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Freiheit, Harley und Musik

Riesenparty zu 40 Jahre Motorradclub MC Spiders

GRUPENHAGEN. Die wilden 70er Jahre, der Kultfilm Easy Rider lief in den Kinos. Burkhard (heute 63) und Harald (60) fanden: Dieses Lebensgefühl sollte nicht nur im Film, sondern auch im echten Leben stattfinden. So gründeten sie mit vier weiteren Freunden 1977 den Motorradclub MC Spiders, der jetzt sein 40 jähriges Bestehen auf dem Clubgelände in Grupenhagen mit rund 500 Gästen feierte.

veröffentlicht am 20.12.2017 um 16:36 Uhr

Ein Foto aus den Anfangsjahren bringt für Torsten, Burkhard, Steiner und Harald schöne Erinnerungen zurück. Foto: hx

Autor:

Peter Höxter
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Begonnen hatte ihre Leidenschaft allerdings schon früher, in der Mopedzeit mit den Kreidlers, Zündapps und Herkules. Doch nun sollten es richtige Motorräder sein. Mindestens 500 Kubikzentimeter Hubraum waren Pflicht. Burkhard begann mit einer 500er und Harald mit einer 750er Honda. Doch insgeheim war die Harley schon damals im Blick, Easy Rider eben. Diesen Wunsch erfüllten sie sich dann 1980, Burkhard mit einer zusammengebauten Harley mit „Late Shuffle“ Motor, Harald mit einer „Wide Glide“. Rund 15 000 D-Mark mussten sie damals zusammenbekommen, fast ein halbes Jahresgehalt. „Die Dinger waren laut und man konnte der Polizei erzählen, was man wollte, die kannten sich zu der Zeit mit Harleys eh nicht aus“, schmunzelt Burkhard. Harald ergänzt: „Eine breite lange Gabel und ein kleiner Tank – das musste sein. Gemeinsames Motorradfahren, Freiheit und Freundschaft standen im Vordergrund. Mit der Spinne als Sinnbild, denn, so meint Burkhard, „den Spinnen gehört die Welt“.

Aber es waren wilde Jahre, sie waren jung und so blieb auch das Kräftemessen auf diversen Schützenfesten mit der Dorfjugend nicht aus. „Irgendeiner hat es eigentlich immer probiert – und meist den Kürzeren gezogen“. Die Kutte, das Erkennungszeichen der MC´s polarisierte die Gesellschaft zu dieser Zeit genauso wie heute. Das wurde im Film Easy Rider sehr deutlich, meint Harald: „Die Leute träumten von der Freiheit, doch wenn sie Leuten begegneten , die sie tatsächlich lebten, bekamen sie Angst. Für die war jeder mit Motorrad, Bart und langen Haaren ein Verbrecher. Wir hatten mit dem normalen Bürgertum nicht viel zu tun, die wollten uns eh nicht haben.“

Lange Haare haben die beiden heute noch, aber sie kehrten dem Clubleben nach einigen – wie sie sagen, prägenden Jahren- den Rücken. Der Grund sei eine andere Auffassung zu den Vorstellungen der jüngeren Mitglieder gewesen. „Aber wir sind dem MC Spiders immer noch freundschaftlich verbunden, den jedes hat seine Zeit und Berechtigung“. Doch was wurde anders mit den Jahren? „Steiner“(54) und Torsten(47) beschreiben es so: „Unsere Ausfahrten zogen immer weitere Kreise und wir besuchten oft andere Clubs – -auch weiter weg“.

Jimmy Cornett heizte den Gästen der Spiders mit erdigem Blues Rock tüchtig ein. Foto: hx
  • Jimmy Cornett heizte den Gästen der Spiders mit erdigem Blues Rock tüchtig ein. Foto: hx

Diese Mentalität hat sich offensichtlich bewährt, denn zur Geburtstagsparty kamen Clubs mit mehr als 1300 Kilometer Anreisestrecke aus Schweden, Dänemark, England und Kroatien. Selbstverständlich gab sich auch die Biker-Szene aus ganz Norddeutschland in Grupenhagen die Hand. Jeder MC brachte Präsente mit und das waren nicht immer Kleinigkeiten. So musste das Geschenk des MV Lehrte, eine fast 400 Kilogramm schwere Stahlskulptur, spontan mit einem Trecker vom Hänger vor das Clubhaus gehievt werden.

Was an diesem Abend auffiel: Schwarz war die alles dominierende Farbe. Ob Kutten, Jacken, Mützen und Stiefel, eine andere Farbe wird wohl an die MC´s nicht geliefert. Man erkennt sich dennoch, das zeigten die vielen brüderlichen Umarmungen an diesem Abend. Das normale Bürgertum hat übrigens dann doch Einzug auch in die Kreise der Spiders gehalten. Torsten ist Schlosser, viele andere Mitglieder selbstständig. Doch so ganz bürgerlich dann auch nicht: „Wir leben nach wie vor den Traum von Freiheit und gegenseitigem Respekt“ meintSteiner. Wir fahren gerne gemeinsam mit dem Motorrad auf Touren, in Urlaub und zu befreundeten Clubs. Groß muss der Club gar nicht sein, uns ist es wichtiger, das wir alle gut zusammen passen“.

Dass die in Hameln, Alfeld und Osterode ansässigen rund 30 Spiders so viele Besucher zu ihrem harmonischen und von vielen Erinnerungen geprägten Jubiläum hatten, unterstreicht, dass der Zusammenhalt in der Szene und nicht die Mitgliederzahl ausschlaggebend ist. Als Highlight des Abends gab der mit den Spiders gut befreundete Jimmy Cornett aus Hamburg – inzwischen eine der internationalen Größen des Blues-Rock- mit seiner Band ein sehr persönliches Konzert. Wie persönlich, konnte man daran ermessen, dass er an diesem Abend seinen 46. Geburtstag hatte und diesen gerne im Kreise der Freunde aus Hameln feiern wollte. Mögen sich in den Jahren auch die Zeiten geändert haben, eins ist geblieben: der Wunsch nach Freiheit, die Harley und die Liebe zu bodenständiger, handgemachter Musik.

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