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Emmerthaler Polizei löst Rätsel um 30 Kilogramm schwereTigerpython

Riesenschlange ist aus Zirkus entwichen

KIRCHOHSEN. Das Rätselraten um die Riesenschlange aus der Weser in Emmerthal ist gelöst. Der dreieinhalb Meter lange und 30 Kilogramm schwere Tigerpython, der am Sonntagmorgen an der Weser unterhalb des Klärwerks von Emmerthal entdeckt wurde, ist aus einem Zirkus entwichen. Der Zirkus könne sich derzeit nicht erklären, wie „unsere Clara“ ausbüxen konnte, sagte Natascha Köllner, Tochter des Zirkusdirektors.

veröffentlicht am 18.06.2018 um 12:12 Uhr
aktualisiert am 18.06.2018 um 21:20 Uhr

Tigerpython „Clara“ ist aus dem „Circus Salto“ entwichen. Dompteur Gordon Köllner und Artist Jorden Frank mit Riesenschlange. Foto: (C) OMK MEDIA Oliver M. Klamke
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der dreieinhalb Meter lange und 30 Kilogramm schwere Tigerpython, der am Sonntagmorgen an der Weser unterhalb des Klärwerks von Emmerthal entdeckt wurde (wir berichteten), ist aus einem Zirkus entwichen. Das haben die Ermittlungen der Polizeistation Emmerthal am Montag ergeben. Der „Circus Salto“ habe das Fehlen der fünf Jahre alten Riesenschlange erst nach dem Anruf der Polizei festgestellt, sagte Hauptkommissar Olaf Hornig. Die Schlange hält sich für gewöhnlich in einem mobilen Gehege in künstlichen Höhlen auf. Der „Circus Salto“ sei davon ausgegangen, dass sich der Python dort befindet, sagte Natascha Köllner, Tochter des Zirkusdirektors Bernhard Köllner, im Gespräch mit der Dewezet. Das Familien-Unternehmen hatte in der vorletzten Woche an der Weser unterhalb der Valentini-Brücke in Emmerthal gastiert. Inzwischen sind die Artisten weitergezogen. Die Ordnungsbehörde der Gemeinde Emmerthal habe mit ihren Kollegen im Kreis Warendorf, wo sich der Zirkus zurzeit befindet, Kontakt aufgenommen, sagte Hornig. Es gehe darum, die Haltungsbedingungen zu überprüfen.

Der Zirkus könne sich derzeit nicht erklären, wie „unsere Clara“ ausbüxen konnte, sagte Natascha Köllner. „Sie muss aus dem Terrarium-Wagen gekommen sein. Wir sind gerade dabei, nachzuschauen, ob da irgendwo ein kleines Loch ist.“ Der „Circus Salto“ sei glücklich, dass die Schlange wohlauf ist. „Wir sind dem Chef des Tierparks in Bad Pyrmont sehr dankbar, dass er Clara eingefangen und ihr Asyl gegeben hat.“

Nach Angaben von Ermittler Hornig kommen auf den Zirkus weder straf- noch ordnungsrechtliche Verfahren zu. Ein Tigerpython dieser Größe sei zwar gefährlich, „der Polizei ist aber nicht bekannt, dass von der Würgeschlange zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich eine konkrete Gefahr für einen Menschen ausgegangen ist“, so Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera. „Man kann allenfalls eine abstrakte Gefahr für den der Angler annehmen, der die Schlange mit seinem Schuh angestoßen hat, um zu testen, ob sie noch lebt.“ Statt mit Angriff habe der Python jedoch mit Flucht reagiert. Laut Tierpark-Direktor Kampe ist das der morgendlichen Kühle geschuldet. Schlangen sind wechselwarme Tiere und träge, wenn es nicht so warm ist. Natascha Köllner vom „Circus Salto“ winkt ab. Sie sagt: „Unsere Clara ist zahm. Sie ist an Menschen gewöhnt.“

Die Riesenschlange war am Sonntagmorgen am Weserufer unterhalb der Kläranlage in Kirchohsen entdeckt worden. Sie ist aus einem Zirkus entflohen. Foto: wfx
  • Die Riesenschlange war am Sonntagmorgen am Weserufer unterhalb der Kläranlage in Kirchohsen entdeckt worden. Sie ist aus einem Zirkus entflohen. Foto: wfx

Auf seiner Homepage schreibt der „Circus Salto“ der Familie Köllner, man bürge seit mehr als 150 Jahren für Zirkus auf höchstem Niveau. Bereits in 8. Generation bereise die 20-köpfige Artistenfamilie vornehmlich West- und Norddeutschland. Laut Natascha Köllner ist der Zirkus im Besitz von mehr als 50 Tieren. „Wir haben Lamas, Pferde, Kamele – und natürlich auch Schlangen“, sagt sie.

Nachdem die Dewezet über den Python-Fund berichtet hatte, stand für einige Leser sofort fest: Bei dem Exoten konnte es sich nur um die große Schlange aus dem kleinen „Circus Salto“ handeln, der nur wenige Hundert Meter weiter am Weserufer gastiert und Emmerthal längst verlassen hatte. Alexandra Pohl hatte mit ihrem Sohn Julian die Tierschau anlässlich der letzten Zirkusvorstellung besucht. „Da passte alles zusammen“, erzählt die Reinerbeckerin. Schließlich habe der Zirkusmitarbeiter mit der Schlange um den Hals die wichtigsten Daten genannt. Dreieinhalb Meter lang, 30 Kilo schwer – wie er Alexandra und Julian Pohl erklärte. „Der möchte ich nicht in freier Wildbahn begegnen“, zeigt sie Respekt vor der Würgeschlange, die sie sogar anfassen durfte. „Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt – ganz weich“, erzählt die Mutter. Übrigens dürften schon sehr viele Kinder eine der Schlangen mit den Namen Anna und Clara aus nächster Nähe gesehen haben. Zirkusbeschäftigte hatten die Grundschulen besucht und mit der kleineren der beiden Pythons für ihre Gastspiele in Kirchohsen geworben – auch in Aerzen, wo Sohn Julian die zweite Klasse besucht. Da gab es für den Jungen kein Halten mehr. „Wir müssen in den Zirkus“, drängelte er – mit Erfolg. Eine „nette Vorstellung“ übrigens, wie seine Mutter erzählt. Natürlich sei ihrer Familie bewusst gewesen, dass es sich um einen kleineren Betrieb handele, der es offensichtlich nicht einfach habe. „Die Mitarbeiter haben sogar um Spenden für die Tiere im Winterquartier gebeten“, sagt sie. „Das ist ja eher unüblich.“

Linus Kampe, Direktor des Tierparks Bad Pyrmont, und zwei Angler hatten die Riesenschlange eingefangen. „Dieser Python ist so dick wie ein Oberschenkel und hat enorme Kraft. Das sind dreieinhalb Meter purer Muskel. Pro Meter Schlange benötigt man einen Mann, um sie halten zu können“, erklärte der Experte – und fügte hinzu: „Das ist schon ein gefährliches Wildtier.“



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