencer Davis Group – und die großen Hits „Keep on Running“ und „Gimme Some Lovin‘“ dürfen natürlich nicht fehlen. Das Medley der Beatles-Songs „Lady Madonna“ und „Norwegian Wood“ galt als Konzert-Höhepunkt des Duos Hardin & York, die sich selbstbewusst-augenzwinkernd als kleinste Big Band der Welt bezeichneten. Das immer ein wenig zusammengeflickt wirkende Stück breitet sich auch in Aerzen über zehn Minuten aus, als schweißtreibender Parforceritt mit einem Drummer, der durchgehend pusht und eines seiner Power-Soli einbaut, die nie auf plumper Effekthascherie basieren.

York hat zwar keine so charakteristische Soul-Stimme wie Steve Winwood bei Spencer Davis, bewältigt die Gesangparts aber durchweg problemlos. Bei „All of Me“ in komödiantischer Louis-Armstrong-Manier, bei „Crossroads“ in Sprechgesang-Nähe. Nur Duke Ellingtons „Caravan“ hätte sich auch rein instrumental genügt.

Was Pete Yorks Konzerte so unterhaltsam machen, ist seine Moderation. Zu jedem Titel hat er eine Anekdote parat. Über die Verwendung von „Keep On Running“ für eine Klopapier-Werbung, über ein Partygespräch mit Eric Clapton, mit dem er ebenso zusammenspielte wie mit Deep Purples Jon Lord. Über den Brexit und immer wieder selbstironisch über das Alter. York, der seit mehr als 30 Jahren in Bayern lebt, springt dabei zwischen Englisch und Deutsch hin und her, was den von britischem Humor geprägten Ansagen ihre besondere Note gibt.

Die Reise durch 80 Jahre Musikgeschichte von Jazz über Blues, Rhythm’n’Blues und Rock’n’Roll bis Rock bestreitet York mit Musikern, die in all diesen Stilen überaus versiert sind. Claus Kochs Tenorsaxofon steuert überwiegend einen warmen, vollen Ton bei, Kissenbeck erinnert in seinem rhythmusbetonten Spiel an große Hammond-Organisten wie Jimmy Smith und Torsten Goods besticht, wenn er bei den Jazz-Stücken Raum für Soli bekommt, die – ähnlich wie bei Kenny Burrell – nie zu einer Vorführung von Gitarrenspiel-Techniken ausarten.

Mit „Let the Good Times Roll“ hatte York sein Konzert begonnen. Als er sich klitschnass nach zwei Zugaben unter Applaus verabschiedet, ist gewiss: Es war kein leeres Versprechen. Möge das Schlagzeugspielen Pete York noch lange fit halten.



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