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Aerzenerin wird Opfer eines Irrtums

Rentenkasse erklärt Frau fälschlicherweise für tot

AERZEN. Eine Woche lang war Renate Kaiser (Name geändert) tot – zumindest auf dem Papier. Die Rentenkasse hatte sie versehentlich für tot gehalten. Auch für die Bank und ihre Krankenversicherung galt die Aerzenerin als verstorben. Die 64-Jährige erzählt vom Ursprung des Missverständnisses und von ihrem Weg zurück ins Leben.

veröffentlicht am 14.06.2017 um 17:21 Uhr

Opfer eines Irrtums: Renate Kaiser (Name geändert). Foto: mz
Michael Zimmermann

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„Von so etwas habe ich vorher höchstens aus dem Fernsehen gehört“, sagt die 64-Jährige immer noch erstaunt. Und tatsächlich wird dieser Fall unter den mehr als 20 Millionen Rentnern in Deutschland wohl eher die Ausnahme sein.

Mit einem Anruf im Mai fing ihre bemerkenswerte Geschichte an, erinnert sie sich: Sie sei ans Telefon gegangen, doch die Frau von der Sparkasse wollte mit Kaisers Mann reden. Wer da gerade am Telefon war, habe die Dame wissen wollen und das Ehepaar in die Filiale gebeten. Dort seien die Kaisers darüber informiert worden, dass Rentenkasse und betriebliche Zusatzversicherung die Rentenzahlungen für drei Monate zurückgefordert und bereits abgebucht hätten. Der Grund: Renate Kaiser sei Mitte Februar verstorben. Auch die Bankkarte sei bereits gesperrt, erfuhr Kaiser, krankenversichert sei sie ebenfalls nicht mehr.

Der Bankangestellten sei die Meldung der Rentenversicherung merkwürdig vorgekommen, schließlich habe sie die angeblich Tote noch einige Tage zuvor gesehen. Es habe viele Telefonate gebraucht, „um wieder ins Leben zu kommen“, sagt Renate Kaiser. Dass der Zustand „zwischen Leben und Tod“ nur wenige Tage anhielt, sei nur der Bankangestellten zu verdanken, ist Wolfgang Kaiser sicher. „Wenn die Dame nicht so auf Zack gewesen wäre, hätte es wohl länger gedauert.“

Unklar ist aber, wo genau die Todesmeldung ihren Ursprung hatte – ohne, dass es einen schriftlichen Nachweis dafür gab. „Umgekehrt muss man ja selbst immer etwas vorlegen, wenn man was will“, sagt Kaiser. Die Bank habe bei der Rentenversicherung um Klärung gebeten, und die Antwort erhalten, dass die Information maschinell von der Krankenkasse gekommen sei. Dies wäre auch der übliche Weg, wie ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung bestätigt: Vom Tod eines Rentners erfahre man in der Regel durch die Meldebehörden oder die Krankenkassen, die alle dort bekannten Sterbefälle elektronisch übermittelten. Ansonsten informierten Bestatter oder Angehörige unter Vorlage der Sterbeurkunde über den Tod.

Verwunderlich nur, dass auch bei der Krankenkasse Verwirrung geherrscht habe, wie Kaiser berichtet. Zunächst habe es dort geheißen, das Meldeamt habe die Information weitergegeben. Dann wolle die Kasse schließlich eine elektronische Meldung der Rentenkasse bekommen haben. Hinweise liefert ein Schreiben von Kaisers Zusatzversorgungskasse, die sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigte. Darin heißt es, die Betriebsrente sei nach einer Todesfallmeldung der Krankenkasse (informiert durch die Deutsche Rentenversicherung) zurück gefordert worden.

Inzwischen schaut Renate Kaiser auf die turbulente Woche auch positiv: „Normalerweise lebt man so vor sich hin“, sagt sie heute. „Durch die Sache ist mir aber bewusst geworden, dass ich am Leben bin. Und das ist ein schönes Gefühl.“

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