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Jung-Bürgermeister Daniel Pape über seine Arbeit und das politische Leben an der Peripherie

Romantisches Landleben hat Schattenseiten

Schevelstein (sbr). Die Sehnsucht nach der neu entdeckten Natürlichkeit scheint grenzenlos zu sein – zumindest im Zeitschriftenregal. ‚Liebes Land‘ und ‚Land und Berge‘ sind nur einige Titel in der überaus beliebten Hochglanzmagazin-Reihe. ‚Landlust TV‘ beleuchtet eigenen Bekundungen zufolge die schönsten Seiten des Landlebens einmal monatlich im Fernsehen.

veröffentlicht am 01.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:41 Uhr

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Das echte Leben auf dem Land bleibt dabei viel zu oft unbeachtet auf der Schattenseite. Von der neu entdeckten Lust am Landleben ist in der realen Welt draußen nur wenig zu spüren. „Wenn man hier eine Wohnung oder ein Haus vermieten möchte, macht man das am besten im Sommer. Im Winter kommt sowieso niemand hierher“, rät Daniel Pape. Der 25-Jährige ist gebürtiger Schevelsteiner und kennt die Probleme genau, die der demografische Wandel vor allem auf dem Land mit sich bringt. Nicht nur, weil es an Nachwuchs mangelt, insbesondere auch, weil junge Menschen für ihre ganz persönliche berufliche Perspektive ihre Heimat verlassen müssen, geraten besonders kleinere Orte immer mehr in Existenznot. Wohnortnahe Arbeitsplätze, vor allem in der Landwirtschaft, gehen verloren und neue entstehen nicht unbedingt auf dem Land.

Daniel Pape hat Glück: Der ausgebildete Landwirt hat sich zum Betriebswirt weiterbilden lassen und im Nachbarort Egge die Vorarbeiterstelle auf einem landwirtschaftlichen Betrieb übernommen. Verheiratet ist der junge Mann, der mit einem Bruder und einer Schwester in Schevelstein aufgewachsen ist, noch nicht. In seiner Freizeit engagiert er sich seit 15 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr Egge, anfangs in der Jugendfeuerwehr, seit seinem 16. Lebensjahr bei den Aktiven. Ebenfalls mit 16 Jahren legte Daniel Pape das grüne Abitur ab und erwarb seinen Jagdschein. „Mehr Freizeitangebote gibt es hier oben leider nicht. Aber dennoch ist unser Alltag nicht langweilig. Man trifft sich mit Gleichaltrigen und besucht gemeinsam Freunde in den Nachbarorten“, sagt Daniel Pape. „Und den gemeinschaftlichen Zusammenhalt, den es in den kleinen Dörfern wie Schevelstein noch gibt, findet man vielerorts schon gar nicht mehr“, weiß er von Vorteilen des etwas abgeschiedenen Landlebens zu berichten. Man muss wohl schon in Schevelstein geboren sein, um sagen zu können: „Hier bekommt mich so schnell niemand weg.“

Der Aerzener Ortsteil gehört mit seinen 14 Häusern und 29 Einwohnern zur Ortschaft Grupenhagen. Nachdem sich der langjährige Ortsbürgermeister der Ortschaft Grupenhagen, der Flakenholzer Friedrich Beckmeier (CDU), im vergangenen Jahr nicht mehr zur Wahl gestellt hatte, war es Daniel Pape ganz wichtig, dass die alte Ortschaft Egge, zu der auch Schevelstein und Flakenholz gehören, mit einer Stimme im Ortsrat Grupenhagen vertreten ist. „Jeder meckert, aber die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, ist auch hier auf dem Land nicht besonders groß“, musste Daniel Pape erfahren. Kurzerhand ließ er sich von der CDU zur Wahl aufstellen, obwohl er im Vorfeld kommunalpolitisch noch keine Erfahrungen gesammelt hatte.

„Auf der Ortsratsebene sollten meiner Meinung nach Entscheidungen sowieso parteiunabhängig getroffen werden und das Beste für den Ort stets im Mittelpunkt stehen“, vertritt er die Ansicht.

Dass er damit offenbar genau richtig liegt, beweisen die zahlreichen Stimmen, die der politische Neuling bei der Kommunalwahl im vergangenen Herbst aus Grupenhagen, Königsförde und Egge auf sich vereinen konnte. „Das war schon gut!“, kommentiert Daniel Pape das hervorragende Wahlergebnis nicht ohne Stolz.

Mit 277 Wählerstimmen landete er mit einem deutlichen Vorsprung von 84 Stimmen auf Platz eins in der heimischen Wählergunst und bekleidet seither das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters – der jüngste im Flecken Aerzen übrigens. „Ich möchte ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der ländlichen Bevölkerung haben – egal, welcher Generation sie angehören. Der Stellenwert der Infrastruktur wird bei den Gesprächen immer wieder besonders deutlich. Straßenbau und Einkaufsmöglichkeiten sind immer wieder Themen, die den Bürgern auf den Nägeln brennen“, hat der junge Kommunalpolitiker erfahren. Auch wenn es gerade jetzt in der Erntezeit manchmal nicht ganz einfach ist, den Mähdrescher, die Freundin, die Feuerwehrübung, die Sitzung der Kommunalpolitik und das offene Ohr für die Bürger unter einen Hut zu bringen, Daniel Pape meistert diese Mammutaufgabe bisher mit jugendlichem Geschick. Weg will er auf jeden Fall nicht aus der Region.

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