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Zwischen Preiskampf und Qualitätsprodukten vom Hof: Landwirt startet Vermarktung mit „Zapfstelle“

Rohmilch frisch gezapft

Reinerbeck (wj). Die verschiedensten Waren aus dem Verkaufsautomaten zu holen, ist nicht neu. Aber auch frische Milch, direkt von der Kuh? Steffen Sauermann in Reinerbeck macht’s möglich! Der junge Landwirt, vor wenigen Tagen gerade 18 geworden, auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen und dort derzeit auch noch tätig, entdeckte vor wenigen Wochen im Internet ein Inserat, in dem für Milchautomaten geworben wurde. Bei Steffen Sauermann sprang sofort der berühmte Funke über: Das wäre auf unserem Hof doch noch eine zusätzliche Einnahmequelle, während die Landwirtschaft über den Rückgang der Milchpreise klagt. Die „Frischmilch-Zapfstelle“ hat bereits ihren Platz im selbst gezimmerten Verkaufstand direkt an Hofeinfahrt gefunden, ist rund um die Uhr auf Selbstbedienung eingestellt.

veröffentlicht am 31.07.2015 um 16:29 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Sauermann sieht ein Umdenken bei den Verbrauchern, die nicht immer mehr auf sinkende Milchpreise in den Kühlregalen der Discounter schielen. „Die Leute sind bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sie dafür bessere Qualität erhalten“, glaubt er. Was früher selbstverständlich für viele gewesen sei, mit einer Kanne die Milch vom Bauernhof zu holen, könnte eine Renaissance erleben. „Viele kennen nicht mehr den Geschmack von Rohmilch“, weiß er. Und von vielen Einwohnern höre er, dass sie zwar die Milch gerne vom Bauernhof holen würden, sich aber nicht getraut hätten zu fragen.

27 Milchkühe werden gehalten, und zwar auf der Weide. Zwar musste Steffen bei seinen Eltern Friedrich und Susanne Sauermann, die den Bauernhof (Im Bruche 4) noch bewirtschaften, Überzeugungsarbeit leisten, doch ließ er nicht locker – mit Erfolg. Ab dem 2. August gibt es in „Steffens Frischebox“ Erzeugnisse direkt vom Bauernhof, frische Produkte aus der Region. In erster Linie „frische Milch zum Selberzapfen“, aber mit einem weiteren Automaten werden Eier von hofeigenen Hühnern, Kartoffeln, Honig und verschiedene Wurstsorten aus dem Weserbergland und weitere Produkte aller Art, je nach Saison, bereitgehalten – 24 Stunden am Tag

Die Kunden können damit auch ein Zeichen setzen gegen den Preiskampf auf dem Milchmarkt. Auf die Probleme hatte vor wenigen Tagen der Milchbauer und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte, aufmerksam gemacht. „Bei meinen Berufskollegen auf den Höfen herrscht eine bedrückte Stimmung. Frust und Wut wegen des massiven Preisdrucks des Lebensmitteleinzelhandels“, meinte er. Korte sagte, dass er derzeit mit 27 Cent je Liter Milch 10 Cent weniger als vor einem Jahr erhalte. Durch die niedrigen Milchpreise würden geschätzt rund 30 Prozent der Milchbauern große Liquiditätsengpässe haben, sagte der Vizepräsident.

Die Reinerbecker Milchbauern werden die Verluste durch den Automaten nicht ausgleichen, bieten aber so einen besonderen Service. Sauermann: „Die jetzt von mir installierte Frischmilch-Zapfstelle ist übrigens die erste ihrer Art im Landkreis Hameln-Pyrmont“ – jedenfalls so seine Informationen. Und wie kam er zu der Idee, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse direkt ab Hof zu vermarkten? Klar, dass er schon immer eine besondere Beziehung zur Landwirtschaft hatte. Als dann seine Oma Anneliese im Herbst 2008 aber plötzlich ins Krankenhaus musste, oblag es ihm, ihre elf Hühner zu versorgen. „Und dafür durfte ich auch gelegentlich ein paar Eier an den Mann oder auch die Frau, bringen – eine willkommene Aufbesserung des Taschengeldes“, erzählt Sauermann. „Jedenfalls wuchs meine Liebe zum Federvieh und habe sie dann nach Omas Genesung auch behalten – das geht ja nun inzwischen schon sieben Jahre so.“ Nun kommt die Frischmilch halt noch dazu.

Milchbauern klagen bundesweit über den Preiskampf. Steffen Sauermann aus Reinerbeck will nun einen Teil der Milch selbst vermarkten – mit der „Frischmilch-Zapfstelle“. dpa/wj



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