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Kirchengemeinden im Ilsetal lassen gleich drei Instrumente restaurieren

Schimmel und Holzwurm in der Orgel

Börry. Wenn Bernhard Buschmeier erklärt, dass er demnächst die Pfeifen in der Kirche von Börry zum Sprechen bringen will, dann redet er nicht etwa herabwürdigend von den Gemeindemitgliedern. Bernhard Buschmeier ist Orgelbauer und mit seinem Kollegen Jan Nückel derzeit dabei, die Orgel in Börry zu restaurieren.

veröffentlicht am 30.10.2015 um 11:33 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 14:11 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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Bevor es dazu kam, standen die Kirchengemeinden im Ilsetal zunächst aber vor der Frage: Wie sollen wir das finanzieren? Denn nicht nur die Orgel von Börry muss saniert werden. Auch die in Esperde und Frenke. Zusammen ergibt das einen Investitionsbedarf von 105 000 Euro. Erst ein Zuschuss der Landeskirche von 40 Prozent und die Spendenbereitschaft der Kirchenmitglieder und von Stiftungen machten das Projekt schließlich möglich.

Bereits im Jahr 2010 gab es eine Begutachtung der Orgeln durch den Sachverständigen des Kirchenkreises, Prof. Hans-Christoph Becker-Foss. Dabei wurde der Restaurierungs- und damit Investitionsbedarf festgestellt. „Da war guter Rat teuer, wie wir diese Summe aufbringen sollten“, erklärt Karl-Heinz Reckemeyer, der im Kirchenvorstand für die Orgel-Sanierung zuständig ist. Die Landeskirche gewährt dabei normalerweise einen Zuschuss von 30 Prozent. Hier, weil gleich drei Orgeln saniert werden sollen, wurden sogar 40 Prozent gewährt. „Dafür sind wir der Landeskirche auch sehr dankbar“, bemerkt Pastor Volker Jahnke. „Es kam uns dann zugute, dass wir in den Vorjahren gut gewirtschaftet und gewisse Rücklagen hatten. Das reichte aber auch noch nicht, um die Gesamtsumme von verbleibenden rund 63 000 Euro zu finanzieren“, erklärt Kirchenvorsteher Reckemeyer. Und so wurden Spenden gesammelt. Pastor Jahnke: „Dabei kann man nur mit großer Freude feststellen, dass bei gerade mal 400 Gemeindemitgliedern in Börry und 200 in Latferde und Brockensen bislang allein 20 000 Euro zusammenkamen.“ Auch die Stiftung Frankenberg-Emmerthal von Sigrid Lohmann zeigte sich großzügig und spendete 5000 Euro für die Orgel in Börry und je 3000 Euro für die in Esperde und Frenke. Eine weitere Spende kam von der Sparkassen-Stiftung. Den Zuschlag für die Arbeiten erhielt schließlich die Firma Gebr. Hillebrand aus Altwarmbüchen.

„Die Probleme bei der Orgel in Börry waren Schimmel und Verschleiß. Auch einen Befall durch den Holzwurm, der in einer Orgel den größten Schaden anrichten kann, gibt es. Aber der Holzwurm ist hier aktuell erfreulicherweise nicht aktiv“, erklärt Orgelbauer Bernhard Buschmeier. Der Schimmel wurde beseitigt. Um den Pilz zukünftig zu verhindern, sind Orgel und ein neuer Windbalg jetzt gemeinsam im Kirchenraum untergebracht. Buschmeier erklärt: „Vorher wurde der Wind aus dem Turm angesaugt, wo ein anderes Klima und damit eine andere Temperatur herrscht, was die Schimmelbildung fördert“. Ein neuer, abgekapselter und sehr leiser Elektromotor sorgt nun für die Luftzufuhr. Auch der alte Windbalg im Turm, der früher noch mechanisch per Fußkraft getreten werden musste, kann wieder genutzt werden.

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  • An der Rückseite der Orgel arbeitet Jan Nückel. tis

Das ist natürlich noch längst nicht alles, was bei dieser Restaurierung ansteht. „Die Windladen, das Herzstück einer Orgel, zeigten Trockenrisse auf. Diese wurden mit Leder aufgefüllt und dienen nun aufgrund der Nachgiebigkeit des Stoffs als Dehnfugen“, erklärt Bernhard Buschmeier. Auch die Klaviatur wurde mit neuem Belag versehen und wird derzeit wieder eingebaut. Der Orgelbauer erzählt: „Es gibt Firmen, die bei so einer Orgel alles original erhalten wollen. Es gibt aber Verschleißteile, die ausgewechselt werden müssen. Das haben wir hier auch gemacht, wobei natürlich keine Plastik- oder etwa Aluminium-Teile verwendet werden.“ Schließlich soll die Orgel genau so klingen, wie es sich der unbekannte Erbauer um 1800 gedacht hat. In zwei Wochen steht dann die Instrumentalisierung an. Dann wollen Jan Nückel und Bernhard Buschmeier besagte Pfeifen wieder zum Sprechen bringen: Nach der Demontage sollen die Orgelpfeifen dann erstmals wieder erklingen. Nach der Generalstimmung soll Ende November die Restaurierung abgeschlossen sein.

Kirchenvorstand und Pastor Jahnke denken daher darüber nach, die Orgel in der Weihnachtszeit bei einem festlichen Gottesdienst einzuweihen.

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