weather-image
16°

Tarifkonflikt: IG Metall fordert Arbeitgeber zum Einlenken auf / Kundgebung vor Aerzener Maschinenfabrik

Protest gegen „mickriges“ Angebot

Aerzen. Vor der dritten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt der Elektro- und Metallindustrie haben die Gewerkschaften mit Warnstreiks den Druck erhöht – allein nach Aerzen kamen gestern rund 1000 Beschäftigte aus 18 Unternehmen der gesamten Region zu einer zentralen Kundgebung der Warnstreikaktion. Uwe Mebs, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, bezeichnete das bisherige Angebot der Arbeitgeber als „respektlos“.

veröffentlicht am 13.05.2013 um 16:51 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:21 Uhr

270_008_6340047_lkae110_1405.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Ort der Kundgebung in unmittelbarer Nachbarschaft zur Aerzener Maschinenfabrik mit Blick auf die Fenster der Chefetage des Verwaltungsgebäudes war bewusst gewählt: Claudia Beckert, Personalleiterin des Unternehmens, vertritt in der Tarifrunde als Verhandlungsführerin von Niedersachsenmetall die Arbeitgeberseite. Während die IG Metall 5,5 Prozent mehr Entgelt fordert, lautet das Angebot der Arbeitgeber 2,3 Prozent bei zwei Nullmonaten – „unterm Strich 1,9 Prozent für 13 Monate“, rechnet Mebs vor. Die Metallarbeitgeber „schieben ein Verhandlungsergebnis auf die lange Bank und wollen wieder einmal austesten, ob die Beschäftigten Druck machen für ihren gerechten Anteil“, sagte der Gewerkschafter und fügte, begleitet von Trillerpfeifen und Tröten der Arbeitnehmer vor dem Unternehmensgebäude, hinzu: „Den Druck sollen sie bekommen, in ihren Betrieben und auf der Straße.“

„Als mickrige Mogelpackung“ bezeichnete Martina Manthey, die für die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit am Verhandlungstisch sitzt, das Angebot der Arbeitgeber. Bevor sie wieder nach Hannover zur dritten Verhandlungsrunde am Nachmittag fuhr, kritisierte sie in Aerzen, dass die Arbeitgeber bereits über die Medien angekündigt hätten, kein neues Angebot vorzulegen. „Versteckt euch nicht hinter anderen Tarifgebieten“, meinte Manthey, die das bisherige Angebot als „Provokation“ bezeichnete.

Gestern fanden am Nachmittag in weiteren Tarifbezirken Verhandlungen statt. Darunter war auch Baden-Württemberg – das Bundesland zählt neben Nordrhein-Westfalen und Bayern als Pilotbezirk. In München haben sich für heute zur nächsten Verhandlungsrunde die Spitzen von Gesamtmetall und IG Metall angekündigt. Das könnte darauf hindeuten, dass dort ein Tarifabschluss zustande kommen könnte. Die Bundesspitzen von IG Metall und Gesamtmetall greifen regelmäßig ein, wenn die Verhandlungen auf die Zielgerade gehen. Damit ist auch gesichert, dass der Abschluss in aller Regel mit kleinen Abwandlungen in den übrigen Regionen übernommen wird.

IG-Metall-Fahnen vor dem Firmensitz der Aerzener Maschinenfabrik: Die Personalleiterin des Unternehmens vertritt als Verhandlungsführerin die Arbeitgeberseite. Wal

Martina Manthey forderte in Aerzen im Namen der Gewerkschaft bis Mitte der Woche ein „akzeptables Angebot“. Sonst werde darüber zu entscheiden sein, ob es zur Urabstimmung und zum Streik komme. Die Arbeitgeber hielten gestern am Nachmittag in Hannover an ihren Planungen fest, dass die Runde nur von kurzer Dauer sein werde. Ergebnisse gab es nicht, wie anschließend der Verband Niedersachsen-Metall mitteilte. „Wir hatten erwartet, dass die IG Metall auf unser Angebot eingeht. Das war leider nicht der Fall. Nun hoffen wir, dass die friedensstiftende Wirkung, die uns in Niedersachsen immer ausgezeichnet hat, dieses Mal von anderen Tarifbezirken ausgeht und wir zu einem raschen Abschluss kommen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, Volker Schmidt. Die Arbeitgeber bekräftigten, dass der Spielraum für Entgelterhöhungen deutlich eingeschränkt sei. „Wenn im Jahresdurchschnitt ein Wachstum von etwa 0,5 Prozent erwartet wird, kann die Lohnerhöhung nicht zehnmal so hoch sein“, begründete Verhandlungsführerin Claudia Beckert.

Dass die Streikbereitschaft in der Region hoch sei, machten mehrere Redner bei der Kundgebung in Aerzen deutlich. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir auch zu mehr bereit sind“, meinte Karsten Magnus für die IG Metaller der Aerzener Maschinenfabrik. Mebs erinnerte daran, dass sich über 3500 Beschäftigte im Bereich der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim in den vergangenen Tagen an Warnstreiks beteiligt hätten. Die Botschaft, die von der Aerzener Kundgebung in Richtung Niedersachsen-Metall ausgehe, so der Gewerkschafter: „Wenn das nicht ausreicht, können wir auch noch nachlegen.“ cb



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt